Niedersachsen plant rund 1.800 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte
Niedersachsens Landesregierung will in den kommenden zwei Jahren rund 1.800 zusätzliche Lehrkräfte einstellen. Das sieht der Haushaltsentwurf des Kultusministeriums vor. Auch Kitas sollen gestärkt werden.
Jeweils rund 9,7 Milliarden Euro will das Kultusministerium in den kommenden zwei Jahren in Schulen, Kitas und die Bildungsinfrastruktur investieren. Damit gebe das Land jeden fünften Euro des Landeshaushalts für Bildung aus, heißt es. Neben den zusätzlichen 1.805 Stellen für Lehrkräfte will Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) jeweils 200 weitere Stellen für Schulsozialarbeiter und für pädagogische und therapeutische Fachkräfte schaffen. Auch an berufsbildenden Schulen investiert das Land in multiprofessionelle Teams, dort sollen 84 zusätzliche Stellen entstehen. "Damit stärkt Niedersachsen die individuelle Unterstützung der Schülerinnen und Schüler und entlastet die Lehrkräfte bei den vielfältigen Aufgaben des Schulalltags", heißt es vom Kultusministerium.
Mehr Kinder in den Schulen - Ministerin dämpft Erwartungen
Um dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen nachzukommen, sind weitere 240 volle Lehrkraftstellen eingeplant. Allerdings dämpfte Ministerin Hamburg zu hohe Erwartungen. Es seien mehr Kinder in den Schulen, deswegen würden die Eltern oft nichts von den zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrern merken. Ab 2034 soll sich das aber ändern. Dann würden die Schülerzahlen in den Grundschulen wahrscheinlich sinken, so die Ministerin.
Lehrkräfteverband: Stellen müssen auch besetzt werden
Der Verband der Niedersächsischen Lehrkräfte (VNL) bezeichnete die geplanten zusätzlichen Stellen als ein "starkes Signal". Auch den Ausbau multiprofessioneller Teams begrüßt der Verband. Entscheiden sei nun, ob Niedersachsen genügend qualifizierte Lehrkräfte gewinnt und hält, damit die zusätzlichen Ressourcen auch in den Schulen ankommen. "Nicht die Zahl der Stellen auf dem Papier entscheidet über die Qualität von Schule, sondern die Menschen, die morgens tatsächlich durch die Schultür kommen", sagte Torsten Neumann, Vorsitzender des VNL.
Digitale Bildung als weiterer Schwerpunkt
Einen weiteren Schwerpunkt setzt Niedersachsen bei der digitalen Bildung. Das Land stattet Schülerinnen und Schüler ab Jahrgang 7 schrittweise mit digitalen Endgeräten aus. Bis 2031 sind dafür rund 800 Millionen Euro an Investitionen vorgesehen. Laut Kultusministerium wurden bereits mehr als 114.600 Geräte ausgeliefert, über 173.000 bestellt. In die Medienbildung werde ebenfalls investiert. Denn digitale Bildung bedeute auch, Kinder und Jugendliche zu befähigen, digitale Medien sicher, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen, heißt es vom Ministerium.
Dritte Kraft in Kindertagesstätten
Um auch die frühkindliche Bildung zu stärken, finanziert das Land ab dem 1. August 2027 den Einsatz der dritten Kraft in Kindertagesstätten. Die zusätzlichen Kräfte sollen die pädagogischen Fachkräfte im Alltag entlasten. "Mehr Personal bedeutet mehr Zeit für jedes Kind, bessere individuelle Förderung und stärkere Sprachbildung von Anfang an", sagte Kultusministerin Hamburg. Gleichzeitig werde weiter in die Qualitätsentwicklung in den Kitas investiert - etwa durch zusätzliche Mittel für den Ausbau der pädagogischen Fachberatung. "So stellen wir sicher, dass Kinder frühzeitig die Unterstützung erhalten, die sie für einen erfolgreichen Bildungsweg benötigen", so Hamburg.