Nach 23 Jahren ist Schluss für Frieslands Landrat Sven Ambrosy
Landrat Sven Ambrosy (SPD) hat Friesland zum Vorzeige-Landkreis entwickelt. Zweimal wurde er mit großer Mehrheit wiedergewählt. Nun hört er nach 23 Jahren aus persönlichen Gründen auf.
Sven Ambrosy wurde 1970 in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) geboren. Er studierte zunächst Archäologie und Ägyptologie in Göttingen, wechselte dann aber zum Jurastudium an der Universität Hannover. Er arbeitete beim niedersächsischen Städtetag und fing schließlich beim Landkreis Friesland als Abteilungsleiter der Kreisverwaltung an. Kurz darauf wurde er zudem noch stellvertretender Oberkreisdirektor. Schließlich stellte er sich 2003 zur Wahl des Landrats und gewann sie mit rund 53 Prozent der Stimmen. "Und dann war ich Deutschlands jüngster Landrat", erinnert sich Ambrosy.
Große Herausforderungen für den jungen Landrat
Mit 33 Jahren stand er vor einer großen Aufgabe, sagt der noch amtierende Landrat. "Die Finanzmisere der 90er-Jahre nach der Pleite der Olympia-Werke in Schortens. Damals wurden mal eben 20.000 Arbeitsplätze in den Bereichen Textil, Olympia und Bundeswehr in den Kreisen Wittmund und Friesland und der Stadt Wilhelmshaven abgebaut. Wir hatten eine Arbeitslosigkeit im Kreis Friesland von um die 16 Prozent", erzählt Ambrosy. Der Landkreis habe dann unter seiner Führung einen harten Sparkurs gefahren. Nur für Bildung, die Förderung von Kindern und Jugendlichen und die Förderung mittelständischer Unternehmen habe man Geld ausgegeben, sagt der 56-Jährige. "Rückblickend kann man sagen, dass diese Strategie insgesamt erfolgreich war. Vor Corona waren wir fünf Jahre in Folge der Landkreis mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in Deutschland. Wir hatten teilweise neun Prozent. Wir haben jetzt wieder 6,7 Prozent im IHK-Bereich und im Handwerksbereich um die fünf", erklärt Ambrosy.
Landrat als Manager: Immer um Lösungen ringen
Der Landrat betont immer wieder, dass die Erfolge vor allem auch ein Verdienst seiner Mitarbeitenden und der politischen Vertretenden im Kreistag seien. Für ihn seien messbare Erfolge immer Ansporn gewesen und die habe er nur im Team erreicht. Ambrosy sagt: "Wir sind zwar politische Wahlbeamte, aber wir sind ja nicht klassische Politiker. Wir sind Verwaltungschefs. Wir sind Manager. Wir müssen Entscheidungen immer mit den Städten und Gemeinden abstimmen. Und auch mit den Bürgerinnen und Bürgern müssen wir um Lösungen ringen", sagt Landrat Ambrosy. Das bedeute für ihn, er müsse im Vorfeld viel reden und organisieren.
Ambrosy zweimal wiedergewählt
Bei den Menschen im Landkreis Friesland kommt diese Art von Sven Ambrosy offenbar gut an. Sie schenken ihm zweimal das Vertrauen und wählen ihn 2011 erneut zum Landrat. Damals erhält er rund 75 Prozent der Stimmen. Und auch 2019 tritt der Landrat erneut bei der Kommunalwahl an, diesmal holt er 78,9 Prozent. Und das in einer Zeit, in der die SPD immer mehr Wählerinnen und Wähler verliert. Dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht, hatte Ambrosy schon im September des vergangenen Jahres angekündigt. Seine Gründe seien sehr persönlich und familiär. Nähere Angaben dazu macht der Familienvater nicht. Doch er setzt sich bis zum Schluss weiter für die Belange des Landkreises ein. Zuletzt musste der Landrat die Gesundheitsversorgung im Kreis neu ordnen. Und dafür auch viel Kritik einstecken. Eine Zentralklinik mit Wilhelmshaven zusammen hat er noch auf den Weg gebracht.
Weniger Bürokratie und mehr Verantwortung
Ambrosy wünscht sich von der Politik auf Europa-, Bundes-, und Landesebene weniger Bürokratie. "Die ist aus meiner Sicht schriftgewordenes Misstrauen gegenüber Bürgerinnen und Bürgern", betont der Landrat. Politik müsse den Menschen mehr Vertrauen schenken. 95 Prozent verhielten sich rechtmäßig und vernünftig. Das müsse der Maßstab sein. Die schwarzen Schafe müsse man dagegen für Vergehen hart bestrafen. Zudem müssten Bund und Land bei ihrer Gesetzgebung auch dafür sorgen, dass sie das Geld für die Umsetzung an die Kommunen weitergeben und sie nicht hängen lassen, wie zuletzt bei den Sozialausgaben. Sonst würde erfolgreiche Spar- und Investitionspolitik im Landkreis Friesland zunichte gemacht. Das sorge für Frust bei allen Menschen und das sei fatal.
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