Kommunalwahlen in Niedersachsen: Traumjob Bürgermeister?
Das Amt des Bürgermeisters ist herausfordernd: Man muss sich zur Wahl stellen, wird für Vieles persönlich verantwortlich gemacht - und steht unter permanenter Beobachtung. Will man da erneut antreten? Der NDR hat nachgefragt.
In knapp sechs Monaten sind die nächsten Kommunalwahlen in Niedersachsen. Dieses Mal werden die Kandidatinnen und Kandidaten wieder für acht statt für fünf Jahre gewählt. 255 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Niedersachsen haben an einer NDR Umfrage teilgenommen, ob sie erneut kandidieren wollen. Einer von ihnen ist Christian Springfeld (parteilos). Für ihn hat der Skatepark in Springe Symbolcharakter: Was schon Generationen wollten, ist im letzten Jahr dank funktionierender Demokratie fertiggestellt worden, sagt er. Und: Kommunalpolitik kann Veränderungen bewirken. Doch wo Licht sei, sei auch Schatten. Zehn Jahre Tag und Nacht Verantwortung zu haben sei schon eine ganze Menge, sagt der hauptamtliche Bürgermeister. "Natürlich ist man nicht für alles verantwortlich. Aber die Erwartungshaltung aus der Stadtgesellschaft ist schon: Das muss alles der Bürgermeister machen."
Erwartungen werden nicht immer höflich und respektvoll formuliert
"Bei manchen Anfeindungen wird sich schon sehr im Tonfall vergriffen. Und da muss man schon dreimal schlucken, wenn man darüber hinwegsehen und auf die Sachebene kommen will", so Christian Springfeld weiter. Die Gesamtbelastung hatte für ihn gesundheitliche Konsequenzen. Ein Burnout zwang ihn ein halbes Jahr zur Pause. Trotzdem zieht er heute eine positive Bilanz seiner zehnjährigen Amtszeit. Antreten will er aber nicht noch einmal. Es sei Zeit für etwas Neues.
Die amtierenden Bürgermeister müssen sich entscheiden
Die Gründe gegen eine Kandidatur sind vielfältig
Die Motivation: Sichtbare Erfolge und Abwechslung
Sven Wolter, parteiloser Bürgermeister in Dassel, gehört zu den 60 Prozent, die im September noch einmal kandidieren wollen. "Also nicht nur, weil ich noch relativ jung bin mit 34, sondern weil wir auch mit unseren Aufgaben und Projekten noch lange nicht am Ende sind. Der Beruf ist so abwechslungsreich, so vielfältig", argumentiert der gebürtige Dasseler. Zuletzt hatte Sven Wolter die Sanierung der Grundschultoiletten verantwortet. Modern und hell, inklusive Duschkabinen für die Sporthalle nebenan. Die alten Toiletten sind nicht nur räumlich beengt. Der Charme der vergangenen Jahrzehnte hängt noch in der Luft.
Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
In Dassel scheint der hauptamtliche Bürgermeister einen guten Rückhalt aus der Kommune zu haben. Für Sven Wolter ist wichtig, "dass wir bislang nicht nur mit unterschiedlichen Akteuren in der Stadtgesellschaft, sondern auch in der Verwaltung und zusammen mit den Ratsmitgliedern vernünftig, sachlich und respektvoll zusammengearbeitet haben". Wie so viele Berufe hat auch der Beruf des Bürgermeisters Höhen und Tiefen. Aus Gesprächen mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern wird deutlich, dass es der Wunsch nach einem guten Miteinander beim Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern und in der Kommunalpolitik ist, was viele von ihnen vereint.