Kommunalwahl 2026: So reagieren die Parteien auf die Stichwahlen
Die Kommunalwahlen in Niedersachsen 2026 sind beendet - die Sieger und Verlierer der Stichwahlen stehen fest. Wie bewerten die Parteien ihr Abschneiden? Und was bedeutet das für die Landtagswahl in knapp einem Jahr?
Ministerpräsident Olaf Lies zeigte sich sehr zufrieden. "Das ist ein guter Abend für die Sozialdemokratie in Niedersachsen", sagte der SPD-Landesvorsitzende am Sonntag. Lies verwies dabei auf Erfolge einzelner Kandidatinnen und Kandidaten, wie etwa Hannovers neuer Regionspräsidentin Eva Bender sowie dem als Braunschweiger Oberbürgermeister wiedergewählten Thorsten Kornblum.
Lies: Scheitern der AfD-Kandidaten "besonders wichtig"
Zudem äußerte sich Lies zum Abschneiden der AfD: Es sei "besonders wichtig", dass die Partei keines der kommunalen Spitzenämter übernehmen könne. AfD-Kandidatinnen und Kandidaten hatten es in Salzgitter, Munster und Bockenem in die Stichwahl für ein kommunales Spitzenamt in Niedersachsen geschafft - alle drei unterlagen. Die AfD stellt damit in Niedersachsen weiterhin keinen Bürgermeister und keinen Landrat. Im Stadtrat von Salzgitter ist sie jedoch stärkste Kraft.
Grüne freuen sich über "Superwahlabend"
Freude herrscht bei den Grünen: In 11 von 13 Stichwahlen setzten sich ihre Kandidatinnen und Kandidaten durch. Als "Superwahlabend" bezeichnete der Grünen-Landesverband die Ergebnisse, darunter die Wahl von Onyeka Oshionwu zur neuen Göttinger Oberbürgermeisterin. Co-Landeschefin Greta Gerlichs betonte, dass die Partei aus dem Erfolg Kraft für die Landtagswahl im nächsten Jahr schöpfen will. Ihre Freude verband Gerlichs auch mit einer Spitze gegen die Bundesregierung: "Während der Kaputt-Spar-Kanzler und seine Koalition unser Land vor die Wand fahren, stehen wir fest an der Seite der Menschen. Das ist unser Versprechen", sagte Gerlichs laut Mitteilung.
CDU beklagt "bundespolitischen Gegenwind"
Das Fazit der CDU Niedersachsen fällt gemischt aus. Generalsekretär Marco Mohrmann betont einerseits, dass die CDU sowohl bei den Wahlen zu den Kreistagen als auch bei den Wahlen zu den Stadt- und Gemeinderäten landesweit vorne liege und damit stärkste kommunalpolitische Kraft in Niedersachsen bleibe. Gleichwohl verweist Mohrmann auf "bundespolitischen Gegenwind". Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sowie anschließende Personaldiskussionen seien für den Wahlkampf in Niedersachsen keine Hilfe gewesen. Die "bundespolitische Stimmung" habe es vielerorts erheblich erschwert, CDU-Wähler noch einmal zu mobilisieren, so der Generalsekretär. Das habe auch den Wahlchancen von erfolgreichen und engagierten Amtsinhabern geschadet. Das sei besonders bitter, sagte Mohrmann. Die CDU in Niedersachsen werde nun jedes Ergebnis vor Ort auswerten. "Der Verweis auf Berlin allein ersetzt keine eigene Analyse", betonte Mohrmann.
AfD hat sich "Stammwählerschaft erarbeitet"
Erstmals sei die AfD in Niedersachsen mit Patricia Mair, Christoph Weynand und Felix Mull bei drei Stichwahlen für Rathausämter vertreten gewesen, wird der Landesvorsitzende Ansgar Schledde in einer Mitteilung zitiert. Die Ergebnisse des ersten Durchgangs seien bei den Stichwahlen "in etwa gehalten worden", so Schledde. Der Landesvorsitzende sieht darin eine erarbeitete Stammwählerschaft. Nun gehe man in den Wahlkampf für die Landtagswahlen im kommenden Jahr, sagte Schledde.
Protest von ausgeschlossenen AfD-Kandidaten
Womöglich ist die Kommunalwahl aber auch noch nicht überall vorbei: Nach dem Ausschluss von vier AfD-Kandidaten durch die jeweiligen Wahlausschüsse wegen Zweifeln an der Verfassungstreue hatte diese angekündigt, die Wahlen anfechten zu wollen. Betroffen sind die Landratswahlen in den Landkreisen Lüneburg und Friesland, die Oberbürgermeisterwahl in Wilhelmshaven sowie die Bürgermeisterwahl in Herzberg am Harz.