Warum der Tankrabatt so unterschiedlich bewertet wird

Stand: 25.09.2026 22:49 Uhr

Wegen der hohen Spritpreise hat der Bundestag einen erneuten Tankrabatt beschlossen. Während dies viele Autofahrer im Norden begrüßen, kritisiert die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer die politische Entscheidung.

Mit dem Gesetz der schwarz-roten Koalition wird die Energiesteuer auf Diesel und Benzin ab 1. Oktober bis Ende des Jahres um 14 Cent je Liter gesenkt. Mit Mehrwertsteuer soll sich für Autofahrer insgesamt eine Entlastung um 17 Cent pro Liter ergeben. Auch der Bundesrat hat dem Gesetz schon zugestimmt. Den Steuerzahler wird der Tankrabatt nach Angaben der Bundesregierung rund 2,5 Milliarden Euro kosten. Die Hälfte davon übernehmen die Bundesländer.

Wie viel Rabatt kommt bei den Autofahrern an?

Bei einer Pendler-Entfernung von 20 Kilometern am Tag und einem Spritverbrauch von sieben Litern pro 100 Kilometer ergibt das eine Entlastung von rund zehn Euro im Monat für den Arbeitsweg, rechnet Markus Plettendorff aus der Wirtschaftsredaktion von NDR Info vor - vorausgesetzt, die Mineralölkonzerne geben den Rabatt vollständig an die Autofahrer weiter.

Blick auf die Preistafel einer Tankstelle.

Zwar gebe es ökonomische Gründe, die dagegen sprechen - dennoch profitierten fast alle Bürger davon, meint Benjamin Großkopff.

Beim ersten Tankrabatt in diesem Jahr, der im Mai und Juni galt, war das nur bedingt der Fall. Während damals die Entlastung bei Super E5 und E10 nach Analysen des Münchener ifo-Instituts nahezu vollständig an den Zapfsäulen zu spüren war, wurden beim Diesel nur rund zwölf Cent pro Liter weitergegeben.

Viele Menschen im Norden begrüßen Tankrabatt

Viele Autofahrer, mit denen NDR Info am Freitag in Hamburg gesprochen hat, begrüßen den Tankrabatt dennoch. "Als Autofahrer finde ich das grundsätzlich positiv, weil es eine Entlastung ist", sagte ein Mann, der nach eigenen Angaben mehrere Tausend Kilometer im Monat mit dem Auto fährt. Er rechne für sich mit einer Ersparnis von 50 bis 60 Euro monatlich durch den Tankrabatt.

Eine junge Frau berichtete, dass sie die derzeitigen Spritpreise "eine Frechheit" und den Tankrabatt daher gut finde. "Ich glaube aber, dass das nicht langfristig ist", ergänzte sie. Ein Mann, der beruflich viel mit dem Auto unterwegs ist, sagte dagegen, dass er vom Tankrabatt nichts halte - "weil das nicht viel bringen wird".

Wirtschaftsweise Schnitzer sieht Tankrabatt kritisch

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer kritisiert die erneute Einführung des Tankrabatts. "Die Maßnahme ist nicht zielgenau. Man unterstützt damit die Falschen. Jemand, der ein großes Auto fährt, wird sehr viel stärker entlastet als jemand, der ein kleines Auto fährt", sagte Schnitzer im NDR Fernsehen. Die Ursache der hohen Spritpreise, also die Verknappung von Öl durch den Iran-Krieg, werde durch den Tankrabatt nicht weggehen. Der Rabatt setze zudem falsche Anreize, weil er spritsparendes Verhalten nicht fördere, so Schnitzer.

Wirtschaftsweise Prof. Dr. Monika Schnitzer
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer kritisiert den Tankrabatt.

Die Wirtschaftsexpertin empfiehlt stattdessen gezielte Direktzahlungen an die Menschen, die durch die hohen Spritpreise besonders belastet werden. "Frankreich hat bei der letzten Phase mit hohen Tankpreisen zehn Millionen Haushalte mit 100 Euro pauschal unterstützt", sagte Schnitzer. Ein entsprechender Direktzahlungsmechanismus sei in Deutschland inzwischen zwar vorbereitet, aber weiterhin nicht einsatzfähig, weil den Behörden Kontodaten der Bürger und die Verknüpfung mit Informationen über deren Einkommen fehlten.

Schafft ein "Spritpreisdeckel" langfristig Abhilfe?

Die schwarz-rote Koalition im Bund hat auch einen "Spritpreisdeckel" verabredet, der den Spielraum der Mineralölkonzerne für Preiserhöhungen begrenzen und spätestens zum 1. Januar 2027 eingeführt werden soll. Vorbild dafür ist zum Beispiel Belgien, wo es bereits einen gesetzlichen Höchstpreis für Benzin und Diesel gibt.

Die Wirtschaftsweise Schnitzer warnt dabei vor zwei möglichen Risiken. "Wird der Preisdeckel zu niedrig gewählt, liefern die Mineralölkonzerne möglicherweise kein Benzin mehr und es kommt zu einer Verknappung. Wenn der Deckel zu hoch gewählt wird, orientieren sich Tankstellen, die bislang günstig sind, daran und könnten ihre Preise erhöhen."

Blick auf Zapfsäulen für Benzin und Diesel an einer Tankstelle.

Am Freitagnachmittag hat der Tankrabatt nach dem Bundestag auch den Bundesrat passiert. Der Spritpreis sinkt um 17 Cent.

Benzin wird mit einer Zapfpistole in ein Auto gepumpt.

Spritpreis so hoch wie nie. Pipeline-Schäden in Saudi-Arabien und Huthi-Drohungen lassen den Ölpreis steigen.

Die Preisanzeige einer Tankstelle in Osnabrück

Die Politik diskutiert über Entlastungen. Ein Überblick über das Für und Wider von Tankrabatt, Preisdeckel, Übergewinnsteuer und Direktzahlungen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | NDR Info | 25.09.2026 | 21:45 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Energiekrise

Frank Klingebiel (CDU) freut sich nach dem Wahlsieg zum Oberbürgermeister.

Die Stichwahlen in den 123 Kommunen blieben ohne wirkliche Überraschungen. Die Mehrheit zog vielerorts das Bekannte dem Neuen vor.

Ein Rollstuhl steht in einem Pflegeheim

Die SPD will bei den Plänen von Bundesgesundheitsminister Linnemann (CDU) nachverhandeln. Ministerpräsident Lies unterstützt das.

Mole bei Swinemünde mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Leuchtturm Mühlenbake

Polen bereitet die Genehmigung für das Projekt vor. In der Ostsee, sechs Kilometer vor Swinemünde, soll eine Insel aufgeschüttet werden.

Stau auf der Autobahn 1 in Schleswig-Holstein Richtung Hamburg.

Staus, Baustellen, Gefahren-Hinweise: Aktuelle Meldungen zum Verkehr für Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Smartphone mit einem eingeblendeten NDR Screenshot (Montage)

Informieren Sie sich auf dem WhatsApp-Kanal von NDR Info über die wichtigsten Nachrichten und Dokus aus Norddeutschland.