Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, im Vordergrund ein Thermometer.
AUDIO: Hitzetote: RKI korrigiert Zahl deutlich nach oben (4 Min)

Tödliche Temperaturen: RKI korrigiert Zahl der Hitze-Opfer nach oben

Stand: 07.08.2026 08:05 Uhr

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind deutschlandweit laut Robert Koch-Institut (RKI) deutlich mehr Menschen an Hitzefolgen gestorben als in den Jahren davor. Auch im Norden sind die Zahlen hoch.

Nach Schätzungen des RKI sollen bis Ende Juli deutschlandweit bereits 11.900 Menschen durch den Einfluss von starker Hitze gestorben sein. Die meisten davon in Süd- und Mitteldeutschland. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wird die Zahl der Fälle auf jeweils 50 geschätzt, in Schleswig-Holstein auf 70 und in Niedersachsen auf 480.

Ein Großteil der Todesfälle soll in der besonders heißen Woche vom 22. bis 28. Juni liegen. Damals stieg die Temperatur vielerorts über 40 Grad. Die für diesen Zeitraum ursprünglich 5.000 geschätzten Sterbefälle wurden im aktuellen RKI-Wochenbericht auf 9.600 nach oben korrigiert.

Übersterblichkeit durch Hitze

Um Hitzetote statistisch zu erfassen, vergleicht man, wie viele Menschen während einer Hitzewelle gestorben sind, mit der Zahl der Todesfälle, die in diesem Zeitraum ohne Hitze aufgrund früherer Jahre oder statistischer Modelle zu erwarten gewesen wäre. Die zusätzlichen Todesfälle werden als hitzebedingte Übersterblichkeit bezeichnet. Die häufigste Todesursache bei Hitzewellen ist die Kombination aus einer Vorerkrankung - zum Beispiel einer Herz-Kreislauf-Schwäche - und hohen Temperaturen.

So berechnet das RKI seine Zahlen

Laut einer RKI-Sprecherin wird die Zahl der Hitzetoten wöchentlich neu kalkuliert. Bei den Daten des Instituts handelt es sich um Schätzungen auf Basis der Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Auch Daten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes fließen mit in die Berechnung ein. Die aktuelle Korrektur habe es gegeben, da die genauen Zahlen des Statistischen Bundesamtes erst mit einer Verzögerung von fünf Wochen berichtet wurden.

Zahl der Hitzetoten kann noch steigen

Die höchste Anzahl Hitzetoter hat es laut RKI zuvor im Jahr 2018 gegeben. Damals sollen es im gesamten Jahr deutschlandweit rund 9.000 Fälle gewesen sein. 90 davon in Hamburg, 180 in Mecklenburg-Vorpommern, 740 in Niedersachsen und 120 in Schleswig-Holstein. Die Gesamtzahl der Fälle sei in diesem Jahr schon Ende Juli übertroffen worden und könnte in den kommenden Wochen noch steigen.

Durchschnittstemperatur bei mehr als 26 Grad

Der Juni 2026 war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) der zweitwärmste seit Messbeginn. Nur 2019 sei es im Schnitt noch wärmer gewesen. Die Hitzewelle Ende Juni zeigte mehrere Extreme: Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni sei nach derzeitigen Daten die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Zudem wurde am 27. Juni nach DWD-Angaben deutschlandweit an 46 Messstationen die 40 Grad-Marke geknackt.

Hitze: Eine besondere Gefahr für Senioren

Hitze ist vor allem für ältere Menschen gefährlich. Mit gut 6.000 wurden die meisten Todesfälle in der Altersgruppe von 85 Jahren oder älter verzeichnet. Knapp 3.000 der Gestorbenen waren zwischen 75 und 84 Jahren alt, knapp 1.800 zwischen 65 und 74 Jahren. Bei den Unter-65-Jährigen waren es gut 1.100 Todesfälle.

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Verbände fordern Hitzegipfel

Angesichts der jüngsten Hitzewellen fordern die Bundesärztekammer, rund 80 weitere europäische Gesundheitsorganisationen und etliche Umweltverbände deutlich mehr Anstrengungen von Deutschland und der EU. So müsse die Erklärung des Klimanotstands in verbindliche Verpflichtungen münden und extreme Hitze als ernsthafte Gesundheitsgefahr anerkannt werden, heißt es in einer Erklärung der Gesundheitsorganisationen. Die Mediziner fordern unter anderem, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimafest zu machen.

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Der BUND, Fridays for Future, NABU und weitere Gruppen machten am Vormittag vor dem Kanzleramt auf das Thema aufmerksam. Gemeinsam mit mehr als 30 Organisationen forderten sie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, einen Hitzegipfel einzuberufen.

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