So berechnen die Bundesländer ihre CO2-Bilanzen
Wenn Hamburg klimaneutral werden will, dann bedeutet das, dass die CO2-Bilanz auf Null sinken soll. Aber wie berechnen die Bundesländer eigentlich diese Bilanz? Und welche Klimafaktoren fehlen darin?
Die CO2-Bilanz der Bundesländer bildet nicht alles ab, was das Klima aufheizt - sie stützt sich allein auf die Emissionen, die durch den Energieverbrauch in den einzelnen Ländern entstehen. Die statistischen Landesämter bekommen gemeldet, wie viel Energie im jeweiligen Bundesland genutzt wurde - also zum Beispiel wie viel Erdgas, Fernwärme, Benzin und Strom.
Energieverbrauch wird in CO2-Ausstoß umgerechnet
Damit daraus die Menge an Kohlendioxid berechnet werden kann, die bei diesem Energieverbrauch ausgestoßen wird, liefert das Umweltbundesamt jedes Jahr Umrechnungsfaktoren für die Energieträger. Denn wenn zum Beispiel mehr Strom aus Wind und Sonne genutzt wurde und weniger aus Kohle- und Erdgaskraftwerken, dann wird bei gleichem Stromverbrauch weniger Kohlendioxid ausgestoßen. So berechnet das statistische Landesamt oder eine andere Behörde aus dem Energieverbrauch des jeweiligen Bundeslandes die CO2-Bilanz.
Energie wird dort eingerechnet, wo sie verbraucht wird
Auf diese sogenannte CO2-Verursacherbilanz bezieht sich der Hamburger Volksentscheid zur Klimaneutralität. In dieser Bilanz lässt sich ablesen, wie viel Kohlendioxid die Privathaushalte mit ihrem Energieverbrauch verursachen und wie viel der Bereich Verkehr, die Industrie sowie der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Wenn der Energieverbrauch gesenkt wird oder die Energie in Deutschland zunehmend aus CO2-neutralen Quellen kommt, dann verbessert sich die Bilanz. Im Jahr 2023 lagen die CO2-Emissionen in Hamburg knapp 43 Prozent niedriger als im Vergleichsjahr 1990: bei 11.700.000 Tonnen Kohlendioxid. Im Jahr 2040 soll durch den Energieverbrauch in der Hansestadt gar kein Kohlendioxid mehr ausgestoßen werden.
Waren fließen am Herstellungs-Ort in die Bilanz
Die CO2-Verursacherbilanz orientiert sich jedoch nicht komplett am Konsum: Der CO2-Ausstoß, der bei der Produktion von Waren entsteht, wird nämlich nicht den Verbrauchern zugerechnet, die die Ware kaufen. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll zu vergleichen, welches Bundesland den niedrigsten CO2-Ausstoß pro Kopf hat und welches den höchsten. Denn die Waren, die in einem industriell geprägten Bundesland hergestellt werden und dort mit ihrem Energieverbrauch in der CO2-Bilanz auftauchen, werden ja auch in ländlich geprägten Bundesländern genutzt.
Andere Treibhausgase fehlen in der CO2-Bilanz
Was ebenfalls nicht auftaucht in dieser CO2-Bilanz, sind andere Gase, die das Klima aufheizen: F-Gase (fluorierte Kohlenwasserstoffe), Distickstoffoxid (N2O) und Methan. Sie werden nicht in die entsprechende Menge an CO2 umgerechnet, wie es zum Beispiel das Umweltbundesamt bei der Treibhausgas-Bilanz für ganz Deutschland macht. Zwar hat CO2 mit Abstand den größten Anteil an den Treibhausgasen, aber Methan hat eine ungleich stärkere Wirkung auf das Klima, vor allem kurzfristig.
Die CO2-Bilanz der Bundesländer berücksichtigt also gar nicht die Klimawirkung von Methan, das zum Beispiel Kühe in Niedersachsen bei der Verdauung ausstoßen, das in Hamburger Kläranlagen entsteht oder das aus Gasleitungen in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern entweicht. Für wirkliche Klimaneutralität müssten also in Zukunft alle klimawirksamen Gase in eine Bilanz mit einbezogen werden.