Extrem oder halb so wild? Antworten zum Winterwetter im Norden
Norddeutschland erlebt einen Winter mit Frost, Eis und viel Schnee - so knackig kalt wie lange nicht. Aber ist das Wetter wirklich so extrem? Das NDR Datenteam hat die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Liegt diesen Winter besonders viel Schnee?
Kurz gesagt: Ja - vor allem in und um Hamburg: "Eine höhere Schneedecke als an diesem 10. Januar 2026 wurde in Hamburg zuletzt im Januar 1981 gemessen - damals 28 Zentimeter, in diesem Jahr 25 Zentimeter", sagt Marc Wenthe vom Deutschen Wetterdienst. Das ist für den Norden deutlich mehr als üblich.
Gleichzeitig ist dieser Winter kein völliger Ausreißer: Seit 1990 gab es bereits mehrere schneereiche Winter. Besonders ins Auge fallen 2009/10 und die darauffolgende Saison. Damals lag in Norddeutschland an vielen Orten tagelang flächendeckend Schnee.
Ist es dieses Jahr besonders kalt?
Der Start in den Winter war trügerisch: Der Dezember verlief in Norddeutschland vergleichsweise mild. Erst im Januar drehte die Witterung deutlich auf Wintermodus. "In Hamburg ist es der kälteste Januar seit 16 Jahren", sagt DWD-Experte Marc Wenthe.
Es zeigt sich aber auch, wie unterschiedlich die Winter verlaufen. Zu dieser Jahreszeit war es 2009/10 im gesamten Winter deutlich zu kalt - begleitet von häufigen Schneefällen. Im darauffolgenden Jahr ähnelte der Temperaturverlauf eher der aktuellen Saison.
Welche Orte stechen besonders heraus?
Besonders auffällig ist in diesem Winter das Wetter in Hamburg - dort herrschen in diesem Jahr nahezu alpine Verhältnisse, ordnet Marc Wenthe vom Deutschen Wetterdienst ein: "Schneefall am 4. Februar ist meteorologisch bemerkenswert: Bei minus sechs Grad fiel in Hamburg sehr trockener Pulverschnee. Üblicherweise schneit es hier eher bei Temperaturen um null Grad." Doch auch andere tief liegende Orte im Norden haben diesen Winter eine Schneebilanz, die man eher aus dem Mittelgebirge kennt.
Historisch betrachtet sticht der Winter 2009/10 heraus: In Greifswald wurden damals rund 50 Zentimeter Schnee gemessen, im Winter drauf lagen in Greifswald und in Schleswig knapp 40 Zentimeter oder mehr. Wenn es an norddeutschen Orten schneit, sind es meist unter 20 Zentimer.
Die vergangenen Jahre wirkten dagegen fast schneefrei: Vor zwei Jahren wurde nur an elf Wetterstationen eine Schneehöhe über fünf Zentimeter registriert, im vergangenen Winter 2024/25 sogar nur an drei Stationen. Entsprechend groß ist jetzt der Kontrast.
Was bringt dieser Winter noch?
Wer jetzt auf das baldige Ende des Winters hofft, sollte die norddeutsche Statistik nicht unterschätzen: Schnee bis weit in den Februar - und gelegentlich sogar in den März hinein - ist im Norden nicht ausgeschlossen.
Ein Blick auf die Messreihen zeigt: Fürs Schlittenfahren reicht es möglicherweise nicht, aber in der Vergangenheit wurden auch im Februar immer wieder Schneehöhen von 15 Zentimetern und mehr registriert.
Kurz: Der Winter 2025/26 ist noch längst nicht durch. In Norddeutschland sind in den kommenden Wochen weitere Kältewellen, glatte Straßen und frischer Neuschnee gut möglich.