Barrierefreiheit an Bahnhöfen im Norden: Wenn der Aufzug streikt
Für Rollstuhlfahrende ist es ein großes Ärgernis: Der Zug soll gleich abfahren, aber der Aufzug ist defekt. Das NDR Datenteam hat den Betriebszustand der Aufzüge norddeutscher Bahnhöfe ausgewertet.
Für manche Reisende endet die Bahnfahrt schon, bevor sie im Zug sitzen. Sie kommen erst gar nicht auf den Bahnsteig, da sie auf einen Aufzug angewiesen sind. Für Personen mit eingeschränkter Mobilität ist es oft die einzige Möglichkeit ohne fremde Hilfe zum Gleis zu gelangen. Aber an manchen Bahnhöfen schafft es die Deutsche Bahn (DB) nicht, ihre Aufzüge zuverlässig zu betreiben. In Norddeutschland gibt es an rund 200 Bahnhöfen insgesamt etwa 400 Aufzüge. Umbau- und Neubauphasen zählten in der Auswertung nicht als Störungen. Daher fehlen möglicherweise einzelne Fahrstühle.
Besonders zu leiden hatten Fahrgäste an den Bahnhöfen Landungsbrücken und Landwehr in Hamburg. Dort funktionierten die Aufzüge zu mehr als 30 Prozent der Verkehrszeit nicht. Das bedeutet konkret: Wer regelmäßig am S-Bahnhof Landungsbrücken den Aufzug benutzen wollte, stand jedes dritte Mal vor einem defekten Gerät. In Wohltorf in Schleswig-Holstein waren es immer noch mehr als 20 Prozent der Zeit.
Neben diesen Totalausfällen mussten sich Reisende aber auch mit vorübergehenden Einschränkungen herumschlagen. In Celle, Göttingen und Bremen-Mahndorf gab es an rund 40 Prozent der untersuchten Tage Störungen von über einer Stunde.
Die meisten Fahrstühle funktionieren gut
Auch wenn diese Beispiele sehr drastisch klingen, zeigen sie nur einen kleinen Ausschnitt. Denn insgesamt funktioniert ein großer Teil der Aufzüge im Norden ohne nennenswerte Probleme. Rund 85 Prozent aller Fahrstühle hatten nur sehr geringe Gesamtausfallzeiten unter fünf Prozent. Für die Betroffenen aber macht jeder Ausfall den Bahnsteig unerreichbar.
Dauerbetrieb, Witterung und Vandalismus Hauptursachen für Ausfälle
Ungeplante Ausfälle führt die DB vor allem auf äußere Einflüsse, wie "Vandalismus, unsachgemäße Benutzung und intensive Verschmutzung" zurück. Zudem verweist das Unternehmen auf die hohen Belastungen der Geräte im Dauereinsatz und setzt nach eigener Aussage auf regelmäßige Wartungen und schnelle Reparaturen. Ein Bahnsprecher weist darauf hin, dass Reisende auf www.bahnhof.de selbst überprüfen könnten, ob ein Aufzug gerade funktioniert.
Ohne funktionierenden Aufzug kommen aber auch Senioren und Menschen mit schweren Koffern, Kinderwagen oder Fahrrädern nur schlecht zum Bahnsteig. Es sollten vor allem Menschen Aufzüge nutzen können, die sie wirklich brauchen, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Deswegen müssten weitere Möglichkeiten geschaffen werden, auf den Bahnsteig zu gelangen.
Fahrgastverband: Barrierefreiheit fängt nicht erst bei Aufzügen an
Naumann verweist auf die Schweiz: Dort gebe es mehr Rampen zu den Gleisen, um die Fahrstühle zu entlasten. Barrierefreiheit in Bahnhöfen fängt für ihn aber nicht erst bei den Aufzügen an. Blindenleitstreifen und eine akustische Fahrplanauskunft gehörten ebenso dazu wie ein stufenfreier Zugang in die Züge und die Barrierefreiheit in den Zügen selbst.
Bahn will bundesweit Milliarden investieren
Die DB plant unterdessen für dieses und kommendes Jahr die Installation von über 1.000 neuen Aufzügen, Rolltreppen und Rampen. Allein 2026 will das Unternehmen vier Milliarden Euro in den Ausbau seiner Bahnhöfe stecken.