Fahrradfahrer auf einem Radweg in Hamburg
AUDIO: Radwege in Hamburg: Großes Ziel, wenig Strecke (1 Min)

Radverkehr in Hamburg: Großes Ziel, wenig Strecke

Stand: 26.11.2025 08:11 Uhr

Auf einen Kilometer Straße kommen in Hamburg keine 400 Meter Radweg. Das Fahrrad soll jedoch bis Ende des Jahrzehnts eines der wichtigsten Verkehrsmittel in der Hansestadt sein – wie kann das gelingen? Eine Analyse des NDR-Datenteams.

von Alexander C. Mühlhausen, Hendrik Keul

Bis 2030 sollen in Hamburg 80 Prozent aller Wege klimafreundlich zurückgelegt werden – zu Fuß, mit den Öffentlichen oder per Rad. Das hat der Hamburger Senat vor zwei Jahren entschieden. Doch wie steht es um die Radwege in Hamburg, die zu diesem Ziel beitragen müssen?

Ein schmaler Radweg mit einer großen Lücke im Belag.
Kein seltener Anblick: Ein schmaler Radweg, oft zwischen Autotüren, Fußgängern und Mülltonnen samt Lücken im Belag.

Die Bilanz bisher: Laut Hamburger Verkehrsbehörde wurden in den letzten fünf Jahren jeweils ca. 60 Kilometer Radwege neu gebaut oder grundlegend erneuert. Laut Dirk Lau vom ADFC Hamburg ist dabei die Qualität ein größeres Problem als das Ausmaß: "Wenn die 65 Kilometer wirklich qualitativ hochwertig wären, wären wir zufrieden. Aber das ist nicht gegeben."

Die neugebauten und sanierten Wege sind nur ein Bruchteil der etwa 1.500 Kilometer Radwege in der Hansestadt. Im Vergleich: Für Autos gibt es gut 4.000 Kilometer. Auf einen Kilometer Straße kommen also keine 400 Meter Radweg. Allerdings gilt auf der Hälfte der Straßen Tempo 30 und Fahrräder dürfen sich unter die Autofahrer mischen.

Flickenteppich Deutschland: Wo sind die Radwege?

Dass es in Hamburg detaillierte Daten zu Radwegen gibt, ist eher die Ausnahme als die Regel. Gerade für den ländlichen Raum gibt es kaum einheitliche Daten. Der ADFC sieht darin ein Problem, weil nicht klar ist, wo Radwege fehlen und wirklich gebaut werden müssen.

Das Bundesverkehrsministerium hat lediglich Zahlen, wie viele Bundes-, Landes- und Kreisstraßen über Radwege verfügen. In Hamburg gehören nicht einmal drei Prozent der Straßen zu dieser überregionalen Kategorie - die Zahlen sagen also fast nichts darüber aus, wie gut man innerhalb eines Orts vorankommt. Allerdings geben sie zumindest einen Hinweis darauf, wie gut man mit dem Rad von Ort zu Ort kommt - etwa aus dem Dorf in die nächste Stadt.

Der Norden schneidet dabei im Vergleich am besten ab: In Niedersachsen und Schleswig-Holstein kann man immerhin an gut der Hälfte der überregionalen Straßen mit dem Rad fahren. In Mecklenburg-Vorpommern ist es immerhin noch fast jede dritte Straße - das Bundesland liegt damit sogar vor Bayern. Besonders wenige Radwege gibt es im hügeligen Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt. Gerade einmal zehn Prozent der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen werden hier von einem Radweg begleitet.

Bushaltestelle auf dem Land, abgestelltes Fahrrad und vorbeifahrendes Auto

Fahrten mit dem Rad oder Bus zum Supermarkt oder Kino dauern auf dem Land oft sehr lange. Das zeigen neue Daten.

Es kommt nicht nur auf die Länge der Radwege an

Durchgehende Radwege, die von der Straße getrennt sind, können die wahrgenommene Sicherheit erhöhen und zu mehr Radverkehr beitragen. An vielen Stellen sei eine bauliche Trennung aber nicht möglich, sagt Philine Gaffron vom Thinktank Agora Verkehrswende. Wenn sich Fahrräder und Autos eine Straße teilen, trage laut Gaffron allerdings ein Tempolimit von 30 km/h viel zur Sicherheit bei.

An dieser Stelle wird ein Radweg unmittelbar vor einer Ausfahrt auf die Straße geleitet.
Hier werden Radler an einer Ausfahrt auf die Straße gelenkt, um dann nach wenigen Metern ohne Schutzstreifen in einen Kreisverkehr zu fahren.

Besonders gefährlich sind die Übergänge von Radwegen zu Straßen und Kreuzungen. Christoph Haferburg von der Universität Hamburg hat das im Projekt BikeAccessCheck für die Hansestadt untersucht: "Wo Radwege in den Mischverkehr einmünden, steigt die Unfallhäufigkeit signifikant." So können schlecht einsehbare Radwege sogar gefährlicher sein als breite, übersichtliche Fahrradstreifen direkt an der Straße, bei denen die Radfahrer an Kreuzungen vor den Autos warten können.

Ausbau der Radwege: Das "Wie" ist politisch umstritten

Mobilitätsforscher Haferburg kritisiert die Hamburger Politik, der der Wille für eine zukunftstaugliche Verkehrswende fehle und die lieber an bestehenden Parkplätzen festhalte: "Es wird noch nicht einmal der Bedarf anerkannt, die Infrastruktur entsprechend der bisher schon gestiegenen Nachfrage auszubauen."

Eine schlecht gepflegte Kreuzung im Herbst.
Hier strahlen die Laternen nachts eher auf die Fahrbahn als auf den Radweg. Und während die Autos auf sauberem Asphalt fahren, liegen selbst im Kreuzungsbereich tagelang große Laubhaufen auf dem Radweg.

Auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion in der Opposition hat Probleme mit der aktuellen Verkehrspolitik - allerdings aus der Sicht von Autofahrern. So wirft die CDU dem Senat vor, den Autoverkehr bewusst unattraktiv gestalten zu wollen und sieht in Hamburg keine Fahrradstadt. Stattdessen solle der ÖPNV stärker ausgebaut werden.

Die Hamburger Verkehrsbehörde betont, dass aktuell viel mehr als früher für Radfahrer gemacht werde. Es würden nicht nur deutlich mehr Radwege gebaut und erneuert als vor einem Jahrzehnt. Es werde auch stärker darauf geachtet, dass sich Radfahrer auf den Wegen sicher fühlen können, etwa durch bessere Markierungen und Kreuzungen. Außerdem werde, wo möglich, der Rad- und Autoverkehr getrennt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Norddeutschland | 26.11.2025 | 08:11 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Radtouren

Hamburg

Eine Frau und ein Mann tragen mehrere Einkaufstüten am verkaufsoffenen Sonntag auf der Mönckebergstraße.

Viele Geschäfte öffneten am Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Außerdem gab es unter dem Motto "Kinder, Jugend und Familie" Aktionen. Das alles bei bestem Spätsommerwetter.

Schleppend läuft der Verkehr auf der Autobahn 1 bei Hamburg.

Bis Montag 5 Uhr ist die A7 zwischen Hamburg-Heimfeld und -Stellingen noch gesperrt. Die 55-Stunden-Sperrung führte zu starken Verkehrseinschränkungen auf Hamburgs Straßen.

Martin Hovde (HC Hamburg) beim Torwurf im Heimspiel gegen Wetzlar
Handball-Bundesliga

Am sechsten Spieltag der Handball-Bundesliga hat der HC Hamburg am Sonntagabend den erlösenden ersten Saisonsieg gefeiert.

Ein Bundeswehr-Hubschrauber schwebt über einer Gruppe von Reportern.

Begleitet von Demonstrationen ist die dreitägige Militär-Übung "Red Storm Charlie" in Hamburg am Samstag zu Ende gegangen.