Analyse: Wohlhabendere Stadtteile stimmten für Olympia in Hamburg
Beim Olympia-Referendum in Hamburg haben laut Statistikamt Nord wohlhabendere Menschen eher mit "Ja" gestimmt. Eine Analyse von NDR Data zeigt, wie Einkommen und Ergebnis in den einzelnen Stadtteilen zusammenhängen.
Fast überall, wo das Jahreseinkommen der Einwohnerinnen und Einwohner im Durchschnitt über 60.000 Euro liegt, stimmten mehr als 50 Prozent für eine Olympia-Bewerbung.
Auf der Karte sind die Stadtteile, mit mehr als 50 Prozent Ja-Stimmen, rot eingefärbt. Die schraffierten Gebiete zeigen die Stadtteile, in denen das jährliche Durchschnittseinkommen bei mehr als 60.000 Euro liegt. Beide überschneiden sich weitgehend: Insbesondere im Nordosten und in den Wohnlagen an Elbe und Alster stimmten Menschen mehrheitlich für eine Bewerbung für die Olympischen Spiele.
Entsprechend zeigte sich auch bei anderen Faktoren ein Zusammenhang: In Stadtteilen mit mehr Arbeitslosigkeit und Kinderarmut gab es mehr "Nein"-Stimmen. In Stadtteilen mit mehr "Ja"-Stimmen war der Anteil der Ein- und Zwei-Familienhäuser dagegen höher und auch die Wohnfläche pro Person.
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Ein paar Ausnahmen
In nur sechs Stadtteilen lief es anders: In Groß Borstel und Sülldorf, wo die Durchschnittseinkommen immer noch über 55.000 Euro liegen, erhielt das Referendum knapp mehr als 50 Prozent der Ja-Stimmen. In Alsterdorf und Winterhude, mit Einkommen um die 65.000 Euro, erhielt das "Nein" knapp über 50 Prozent der Stimmen. Die einzige wirkliche Ausnahme bildete das für die Statistik zusammengelegte Gebiet "Moorburg/Altenwerder/Francop", wo Menschen trotz relativ hoher Durchschnittseinkommen zu 64 Prozent gegen das Referendum stimmten. Umgekehrt lief es in Hamburg-Curslack, wo die "Ja"-Stimmen überwogen.
Korrelation zwischen Einkommen und Ja-Stimmen
Der Zusammenhang geht aber noch weiter. In den Daten zeigt sich: Je höher das Durchschnittseinkommen eines Stadtteils, desto höher der Anteil der Ja-Stimmen. Im für die Statistik zusammengelegten Gebiet "Veddel/Kleiner Grasbrook/Steinwerder", das ein Durchschnittseinkommen von knapp 22.000 Euro im Jahr aufweist, stimmten 77 Prozent der Abstimmenden gegen das Referendum. In Nienstedten dagegen, mit fast 170.000 Euro Jahres-Durchschnittseinkommen, gab es knapp 63 Prozent "Ja"-Stimmen.
Hintergründe zu den Daten
Die Ergebnisse des Referendums auf Stadtteilebene stammen vom Statistikamt Nord. Für die Ergebnispräsentation wurden manche Stadtteile zusammengelegt. Um Daten zum Referendumsergebnis und zu Sozialindikatoren zu vergleichen, wurden alle Daten für diese Gebiete umgerechnet. Bei dem Referendum konnten Abstimmende überall in Hamburg ihre Stimme abgeben, so dass diese nicht unbedingt in ihrem Wohngebiet gezählt wurde, die Briefwahlstimmen wurden allerdings in den Wohngebieten gezählt. Etwa 562.000 der 652.000 abgegebenen Stimmen - also gut 86 Prozent - wurden allerdings per Briefwahl abgegeben, so dass die meisten Stimmen sicher die Haltung der ortsansässigen Bevölkerung wiedergeben. Die Einkommensdaten wurden vom Statistikamt im Jahr 2025 veröffentlicht, beziehen sich aber auf das Jahr 2021.