Finalsieg gegen Tschechien
Kapitänin Poppe holt EM-Hattrick mit Hockey-Frauen
Mission Titelverteidigung geglückt: Die deutschen Hockey-Frauen haben bei der Hallen-EM in Prag Gold gewonnen. Das Team um Kapitänin Fenja Poppe aus Hamburg setzte sich im Finale am Sonntag gegen Gastgeber Tschechien mit 5:2 durch.
Poppe schlang die Arme um Philine Drumm, ließ ihre Mitspielerin lange Sekunden nicht los und streichelte ihr den Rücken. Geschafft! Die DHB-Kapitänin wirkte nach dem stärksten Turnierauftritt der deutschen Hockey-Frauen vor allem erleichtert: "Ich bin einfach nur glücklich, dass wir nach all den Höhen und Tiefen in diesem Turnier gewonnen haben", sagte Poppe.
Gegen Gastgeber Tschechien geriet Deutschland früh in Rückstand, doch die deutsche Auswahl fand schnell zurück ins Spiel, glich aus, ging in Führung und ließ hinten nichts mehr zu. Mit geduldigem Passspiel und starken Einzelaktionen baute Deutschland den Vorsprung in der zweiten Hälfte auf drei weitere Tore aus, Tschechiens Treffer in der letzten Minute fiel nicht mehr ins Gewicht.
Ohne A-Kader, dafür mit "Hallenspezialistinnen"
Für Poppe ist es bereits der zweite EM-Titel unterm Dach, 2024 führte die Aufbauspielerin die DHB-Frauen in Berlin zu Gold. Auf dem Feld ist die 31-Jährige, die im Kommunikationsbereich eines Wirtschaftsprüfer arbeitet, Bundesligaspielerin beim Harvestehuder THC - feierte im vergangenen Sommer den ersten Meistertitel seit 52 Jahren. Auch wenn ihr dort eine realistische Perspektive auf den A-Kader fehlt, ist sie im Hallen-Nationalteam mittlerweile fester Bestandteil.
Seit einigen Jahren verzichten die A-Kaderspielerinnen auf die Hallensaison, um sich voll auf die olympische Sportart Feldhockey zu konzentrieren. Die deutschen Teams bestehen bei internationalen Turnieren deswegen aus "Hallenspezialistinnen": technisch versierten Bundesligaspielerinnen wie Poppe, die sich in der vorangegangenen Ligasaison hervorgetan haben und jungen Talenten, die sich im DHB-Trikot beweisen wollen. "Wir mussten einfach schnell und eng als Team zusammenwachsen", so die Hamburgerin.
Bislang fährt der DHB mit dieser Strategie erfolgreich. Bei den Frauen belegte Deutschland bei jeder EM-Austragung einen Platz unter den Top vier, das Männer-Team verpasste dieses Ziel lediglich 2010. Eine EM ohne Medaille gilt beim DHB als herbe Enttäuschung. So blieb das deutsche Männer-Team beim ersten EM-Wettbewerb des Jahres beim "Heimspiel" in Heidelberg vergangene Woche mit Rang vier erstmals seit 16 Jahren ohne Edelmetall. Umso versöhnlicher daher jetzt der Sieg von Poppe und ihren Mitspielerinnen, der den Rekordeuropameisterinnen das 18. EM-Gold bescherte.
EM-Gold dank Durchhaltevermögen
Insgesamt hatte das Team der Hamburger Kapitänin einen durchwachsenen Auftritt bei der EM abgeliefert. Fiel Deutschland sonst durch technische Raffinesse und kreativen Spielwitz auf, war davon dieses Mal wenig zu sehen. Dafür bewies die DHB-Auswahl Moral: In den meisten Partien startete Deutschland schwach, agierte vor dem gegnerischen Tor zu harmlos. Mit dem Seitenwechsel und dem wachsenden Druck stieg zumeist aber die Kaltschnäuzigkeit und Entschlossenheit beim Torschuss.
Deutschland hatte sich durch diesen Spielstil nicht nur ins Penaltyschießen im Halbfinale gerettet - bei dem Poppe, den entscheidenden verwandelt hatte - sondern sich zuvor das Halbfinalticket ebenso gesichert. Im entscheidenden Vorrundenspiel gegen Belgien hatten die deutschen Hallen-DANAS ein 0:3 zur Pause mit einer furiosen Aufholjagd noch zum 5:3 gedreht.