Nach verweigerter Doping-Kontrolle
HSV-Sprinter Ansah - "Umfassende" Äußerungen gegenüber der NADA
Owen Ansah startet trotz laufender Ermittlungen der NADA bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid. Der HSV-Sprinter werde sich "umfassend" gegenüber der Nationalen Anti Doping Agentur äußern, so sein Anwalt.
Sein Mandant konzentriere sich auf die bevorstehende DM, teilte Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh in einer Stellungnahme mit. "Vor dem Hintergrund des derzeit laufenden Verfahrens und der gebotenen sorgfältigen Aufarbeitung des Sachverhalts werden gegenüber den Medien aktuell keine weiteren Stellungnahmen abgegeben", erklärte der Sportrechtler aus Hannover weiter.
Der 25-Jährige werde sich jedoch "umfassend" gegenüber der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) äußern, so Cherkeh.
Vorwurf der Verweigerung einer Dopingkontrolle
Ansah, der im Juni seinen deutschen 100-m-Rekord auf 9,98 Sekunden verbessert hatte, sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, eine Dopingkontrolle verweigert zu haben. Nach eigenen Angaben hatte er Anfang Juli bei einer unangekündigten Kontrolle unter Zeitdruck gestanden, um seinen Flieger zum Diamond-League-Meeting in Monaco zu bekommen, wo er kurzfristig ins Teilnehmerfeld gerutscht war.
Zudem sei er kurz zuvor auf Toilette gewesen. Deshalb sei die Abgabe der Dopingprobe nicht möglich gewesen. Ansah reiste ab und lief am Folgetag in Monaco.
"Dieses Meldesystem verzeiht keine Spontaneitäten." ARD-Leichtathletikexperte Frank Busemann
"Regeln werden immer für die gemacht, die bescheißen wollen", sagt ARD-Leichtathletik-Experte Frank Busemann und erklärt: "Das Meldesystem ist so weit verschärft worden, dass es für diejenigen, die betrügen wollen, kaum noch Schlupflöcher gibt." Und das heißt auch: "Dieses Meldesystem verzeiht keine Spontaneitäten."
Ansah wurde vorläufig nicht gesperrt, da die beiden Proben seither negativ ausfielen. Er hat eine schriftliche Benachrichtigung der NADA erhalten und sieben Tage Zeit, auf das Schreiben zu reagieren. Für ARD-Leichtathletik-Kommentator Ralf Scholt kommt es nun "darauf an, wie seine Rechtsvertretung eine 'besondere Situation' deutlich machen wird - und kann."
Keine Suspendierung für Ansah - aber eine Sperre droht
Bislang stehe "Aussage gegen Aussage" - und Ansah drohe "eine harte Strafe", da eine verweigerte Probe wie eine positive Probe behandelt wird. Bedeutet: bis zu vier Jahre Sperre wie bei der tschechischen Tennisspielerin Marketa Vondrousova. Ansah bliebe nur, "zwingende Gründe" nachzuweisen - Wettkampftermine fallen nicht darunter.
Für Busemann ist klar: "Sobald man mit einer Doping-Geschichte in Verbindung gebracht wird, schwebt immer so ein Schatten über einem", so der ARD-Leichtathletik-Experte. "Das kann man auch nicht irgendwie loswerden, weil wir schon oft beschissen und belogen wurden."
Busemann: DM eine "ganz große Herausforderung" für Ansah
Wie Ansah mit dem drohenden Schatten über seiner Karriere umgeht - er dürfte, Stand jetzt, auch bei der EM in Birmingham im August starten -, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Einen ersten Eindruck gibt es an diesem Wochenende in Bochum-Wattenscheid.
Für Busemann steht Ansah dann vor "einer ganz, ganz großen Herausforderung. Wenn man da ein bisschen Sand im Getriebe hat, läuft man sofort zwei Zehntel langsamer."