Historischer Coup
Darum ist Deutschland wieder Hockey-Weltmeister
Die deutschen Hockeyspieler haben ihren Weltmeistertitel erfolgreich verteidigt. Mit dem Finalsieg gegen Spanien und dem vierten WM-Titel, mit dem Deutschland mit Rekordsieger Pakistan gleichzog, war nicht zu rechnen. Doch es gibt gute Gründe, warum der Coup gelungen ist.
Auf dem Papier schien es klar: Die deutschen Hockey-Männer würden bei dieser Weltmeisterschaft mindestens ins Finale einziehen. Schließlich reiste die DHB-Auswahl nicht nur als Titelverteidiger, sondern auch als Olympia-Zweiter und Europameister zum Turnier nach Belgien und in die Niederlande. Zumal sie bei vergangenen großen Turnieren immer im Endspiel gestanden hatte.
Hier ist so viel Herz und Liebe in der Truppe. Hockey-Bundestrainer André Henning
So eindeutig war die Sache aber nicht: Nach den Olympischen Spielen in Paris und der Heim-EM im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Führungsspieler wie der langjährige Kapitän Mats Grambusch ihre Karrieren beendet. Die Rollen im Team wurden neu verteilt, das galt für die elf WM-Debütanten genauso wie für die Erfahrensten im Team. Die Vorbereitung auf das Turnier lief durchwachsen, sodass vor WM-Start nicht klar war, was von dieser Nationalmannschaft - Spitzname "Honamas" - zu erwarten sei.
"Ganz viele hätten uns das nicht zugetraut vor dem Turnier. Es ist eine unglaubliche Entwicklung - atemberaubend", sagte Bundestrainer André Henning stolz nach dem WM-Triumph: "Wie hier Menschen füreinander gearbeitet und gekämpft haben, es ist so viel Herz und Liebe in der Truppe."
Klare Rollenverteilung als Erfolgsfaktor
Und es stimmt: Dieses junge DHB-Team zeichnete sich durch eine starke Teamleistung aus. Der Bundestrainer und sein Staff hatten den Fokus darauf gelegt, jedem Spieler seine Rolle klarzumachen. Jeder Einzelne kannte seine Aufgabe, wusste, warum er Teil des Teams ist. Das sorgte dafür, dass selbst die unerfahrensten Spieler mit Selbstbewusstsein auftraten und Verantwortung übernahmen.
So riss der einzige Dämpfer in der Zwischenrunde, ein 1:2 ausgerechnet gegen den späteren Finalgegner Spanien, die "Honamas" nicht auseinander, sondern schweißte sie enger zusammen. "Ohne dieses Spiel würden wir nicht im Finale stehen", hatte Henning während des Turniers erzählt. Sein Team habe "unglaublich viel mitgenommen" - aus einem Rückschlag zog der Titelverteidiger seine Schlüsse für die folgenden Spiele.
Disziplinierte Defensivarbeit
Fortan überzeugte Deutschland mit einem erwachsenen Auftritt und gewann dieses Turnier vor allem durch eine disziplinierte Defensivarbeit, dirigiert von Innenverteidiger Tom Grambusch, der als neuer Kapitän einen überzeugenden Auftritt lieferte. Die verjüngte deutsche Mannschaft zeigte sich robust in den Zweikämpfen im entscheidenden Zwischenrundenspiel gegen Australien. Und sie ließ sich weder von den temperamentvollen Argentiniern im Halbfinale aus der Ruhe bringen noch verlor sie die Geduld im lange torlosen Finale gegen Spanien.
Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hat der Bundestrainer. Seit fünf Jahren ist Henning im Amt und schon jetzt einer der erfolgreichsten Hockey-Bundestrainer aller Zeiten. Sein Erfolgsrezept: "Der Glaube an Entwicklungen, an die andere vielleicht nicht glauben." So beschreibt es der 42-Jährige und macht das zur Identität der "Honamas".
Hennings Händchen für die Gruppe
Henning ist fasziniert von Dynamiken in Gruppen und hat ein Händchen dafür, unterschiedlichste Charaktere zu einem Team zu entwickeln und dort eine Identität herauszuarbeiten. Bei diesem Turnier ist es ihm innerhalb von drei Wochen gelungen, aus einer Unbekannten einen ernstzunehmenden Titelverteidiger zu formen.
Mit dem erneuten WM-Sieg ist so Historisches gelungen: Deutschland ist das erste Team, dem es nach den WM-Titeln 2002 und 2006 erneut gelungen ist, zwei Weltmeisterschaften in Folge zu gewinnen.