PISA-Schock soll Konsequenzen für SH haben
Wie sollte Schleswig-Holstein auf die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie reagieren? Im Landtag sprach die Opposition heute von einem Alarmsignal, CDU und Grüne verwiesen auf bestehende Maßnahmen.
Jeder dritte 15-Jährige erreicht beim Lesen und in Mathematik nicht das grundlegende Kompetenzniveau. Das war das Ergebnis der aktuellen PISA-Studie. Was aber bedeutet das für Schleswig-Holstein? Darum ging es am Mittwoch in der Aktuellen Stunde im Landtag, eingebracht von der SPD.
Konsequenzen muss die PISA-Studie haben, darin waren sich alle Redner einig. Uneinig waren sich die Regierungsfraktionen und die Opposition darüber, wie genau diese aussehen müssen. Während die Opposition von einem Alarmsignal sprach, verwiesen CDU und Grüne auf bestehende Maßnahmen, die Zeit bräuchten, ihre Wirkung zu entfalten. Eine Stunde mehr Deutsch und Mathematik in den Klassen 1 und 2, Perspektivschulen und zusätzliche Stellen für Vertretungsunterricht - zum Beispiel.
Studien zum Bildungssystem in Deutschland
- Zusammengefasste Ergebnisse: Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind so schlecht wie noch nie: Jeder dritte 15-Jährige erreicht beim Lesen und in Mathematik nicht das grundlegende Kompetenzniveau, in den Naturwissenschaften ist es ungefähr jeder vierte.
- Ergebnisse in Mathe: 464 Punkte, elf Punkte weniger als 2002, Rang 25
- Ergebnisse in Lesen: 465 Punkte, 15 Punkte weniger als 2022, Rang 24
- Ergebnisse in Naturwissenschaften: 486 Punkte, sechs Punkte weniger als 2002, Rang 23
- Was prüft die PISA-Studie? Die Kompetenzen von 15-Jährigen in Mathe, Lesen und Naturwissenschaften - in mehr als 90 Ländern
- Gibt es PISA-Zahlen für SH? Eine regionale Auswertung der PISA-Ergebnisse gibt es nicht, die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) macht für Deutschland eine repräsentative Stichprobe für das gesamte deutsche Bildungssystem. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2025.
Bildungsministerin: PISA-Ergebnisse besorgniserregend
Weitere Maßnahmen nannte Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU): "Mit Evi starten wir die frühe Diagnose und Förderung sprachlicher Kompetenzen, mit LeA.SH erfassen wir die Lernstände, (...) durch verbindliche Leseförderung, wie zum Beispiel das Leseband, erhöhen wir die Lesekompetenz." Die PISA-Ergebnisse seien besorgniserregend, man nehme sie ernst, aber man sei längst ins Handeln gekommen, betonte die Ministerin.
CDU: Viele Kinder haben geringe Deutschkenntnisse
Schulen müssten heute viele zusätzliche Aufgaben leisten, betonte ihr Parteikollege Tobias Koch. "Viele Kinder kommen mit sehr geringen Deutschkenntnissen in KiTa und Schule." Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund habe sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Viele verbrächten zudem viele Stunden am Smartphone. Auch das Elternhaus spiele eine Rolle, betonte Ministerin Stenke. "Wir haben weiterhin ungleiche Lernbedingungen und Lernunterstützung in den Familien."
Grüne: Regionale Aussagekraft schwierig
Lasse Petersdotter (Grüne) betonte, die Aussagekraft der PISA-Studie speziell für Schleswig-Holstein sei schwierig. "In der PISA-Studie, über die wir jetzt diskutieren, sind neun schleswig-holsteinische Schulen eingeflossen - und von den neun auch nur ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler, die dort auf die Schule gehen."
SPD: Müssen Schulen stärker machen
Diese Argumente ließ die Opposition nicht gelten. "Wer schwächere Elternhäuser beklagt, muss für stärkere Schulen sorgen", fasste Martin Habersaat (SPD) eine zentrale Forderung zusammen. Die PISA-Ergebnisse seien ein Alarmzeichen. Wenn die Voraussetzungen der Kinder unterschiedlicher würden, "müssen wir unsere Schulen stärker machen."
Stattdessen kürze die Landesregierung. Trotz eines Anstiegs der Schülerzahlen sei die Zahl der Lehrerstellen um mehr als 100 gesunken. Die SPD fordere seit Jahren "mehr Schulsozialarbeit, mehr Schulpsychologie, mehr Förderkräfte, mehr Fokus der Lehrkräfte auf pädagogische Arbeit und Unterricht."
FDP: Weniger Lehrerstellen bedeuten weniger Zukunftschancen
Die PISA-Ergebnisse könnten "in Wahrheit niemanden mehr überraschen", meinte Christopher Vogt (FDP). "Wer trotz des sinkenden Leistungsniveaus weiter Lehrerstellen kürzt, verschlechtert die Zukunftschancen unserer Kinder."
Viele Jugendliche würden die Schule ohne Abschluss verlassen, viele Berufsausbildungen würden abgebrochen. "Sie versuchen aber leider nicht, den massiven Unterrichtsausfall durch mehr Lehrkräfte zu bekämpfen. Sie haben versucht, den Unterrichtsausfall durch weniger Unterricht zu bekämpfen."
Die Pisa-Studie zeige, dass man eine neue Haltung zur Bildung brauche, sagte Jette Waldinger-Thiering (SSW). "Die kritische Auseinandersetzung der Gesellschaft mit digitalen Medien wie sozialen Medien und KI hat gerade erst begonnen und muss auch in den Schulen weitergeführt werden."