Mehr Leben retten: Durch "Woche der Wiederbelebung"
Wenn Herz und Kreislauf plötzlich stillstehen, steigt die Überlebenschance, wenn jemand schnell Erste Hilfe leistet. Jedes Jahr im September macht die "Woche der Wiederbelebung" darauf aufmerksam, wie wichtig die Reanimation durch Laien ist.
"Etwa 4.100 Mal pro Jahr erleidet ein Mensch in Schleswig-Holstein einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb einer Klinik." Diese Zahlen nennt der Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH, Professor Jan-Thorsten Gräsner. Dabei bekommt ungefähr jeder Zweite die überlebenswichtige Erste Hilfe, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Diese Quote, so der Wunsch von Gräsner, soll deutlich steigen.
Angst vor der Ersten Hilfe nehmen
Der Fokus der "Woche der Wiederbelebung" liegt in diesem Jahr auf den Unsicherheiten, die potenzielle Ersthelfer von der Reanimation abhalten. Die Veranstalter der "Woche der Wiederbelebung" - die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. (BDA) - wollen Fragen beantworten: "Kann ich bei der Herzdruckmassage Rippen verletzen?", "Muss ich beatmen?", "Ist mein Erste-Hilfe-Zertifikat veraltet?"
Höhere Reanimationsquote in Skandinavien
Zwar ist laut Gräsner die Zahl der Wiederbelebungen durch Ersthelfende in Schleswig-Holstein in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen. Die Teilnehmerzahlen in den Erste-Hilfe-Kursen stagnieren aber, wie zum Beispiel beim DRK und dem ASB. Deshalb soll während der Aktionswoche zum Beispiel an Schulen gezeigt werden, wie jeder Leben retten kann.
Professor Gräsner fordert "eine verbindliche Etablierung von Wiederbelebungskursen in allen Schulen" - ähnlich wie in Skandinavien. Dort liegt die Ersthelfendenquote deutlich höher, laut DGAI bei über 70 Prozent.
45.000 Ersthelfer sind in der Saving-Live-App registriert
Eine schleswig-holsteinische Erfolgsgeschichte ist die Saving-Live-App des ASB - ein Erste-Hilfe-System, das mit allen sechs Rettungsleitstellen in Schleswig-Holstein verbunden ist. Jeder, der einen gültigen Erste-Hilfe-Schein hat, kann sich dort registrieren. 45.000 Menschen hätten das inzwischen getan, sagt Wolfgang Mainz vom ASB Regionalverband Kiel und Rendsburg-Eckernförde.
Alarmierung über Smartphone
Wolfgang Mainz ist der Projektleiter der Saving-Live App und sagt, monatlich kämen 250 bis 400 neue Registrierungen dazu. Passiere ein medizinischer Notfall, würden Ersthelfende, die sich gerade in der Nähe aufhielten, über ihr Smartphone alarmiert.
In der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen - nur Nichtstun ist falsch. Wolfgang Mainz, ASB Regionalverband Kiel und Rendsburg-Eckenförde
Dank der App seien ausgebildete Ersthelfer schon nach rund drei Minuten beim Patienten, sagt Wolfgang Mainz. Der Rettungswagen braucht mindestens zehn Minuten. Ein weiterer Vorteil der App trägt dazu bei, dass sich alarmierte Laien-Ersthelfer sicherer fühlen.
"Wir informieren drei bis fünf Helfende im direkten Umkreis. Das heißt, ich bin im Regelfall nicht allein als Ersthelfender, sondern es kommt weitere Hilfe, die dann auch unterstützen kann", erklärt Mainz.