Mehr Leben retten: Durch "Woche der Wiederbelebung"

Stand: 21.09.2026 19:41 Uhr

Wenn Herz und Kreislauf plötzlich stillstehen, steigt die Überlebenschance, wenn jemand schnell Erste Hilfe leistet. Jedes Jahr im September macht die "Woche der Wiederbelebung" darauf aufmerksam, wie wichtig die Reanimation durch Laien ist.

von Nicole Ehlert

"Etwa 4.100 Mal pro Jahr erleidet ein Mensch in Schleswig-Holstein einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb einer Klinik." Diese Zahlen nennt der Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH, Professor Jan-Thorsten Gräsner. Dabei bekommt ungefähr jeder Zweite die überlebenswichtige Erste Hilfe, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Diese Quote, so der Wunsch von Gräsner, soll deutlich steigen.

Angst vor der Ersten Hilfe nehmen

Eine Person bedient einen automatischen Defibrillator.
Der mobile Defibrillator macht Erste Hilfe einfacher.

Der Fokus der "Woche der Wiederbelebung" liegt in diesem Jahr auf den Unsicherheiten, die potenzielle Ersthelfer von der Reanimation abhalten. Die Veranstalter der "Woche der Wiederbelebung" - die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. (BDA) - wollen Fragen beantworten: "Kann ich bei der Herzdruckmassage Rippen verletzen?", "Muss ich beatmen?", "Ist mein Erste-Hilfe-Zertifikat veraltet?"

Höhere Reanimationsquote in Skandinavien

Zwar ist laut Gräsner die Zahl der Wiederbelebungen durch Ersthelfende in Schleswig-Holstein in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen. Die Teilnehmerzahlen in den Erste-Hilfe-Kursen stagnieren aber, wie zum Beispiel beim DRK und dem ASB. Deshalb soll während der Aktionswoche zum Beispiel an Schulen gezeigt werden, wie jeder Leben retten kann.

Professor Gräsner fordert "eine verbindliche Etablierung von Wiederbelebungskursen in allen Schulen" - ähnlich wie in Skandinavien. Dort liegt die Ersthelfendenquote deutlich höher, laut DGAI bei über 70 Prozent.

45.000 Ersthelfer sind in der Saving-Live-App registriert

Eine Person hält ein iPhone in der Hand mit der laufenden Wiederbelebungsapp.
Die Saving-Live-App ist mit allen Rettungsleitstellen in Schleswig-Holstein verbunden.

Eine schleswig-holsteinische Erfolgsgeschichte ist die Saving-Live-App des ASB - ein Erste-Hilfe-System, das mit allen sechs Rettungsleitstellen in Schleswig-Holstein verbunden ist. Jeder, der einen gültigen Erste-Hilfe-Schein hat, kann sich dort registrieren. 45.000 Menschen hätten das inzwischen getan, sagt Wolfgang Mainz vom ASB Regionalverband Kiel und Rendsburg-Eckernförde.

Alarmierung über Smartphone

Ein Mann mit Brille steht vor einem gelben ASB-Banner.
Wolfgang Mainz vom ASB freut sich über die ständig steigenden Registrierungen in der App.

Wolfgang Mainz ist der Projektleiter der Saving-Live App und sagt, monatlich kämen 250 bis 400 neue Registrierungen dazu. Passiere ein medizinischer Notfall, würden Ersthelfende, die sich gerade in der Nähe aufhielten, über ihr Smartphone alarmiert.

In der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen - nur Nichtstun ist falsch. Wolfgang Mainz, ASB Regionalverband Kiel und Rendsburg-Eckenförde

Dank der App seien ausgebildete Ersthelfer schon nach rund drei Minuten beim Patienten, sagt Wolfgang Mainz. Der Rettungswagen braucht mindestens zehn Minuten. Ein weiterer Vorteil der App trägt dazu bei, dass sich alarmierte Laien-Ersthelfer sicherer fühlen.

"Wir informieren drei bis fünf Helfende im direkten Umkreis. Das heißt, ich bin im Regelfall nicht allein als Ersthelfender, sondern es kommt weitere Hilfe, die dann auch unterstützen kann", erklärt Mainz.

Auf einem Smartphone ist die Saving Life App zu sehen, die einen Notfall meldet.

Eine App für Ersthelfer soll ins Rettungsdienstgesetz in SH eingebunden werden. Ziel: Im Notfall schneller vor Ort sein.

Herzdruckmassage an einem auf dem Boden liegenden Mann

Im Fokus steht die Frage, wie Wiederbelebungsmaßnahmen verbessert werden können. Datenbanken spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein Rettungswagen fährt bei Dunkelheit auf einer Landstraße mit eingeschaltetem Blaulicht.

Zum neunten Mal lädt das Klinikum Itzehoe zu den Wiederbelebungskursen an Schulen ein.

Reanimation im Unterricht - Puppen

Schülerinnen und Schüler lernen bei den Wiederbelebungskursen der Westküstenkliniken, wie sie Leben retten können.

Zwei Mitarbeitende des ASB zeigen in der Fußgängerzone an einer Puppe eine Herzdruckmassage.

Mehr als 350 Menschen erleiden in Deutschland täglich einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Zu wenige Menschen helfen sofort.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 21.09.2026 | 19:30 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Gesundheitsvorsorge

Herz-Kreislauferkrankungen

Schule

Kiel

Kreis Rendsburg-Eckernförde

Ein Waschbär blickt in die Kamera

Waschbären breiten sich in Schleswig-Holstein immer weiter aus. Hotspots sind Lübeck und der Kreis Herzogtum-Lauenburg.

In einem Nagelstudio werden die Hände einer Frau mit blauem und transparentem Gel und Glitzer verziert.

Im Rahmen einer bundesweiten Kontrolle haben Zollbeamte einige Betriebe in Schleswig-Holstein überprüft. Das kam dabei heraus.

Domagoj Duvnjak
Handball-Bundesliga

Die Kieler bejubelten bereits ihren vermeintlichen Sieg. Dann kam der Videobeweis zum Einsatz und sorgte für Ernüchterung beim THW.

Ruine einer Sprengstoff-Produktionshalle in Geesthacht.

Im Kalten Krieg warteten bei Kellinghusen US-Kernwaffen auf den Einsatz. Das ist nur einer der vergessenen Orte im Land.

Videos