Kläranlagen: Wasseraufbereitung zunehmend eine Herausforderung
Unsere Gewässer sind zunehmend belastet: Mit Medikamentenresten und Resten von Kosmetika oder Haushaltschemikalien. Eine EU-Regelung soll Abhilfe schaffen. Die nötige Forschung findet nun auch in Ahrensburg statt.
Es sind vier Container auf dem Gelände der Kläranlage in Ahrensburg (Kreis Stormarn), in denen die Zukunft unserer Wasserqualität mit entschieden wird. Denn die neue Pilot- und Forschungsanlage des "Spurenstoffzentrum Schleswig-Holstein" von der Technischen Hochschule Lübeck soll dabei helfen, die Abwasseraufbereitung zukunftssicher zu machen.
Die vier Container sind dabei eine Art mobiles Labor, mit dem maßgefertigte Reinigungslösungen für jede Kläranlage ermittelt werden können. Denn Abwasser ist nicht gleich Abwasser, es unterscheidet sich von Region zu Region.
Dutzende Chemikalien noch nach der Kläranlage nachweisbar
Derzeit kommt am Ende einer Kläranlage laut der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) zu 95 Prozent gereinigtes Wasser heraus. Viele in kleinen Mengen vorhandene Abbauprodukte von Medikamenten sowie Reste von Kosmetik und Haushaltschemikalien können derzeit aber nicht entfernt werden. Die Rede ist dabei von den sogenannten Spurenstoffen.
Spurenstoffe überleben den kompletten Wasserkreislauf
Auch in der freien Natur verschwinden nicht alle diese Spurenstoffe. Am Ende des Wasserkreislaufs über das Grundwasser landen sie deshalb womöglich irgendwann wieder in unseren Wasserhähnen. Sie sind in geringen Mengen zwar unbedenklich, viele von ihnen baut der Körper aber nicht natürlich ab - sie sammeln sich an. Ähnlich wie Blei.
Goldschmidt: "Heimliche Stars des Umweltschutzes"
Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) ließ sich die Anlage am Montag zeigen. Für ihn sind Kläranlagen die "heimlichen Stars des Umweltschutzes". Ohne Kanalisation und Kläranlagen wäre Deutschland ein ziemlich krankes Land, so Goldschmidt.
EU fordert sauberes Wasser aus Kläranlagen bis 2045
Das Problem mit für die Umwelt schädlichen Rückständen in aufbereitetem Wasser aus Kläranlagen ist kein exklusiv deutsches. Die EU hat deswegen die Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) ins Leben gerufen. Sie soll sicherstellen, dass bis 2045 jede Kläranlage so ausgerüstet wird, dass ihr aufbereitetes Wasser weitestgehend frei von Spurenstoffen ist.
Mobiles Labor soll weiterziehen
Wenn eine Lösung für Ahrensburg gefunden ist, soll das Labor in weitere Kläranlagen im Land gebracht werden. Hauptbestandteile der neuen vierten Reinigungsstufe werden Ozon und Aktivkohle sein. Dass aus der Kläranlage in Ahrensburg wichtige Forschungsergebnisse kommen, ist dabei sehr wahrscheinlich. Bereits in den 1970er Jahren war man hier bundesweiter Vorreiter: In Ahrensburg entstand damals die erste chemische Reinigung von Abwasser, um Phosphate aus dem Wasser zu filtern.