Nach Fan-Angriff: Stadt Kiel fordert Reaktion vom Verein
Weil sich Holstein Kiel bislang zurückhält, sucht die Stadt nun das Gespräch mit dem Verein und fordert eine klare Positionierung gegen Gewalt. Gleichzeitig prüft die Polizei Aufenthaltsverbote.
Nach dem Angriff auf Fans des VfL Osnabrück vor dem Zweitliga-Spiel bei Holstein Kiel fordert die Stadt Kiel eine klare Reaktion des Vereins. Sportdezernent Gerwin Stöcken erwartet, dass Holstein Kiel den beteiligten Fans Grenzen aufzeigt und mögliche Konsequenzen prüft:
„Der Verein, der ja Veranstalter dieses Fußballspiels ist, dessen Ausdruck diese Fanübergriffe sind, hat schon auch eine Verantwortung, den Fans zu zeigen, wo die Grenzen sind!“ sagte Stöcken NDR Schleswig-Holstein. Es gehe dabei nicht zwingend nur um Stadionverbote. Es dürfe aber nicht sein, dass der Vorfall „einfach so an sich vorbeiziehen“ gelassen werde, so Stöcken weiter.
Holstein Kiel hält sich bislang zurück
Holstein Kiel hatte sich auf Anfrage von NDR SH zunächst nicht konkret zu dem Vorfall geäußert. Zur Begründung verwies der Verein darauf, dass sich der Angriff im öffentlichen Raum ereignet habe. Grundsätzlich verurteile Holstein Kiel aber jede Form von Gewalt und stehe für "Vielfalt, Offenheit und ein friedliches Miteinander", heißt es in einem Schreiben an den NDR.
Die Stadt Kiel will nun das Gespräch mit dem Verein suchen. Dabei soll auch geklärt werden, welche weiteren Maßnahmen oder Sanktionen möglich sind – etwa Stadionverbote gegen Beteiligte.
Polizei prüft Aufenthaltsverbote
Auch die Polizei hat bereits Konsequenzen angekündigt. Gegen die rund 40 beteiligten Kieler Ultras werden Aufenthaltsverbote geprüft. Sie könnten an Spieltagen unter anderem den Bereich rund um den Kieler Hauptbahnhof und das Holstein-Stadion nicht mehr betreten dürfen.
Am Sicherheitskonzept für die Heimspiele von Holstein Kiel will die Polizei dagegen zunächst nichts ändern. Dieses habe sich bewährt und am vergangenen Samstag nach Einschätzung der Einsatzkräfte Schlimmeres verhindert.
Angriff auf Osnabrücker Fanmarsch
Am Samstagvormittag hatten nach Polizeiangaben rund 40 Personen aus der Kieler Fanszene am Kieler Bootshafen einen angemeldeten Fanmarsch von Anhängern des VfL Osnabrück angegriffen. Die Polizei setzte unter anderem Pfefferspray und körperlichen Zwang ein. Drei Polizeibeamte wurden bei dem Einsatz verletzt. 37 Personen kamen vorübergehend in Gewahrsam.
Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden
Sportdezernent Gerwin Stöcken zeigte sich angesichts des Vorfalls empört. Fußball dürfe nicht zum Aggressionspotenzial beitragen und die Stadt nicht "in Angst und Schrecken versetzen". Gerade Kinder und Jugendliche, die solche Szenen miterlebten, müssten geschützt werden, sagte er. Ob mögliche Sanktionen bereits beim nächsten Heimspiel von Holstein Kiel am 16. Oktober gegen Hertha BSC greifen, ist derzeit offen.