Die friesische Flagge weht an einem Fahnenmast
AUDIO: 100 Jahre Bohmstedter Richtlinien (4 Min)

Die Spaltung der Friesen: 100 Jahre Bohmstedter Richtlinien

Stand: 11.09.2026 18:48 Uhr

Das Bekenntnis zum Deutschtum des Nordfriesischen Vereins 1926 riss tiefe Gräben bei den Friesen auf. Am 12. September jährt sich das Ereignis zum 100. Mal.

von Peer-Axel Kroeske

Das Friesentum ist vielfältig: So hat die friesische Sprache allein sieben zum Teil sehr unterschiedliche Hauptdialekte. Weniger bekannt ist, dass sich vor genau 100 Jahren ein Riss in Nordfriesland auftat, der bis heute nachwirkt. Mit den "Bohmstedter Richtlinien" bekannte sich der Nordfriesische Verein am 12. September 1926 zum Deutschtum. Mit dem Verzicht auf jegliche Eigenständigkeit waren aber nicht alle einverstanden.

Grenzabstimmung 1920: Friesisch stand nicht zur Wahl

Auslöser war die Abstimmung zum deutsch-dänischen Grenzverlauf 1920, stellt Christoph Schmidt, Leiter vom Nordfriisk Institut, fest: "Es gab eine friesische Identität von den Niederlanden bis nach Dänemark. Deshalb sind sie bei der Abstimmung 1920 zwischen die Fronten geraten, weil es gab nur noch: Bist Du für Dänemark oder für Deutschland?"

Schwarz-weiß-Foto von Langenhorn.

Deutsch oder dänisch? Diese Frage spaltet 1920 vor allem die Friesen. Ein Historiker sagt: Sie fielen schlicht hinten runter.

Friesische Eigenständigkeit als Störfaktor

1923 bekam der Nordfriesische Verein Konkurrenz: Es gründete sich der Friesisch-Schleswigsche Verein, heute "Friisk Foriining", der die Eigenständigkeit der Friesen als Minderheit in den Mittelpunkt stellte. Beim Nationalitätenkongress 1925 in Genf stellte sich die Frage, ob die Friesen eingeladen werden sollen. Dazu kam es nicht. Doch diese Bestrebungen waren der deutschen Minderheit in Dänemark ein Dorn im Auge.

Nordfriesischer Verein: keine "nationale Minderheit"

Deren Folketingsabgeordneter Johannes Schmidt-Wodder wollte die Grenze wieder nach Norden verschieben. Er drängte den Nordfriesischen Verein dazu, bei seiner Tagung in Bohmstedt ein Bekenntnis zum Deutschtum zu verfassen. Der entscheidende Punkt: "Wir lehnen es ab, als nationale Minderheit betrachtet zu werden." Es folgte eine Unterschriftenaktion. Mehr als 13.000 Friesen unterzeichneten.

Ein Haus mit Reetdach.

Das Nordfriisk Instituut in Bredstedt feierte am Sonntag sein 60-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Spaltung quer durch die Familien über Jahrzehnte

Bei zwei Vereinen blieb es auch nach dem Zweiten Weltkrieg. "Das hat so lange nachgewirkt. Bei bestimmten Triggerworten spürt man noch heute: Wer redet von Minderheit, wer redet von Volksgruppe," erläutert Schmidt. "Da sieht man, wie das über Generationen nachwirken kann, wenn zu stark auf dieser Klaviatur gespielt wird."

Geschwächte Friesen

Zum 50. Jahrestag im Jahr 1976 bezeichnete der damalige Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg (CDU) in der Festveranstaltung zu 50 Jahren Bohmstedter Richtlinien die Friesen als "originären deutschen Stamm", schreibt der Historiker Thomas Steensen. Marie Hahn, Vorsitzende des Friisk Foriining aus Risum, kennt die Empfindlichkeiten: "Das ist ein großer Konflikt gewesen, der uns auch in der Entwicklung zurückgeworfen hat."

Heute: Aufgabenteilung der Vereine

Heute arbeiten beide Vereine unter dem Dach des Friesenrats zusammen und es hat sich eine Aufgabenteilung etabliert. Der Nordfriesische Verein ist ein Heimatverein für die gesamte Region von Sylt bis Eiderstedt für Kultur, Trachten, Jugendarbeit. Und er pflegt sowohl die friesische als auch die plattdeutsche Sprache. Friisk Foriining kooperiert mit der dänischen Minderheit. Dazu gehört auch der SSW, die "Partei der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig und der nationalen Friesen in Nordfriesland".

Ein Haus mit Reetdach.

Die Friisk Foriining feiert ihre Gründung vor 100 Jahren. Ein Blick zurück in die Geschichte und auf das, was kommen soll.

Gedenken am 12. September

Letztlich war es nun die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, die zusammen mit dem dänischen Historisk Samfund die Initiative ergriff, in einer Veranstaltung in Drelsdorf am 12. September an 100 Jahre Bohmstedter Richtlinien zu erinnern, gemeinsam mit den Vorsitzenden beider Vereine auf dem Podium. Um Anmeldung wird gebeten.

Weißes Reetdachhaus mit blauer Tür, umgeben von üppigem Grün unter blauem Himmel.

Es klingt vertraut und fremd. Mittwochs reisen wir mit "Frasch for enarken" in die einmalige friesische Sprachwelt zwischen Watt und Geest.

Auf einem Stein ist das Wort "öömrang" zu lesen.

Sprache gilt als kulturelles Erbe, das nicht für kommerzielle Zwecke vereinnahmt werden soll - so die Forderung aus Schleswig-Holstein.

Luftschlangen und Konfetti.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.09.2026 | 16:30 Uhr

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