Bahn-Ausbau im Norden: Viele Projekte verzögern sich deutlich
Mehrere Bahnprojekte in Schleswig-Holstein verzögern sich um Jahre, einige haben noch keinen konkreten Starttermin. Die SPD fordert deshalb von der Landesregierung, den Nahverkehrsplan 2027 bis 2031 zu überarbeiten.
Bei vielen Bahnprojekten in Schleswig-Holstein müssen sich Fahrgäste noch länger gedulden. Wie stark sich die geplanten Projekte verzögern, zeigen Antworten der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Niclas Dürbrook.
Das Preetz-Pendel, eine geplante stündliche Regionalbahn zwischen Kiel und Preetz, wird demnach drei Jahre später, im Dezember 2027, starten. Ebenfalls drei Jahre länger lassen die S5 nach Kaltenkirchen und der AKN-Express zwischen Norderstedt und Neumünster auf sich warten. Beide sollen im Dezember 2028 in Betrieb genommen werden.
Verzögerungen teils bis in die erste Hälfte der 2030er-Jahre
Auch die Verlängerung der RB75 bis Rendsburg-Seemühlen verzögert sich. Zuvor müssen die Strecke signaltechnisch angebunden und neue Stationen gebaut werden. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2029 geplant. Ursprünglich war von 2022/23 die Rede, zuletzt von 2028.
Noch länger müssen Fahrgäste auf die Verbindungen von Wrist nach Kellinghusen und auf die Verlängerung der Regionalbahn 61 von Hamburg nach Itzehoe bis nach Heide warten. Mit ihnen wird laut Landesregierung erst in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre gerechnet. Der neue RE78 von Kiel über Neumünster, Bad Segeberg und Bad Oldesloe nach Hamburg ist für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen.
Mehrere Projekte ohne konkreten Zeitplan
Bei einigen Projekten gibt es laut der Antwort auf die Kleine Anfrage noch keinen festen Termin. Dazu gehören die S4 von Hamburg nach Bad Oldesloe und das Flügelkonzept des RE74 von Kiel über Jübek nach Husum und Flensburg. Das Flügelkonzept bedeutet: Der Zug aus Kiel wird künftig in Jübek geteilt. Ein Zugteil fährt weiter nach Husum, der andere nach Flensburg.
Dafür muss im Bahnhof Jübek zunächst die notwendige Technik eingebaut werden, damit die Zugteile sicher getrennt werden und dann in unterschiedliche Richtungen weiterfahren können. Außerdem werden zusätzliche Akku-Züge benötigt, deren Lieferung erst für 2029 vorgesehen ist.
Wann die S4 in Betrieb genommen werden kann, ist noch unklar, weil die planungsrechtlichen Genehmigungen und baulichen Voraussetzungen noch nicht vollständig geschaffen sind.
Kämpfer: "Krasses Umsetzungsproblem"
Der SPD-Abgeordnete Dürbrook kritisiert, dass zahlreiche Maßnahmen nicht während der Laufzeit des neuen Nahverkehrsplans bis 2031 verwirklicht würden. Große Infrastruktur- und Reaktivierungsprojekte seien überwiegend alte Vorhaben mit späteren Terminen. Der Plan sei daher eher ein Reparatur- und Nachholprogramm als ein neues Ausbauprogramm.
SPD-Landeschef Ulf Kämpfer spricht von einem "krassen Umsetzungsproblem" beim Nahverkehrsplan 2027 bis 2031. Er bemängelt, dass der Nahverkehrsplan Projekte ohne Zeitpläne enthalte. "Ein Nahverkehrsplan muss Verbindlichkeit schaffen und Fortschritt überprüfbar machen," so Kämpfer. Die Landesregierung müsse deshalb konkrete Fristen im Plan ergänzen, damit er eine geeignete Grundlage für den ÖPNV-Ausbau werde.