Demokratie-Monitor 2025: 30 Prozent wünschen sich starken Anführer
Die Menschen in Niedersachsen sind immer unzufriedener mit der Demokratie und gleichzeitig offener für autoritäre Regierungsformen. Das ist das Ergebnis des Niedersächsischen Demokratie-Monitors 2025.
Dafür hat das Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen in der Zeit von August 2025 bis Oktober 2025 telefonisch 1.498 Menschen befragen lassen. Das Ergebnis: "Insgesamt gibt es keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Systemkrise, wohl aber auf einen schleichenden Verlust demokratischer Integrationskraft", sagt Philipp Harfst, Erstautor des Niedersächsischen Demokratie-Monitors 2025. Undemokratische Alternativen erhalten laut der Umfrage teils hohe Zustimmung. Mit 52 Prozent gab etwa mehr als die Hälfte an, dass Deutschland eine einzige starke Partei brauche. Und 30 Prozent befürworteten, von einer starken Führungspersönlichkeit ohne parlamentarische Kontrolle regiert zu werden. Eine offene Unterstützung für eine Diktatur gaben zehn Prozent der Befragten an.
Zustimmung zu undemokratischen Vorgehensweisen
Gleichzeitig unterstützen 93 Prozent der Menschen in Niedersachsen die Demokratie. Aber das Vertrauen in Politiker nimmt ab. Eine weitere Entwicklung bereitet den Forschenden des Institutes für Demokratieforschung Sorgen: Zum ersten Mal sind mehr Menschen unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie als zufrieden. Daraus entwickle sich auch eine Offenheit für autoritäre Formen des Regierens. Mehr als die Hälfte aller Befragten stimme undemokratischen Elementen zumindest teilweise zu.
Mehr Leute positionieren sich rechts - aber kein Rechtsruck
Aus dem Demokratie-Monitor geht außerdem hervor, dass einzelne Themen stark polarisieren - allerdings weniger, als die öffentliche Debatte vermuten lasse. Das betreffe vor allem die Themen Migration und Wirtschaftspolitik. Ein wichtiges Ergebnis des Demokratie-Monitors sei auch, dass sich immer mehr Menschen rechts positionieren. Da aber der Anteil derjenigen, die sich links positionieren, stabil bleibt, sprechen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich nicht von einem Rechtsruck, sondern einer Rechtsverschiebung.
Niedersachsen sehr zufrieden mit Landesregierung
Während die Zufriedenheit mit der Demokratie abnimmt, bleibt hingegen die Zufriedenheit mit der Landesregierung weiterhin auf einem hohen Niveau. Das geht aus dem Demokratie-Monitor hervor. "Hier zeigt sich das stabilisierende Potenzial des Föderalismus, der Unzufriedenheit auffangen kann", sagt Harfst.
Über den Demokratie-Monitor
Der Niedersächsische Demokratie-Monitor wird alle zwei Jahre von der Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Analyse politischer und religiöser Extremismen in Niedersachsen (FoDEx) erhoben. FoDEx wird vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport finanziert. Die Forschungsstelle ist am Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen angesiedelt.