Hängende Akten im Schrank

Anspruch auf Informationen von Behörden: Rot-Grün einigt sich

Stand: 27.09.2026 12:24 Uhr

Es war ein monatelanges Ringen, doch jetzt haben sich SPD und Grünen doch auf ein Transparenzgesetz geeinigt. Das hat der NDR aus Regierungskreisen erfahren. Bürger sollen einen rechtlichen Anspruch auf mehr Informationen von Behörden bekommen.

von Angelika Henkel

Während auf Bundesebene diskutiert wird, das Informationsfreiheitsgesetz wieder einzuschränken, will Niedersachsen nun doch ein solches einführen. Niedersachsen und Bayern gelten aus Sicht von Organisationen wie Transparency International bisher als die bundesweiten Schlusslichter, wenn es um den Zugang der Gesellschaft zu behördlichen Informationen geht. Die Grünen haben auf mehr Transparenz gedrängt, die SPD bleibt bis heute skeptisch.

Es soll ein Transparenzregister geben

Der Kompromiss fußt auf zwei Standbeinen: der Möglichkeit zu individuellen Anfragen ebenso wie ein Transparenzregister. Das geht aus dem Entwurf hervor, der dem NDR vorliegt. In dieses Register soll die Landesverwaltung künftig digital Vorgänge einstellen, die von öffentlichem Interesse sein könnten: Gesetze, Berichte, Bundesratsbeschlüsse und weitere Schriftstücke. Vieles davon ist allerdings bereits jetzt für Interessierte zugänglich, jedenfalls für jene, die wissen, wo sie suchen müssen.

Sorge vor "Querulanten"

Außerdem sollen sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Organisationen Anfragen an Landesbehörden stellen dürfen, bei höherem Aufwand gegen Gebühren. In der Koalition besteht Sorge vor missbräuchlichen Anträgen - gemeint sind damit "Querulanten" oder auch mögliche Versuche, über komplexe Fragestellungen Verwaltungseinheiten lahm zu legen.

Justizministerin Kathrin Wahlmann, SPD

Damit könnten Bürger Auskünfte aller Art von Verwaltung und Regierung verlangen. Warum dauert das so lange?

Weltpolitische Lage spielt eine Rolle

Besonderen Schutz vor Fragen soll die öffentliche Sicherheit und kritische Infrastruktur erhalten. Damit soll vorgebeugt werden, dass relevante sicherheitspolitische Informationen nicht in falsche Hände geraten - etwa in die Kreise ausländischer Geheimdienste.

Das steckt dahinter

Nachdem die Landtagsabgeordnete und Juristin Evrim Camuz (Grüne) ihre Vorstellungen bereits zu Beginn der Legislaturperiode beherzt in einen Gesetzentwurf gefasst hatte, ließ auch Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) einen eigenen Entwurf fertigen. Doch offenkundig wurden sich beide Seiten nicht einig. Der jetzt in der Staatskanzlei ausgehandelte Kompromiss soll nach Informationen des NDR noch in diesem Herbst über die beiden Fraktionen - also den gewählten Abgeordneten, nicht der Regierung - in den Landtag eingebracht werden.

Ein Stapel Akten

Noch immer gibt es in Niedersachsen kein Gesetz, das Verwaltungshandeln transparent macht. Das Land verspricht Besserung - noch in 2026.

Ein Schild mit der Aufschrift "Bundesministerium des Innern" hängt an einem Zaun.
Pläne des Innenministeriums

Aus MDR-Recherchen geht hervor, dass das Bundesinnenministerium unter anderem den Bundesbeauftragten für das Informationsfreiheitsgesetz abschaffen will. Die SPD kritisiert die Pläne. Von Marcus Engert.

Akten liegen in einem Raum auf einem Tisch.
Schwarz-rote Reformen

Schwarz-Rot plant eine Verschärfung des Informationsfreiheitsgesetzes - der Kreis der Anfrageberechtigten soll kleiner werden und jede Anfrage braucht eine Begründung. Damit erntet die Koalition scharfe Kritik.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2026 | 07:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Transparenz

Frank Klingebiel (CDU) freut sich nach dem Wahlsieg zum Oberbürgermeister.

Die Stichwahlen in den 123 Kommunen blieben ohne wirkliche Überraschungen. Die Mehrheit zog vielerorts das Bekannte dem Neuen vor.

Katharina Pötter (CDU) feiert ihren Wahlsieg in Osnabrück.

In 123 Kommunen in Niedersachsen wurden Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte gewählt. Ergebnisse gibt es hier im Liveticker.

Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen), zusammen mit Greta Garlichs.

Amtsinhaber Belit Onay (Grüne) hat sich in der Stichwahl deutlich gegen seinen Stellvertreter Axel von der Ohe (SPD) durchgesetzt.

Jascha Rohr im Portrait.

Jascha Rohr gewann knapp gegen SPD-Kandidat Ulf Prange. Gegen kurz nach 19 Uhr waren die Stimmen ausgezählt.