Nordbistümer: Kommission sieht Probleme bei Missbrauchs-Aufarbeitung
Die Unabhängige Aufarbeitungskommission (UAK Nord) hat am Montag den vorläufigen Abschlussbericht der ersten Amtsperiode vorgelegt. Die Kommission wurde vor drei Jahren gegründet, um die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in den katholischen Diözesen Hamburg, Osnabrück und Hildesheim unabhängig zu begleiten.
Mit Blick auf die norddeutsche Kirchenprovinz spricht die Kommission von unterschiedlichen Geschwindigkeiten in den jeweiligen Regionen. Ein zentrales Problem sei der Zugang zu kirchlichen Unterlagen und Daten. In den Bistümern Osnabrück und Hildesheim gebe es zwar Fortschritte, aber eine strukturierte Übergabe von erbetenen Zahlen und Daten - beispielsweise zu Betroffenenzahlen, Tätern und Tatverdächtigen sei nicht erfolgt.
Kritische Lage im Erzbistum Hamburg
Kritischer sieht die Kommission die Lage im Erzbistum Hamburg. Dort werde grundsätzlich die Herausgabe relevanter Daten mit Verweis auf den Datenschutz verweigert. Die Kommission fordert deshalb das Erzbistum Hamburg in dem Bericht auf, von "überzogenen Datenschutzbestimmungen Abstand zu nehmen".
Das Erzbistum Hamburg erklärte dazu in einer Stellungnahme, man vertrete den Standpunkt, dass die UAK Nord selbst für die Verarbeitung etwa offengelegter Daten verantwortlich sei und dass vor einer Weitergabe von Daten die Zustimmung von Betroffenen unverzichtbar sei. Die UAK Nord hat in dieser Frage bereits vor geraumer Zeit eine Klärung vor dem kirchlichen Datenschutzgericht in Bonn eingeleitet. Eine Entscheidung dort steht aber seit Monaten aus.
Wissenschaftliche Untersuchungen beauftragt
Nach Angaben der Aufarbeitungskommission haben alle drei Bistümer wissenschaftliche Untersuchungen in Auftrag gegeben. In Hildesheim sei 2025 eine große Studie angelaufen, die Betroffene eng einbinde. In Osnabrück sei 2024 eine Studie abgeschlossen worden, die systemische Pflichtverletzungen klar benannt habe. In Hamburg gebe es mit der sogenannten Mecklenburg-Studie erste Ergebnisse zum Zeitraum 1946 bis 1989.
Mit Blick auf die Gedenk- und Erinnerungskultur sieht die Kommission beim Bistum Hildesheim durchaus Vorbildcharakter, auch wenn ein ausgearbeitetes Konzept derzeit auf Eis liege. In Osnabrück sei zumindest eine Arbeitsgruppe gegründet worden. Im Erzbistum Hamburg gebe es bislang noch keine institutionalisierte Erinnerungskultur zum Missbrauch in der katholischen Kirche, heißt es in dem Kommissionsbericht.