Naturkundemuseum soll in geschrumpften Hamburger Elbtower
In den Bau des Elbtowers in der Hamburger Hafencity kommt Bewegung. Die Stadt Hamburg plant, Teile des Gebäudes für 595 Millionen Euro zu kaufen und für das Naturkundemuseum zu nutzen. Allerdings soll der Elbtower nicht mehr so hoch werden wie ursprünglich geplant.
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) teilte am Dienstag im Rahmen der Landespressekonferenz mit, die Realisierung des Museums im Elbtower sei möglich und gehe auch deutlich schneller als ein eigener Neubau. Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für den Weiterbau am Elbtower erfüllt. Die Stadt möchte nach Angaben des Senats die unteren zwölf Stockwerke für das Naturkundemuseum kaufen - insgesamt 46.000 Quadratmeter. Das wären etwa 48 Prozent der Gesamtfläche des Elbtowers. Für diesen Teil des Wolkenkratzers will die Stadt einen Festpreis von 595 Millionen Euro zahlen. Dieser soll laut Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) über Darlehen und aus dem Sondervermögen für Infrastrukturmaßnahmen finanziert werden.
Elbtower soll nur noch 199 Meter hoch werden
Allerdings wird sich nach den Plänen des Senats das Aussehen des Turms verändern. Der Elbtower soll zwölf Stockwerke niedriger werden als ursprünglich geplant und damit nur noch 199 Meter hoch statt 245 Meter. Das sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD). Damit sänken nicht nur die Kosten, sondern auch die Vermietungsrisiken. Auch in der geschrumpften Form wäre der Wolkenkratzer der höchste in Deutschland außerhalb Frankfurts.
Dressel: Anderer Neubau für Museum wäre teurer
Der Elbtower sei die beste Option für das neue Naturkundemuseum, sagte die Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). "Wir haben keinesfalls den Elbtower retten wollen, sondern wir haben sehr ernsthaft ein möglichst perfektes Zuhause fürs Naturkundemuseum gesucht", sagte sie. Ein eigener Neubau in der Hafencity hätte laut Finanzsenator Dressel 824 Millionen Euro gekostet - 230 Millionen Euro mehr als die Elbtower-Variante.
Zustimmung der Bürgerschaft steht noch aus
Am kommenden Dienstag will der Senat beschließen, ob die Verhandlungen über den Elbtower mit den privaten Investoren weiterlaufen können. Die Bürgerschaft muss auf jeden Fall noch über das Vorhaben abstimmen - voraussichtlich im Frühjahr 2026. Ob es am Ende zu dem Deal kommt, ist noch nicht klar.
Opposition wirft Tschentscher Wortbruch vor
In der Vergangenheit hatte Tschentscher mehrfach ausgeschlossen, dass sich die Stadt finanziell am Elbtower beteiligt. Allerdings hatte sich die Stadt offen dafür gezeigt, den Einzug des Naturkundemuseums zu prüfen. Die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft wirft dem Bürgermeister nun Wortbruch vor. Die CDU hielt im vor, er habe gesagt, dass kein Cent Steuergeld in die Fertigstellung des Elbtowers fließen werde. Jetzt sei das Gegenteil verkündet worden. Die AfD meinte, der Elbtower solle auf Biegen und Brechen gerettet werden, das sei haushaltspolitisch unverantwortlich. Die Linke äußerte Zweifel daran, dass ein Neubau für das Naturkundemuseum tatsächlich teurer sei als die Kosten für die Unterbringung im Elbtower.
Zu den knapp 600 Millionen kommen auch noch die Kosten für Umzug und das Inventar des Museums. Auch vom Bund der Steuerzahler kommt Kritik: "Ich finde, hier investiert die Stadt Hamburg eine Riesensumme in ein privat gescheiteres Projekt", sagte der Vorsitzende Sascha Mummenhoff.
Tschentscher: "Wir beteiligen uns nicht am wirtschaftlichen Risiko"
"Wir vermeiden auch jetzt, dass wir die Federführung für das Projekt übernehmen und das Risiko für die Fertigstellung tragen", hielt Tschentscher den Vorwürfen entgegen. "Wir beteiligen uns nicht an dem wirtschaftlichen Risiko an der Vermietung und Verwertung der anderen Teile des Gebäudes, denn es bleibt ein Projekt in der Verantwortung privater Investoren." Die Stadt übernehme nur die Kosten für die Teile, als Teileigentümer, die sie für das Museum brauche. Die Stadt wolle kein Baukostenrisiko übernehmen, dafür brauche man gute Verträge, diese sollen in den kommenden Monaten formuliert werden. Am Dienstag habe der Senat lediglich aus Transparenzgründen einen Zwischenstand geteilt.
Lob vom Leibniz-Institut
Nicht nur der Senat ist regelrecht euphorisiert. Der Direktor des für den Betrieb des Museums zuständigen Leibniz-Instituts glaubt an den Aufstieg in die erste Liga der Naturkundemuseen, auf Augenhöhe mit New York, Berlin oder etwa Washington. "Hamburg spielt dann in der wirklich vordersten Front international mit", sagte Prof. Bernhard Misof vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels. Dies habe große Bedeutung für die Biodiversitätsforschung und die Klimaforschung in der Stadt.
Arbeiten am Elbtower im Oktober 2023 eingestellt
Der Elbtower war ein Prestigeprojekt des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. Weil dessen kriselnde Signa-Gruppe Rechnungen nicht gezahlt hatte, wurden die Arbeiten an dem erst rund 100 Meter hohen Turm im Oktober 2023 eingestellt. Benko sitzt seit Januar in Untersuchungshaft und steht derzeit in Österreich vor Gericht.
Elbtower soll Abschluss der Hafencity bilden
Der Elbtower soll den ursprünglichen Plänen zufolge der krönende Abschluss der Hamburger Hafencity im Osten werden - quasi als Gegenstück zur Elbphilharmonie im Westen. Entworfen wurde er vom Londoner Stararchitekten David Chipperfield. Der soll mit den Plänen für einen kleineren Elbtower einverstanden sein.