Einspruch eingelegt
Verweigerte Dopingprobe? HSV-Sprinter Ansah geht vor Sportschiedsgericht
Deutschlands Top-Sprinter Owen Ansah hat bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) fristgerecht Einspruch gegen seine drohende Sperre von vier Jahren wegen eines mutmaßlich verweigerten Dopingtests eingelegt. Damit geht der Fall des 200-m-Europameisters vor das deutsche Sportschiedsgericht (DIS).
Das Verfahren werde "prozessual nach den Vorgaben der DIS-Sportschiedsgerichtsordnung durchgeführt und ist grundsätzlich nicht-öffentlich", teilte die NADA am Freitagmorgen mit.
Zu weiteren Verfahrensdetails, insbesondere zum zeitlichen Verlauf, könne die NADA "keine Aussagen treffen. Die Verfahrensgestaltung obliegt dem Schiedsgericht. Der NADA ist es aber wichtig, dass das Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht zügig und effektiv durchgeführt wird".
Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe
HSV-Sprinter Ansah wird vorgeworfen, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Während die NADA dem Hamburger vorhält, am 9. Juli gegen Artikel 2.3 des Nationalen Anti-Doping-Codes (Weigerung oder Unterlassen, sich einer Probenahme zu unterziehen) verstoßen zu haben, weist dieser die Vorwürfe zurück und beteuert seine Unschuld.
Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh hatte in einer Stellungnahme zuletzt mitgeteilt: "Vor dem Hintergrund des derzeit laufenden Verfahrens und der gebotenen sorgfältigen Aufarbeitung des Sachverhalts werden gegenüber den Medien aktuell keine weiteren Stellungnahmen abgegeben."
EM-Medaillen in Birmingham
Trotz des laufenden Disziplinarverfahrens hatte der 25-Jährige zuletzt an den Leichtathletik-Europameisterschaften im englischen Birmingham teilgenommen. Über die 100 m gewann der deutsche Rekordhalter zunächst Bronze, drei Tage später stürmte er über 200 m zu Gold.
Auch vom Ausgang des Prozesses vor dem Sportschiedsgericht wird abhängen, ob Ansah seine Medaillen behalten darf. Theoretisch könnte sich der Fall noch über Jahre hinziehen, in letzter Instanz wäre der internationale Sportgerichtshof CAS zuständig.
Ansah: Stand bei unangekündigter Probe unter Zeitdruck
Ansah hatte angegeben, dass er bei der unangekündigten Kontrolle Anfang Juli unter Zeitdruck gestanden, um seinen Flieger zum Diamond-League-Meeting in Monaco zu bekommen, wo er kurzfristig ins Teilnehmerfeld gerutscht war.
Zudem sei er kurz zuvor auf Toilette gewesen. Deshalb sei die Abgabe der Dopingprobe nicht möglich gewesen. Ansah reiste ab und lief am Folgetag in Monaco. Die NADA wertete das als verweigerten Dopingtest und schlug eine vierjährige Sperre vor, suspendierte den Hamburger aber nicht. Im Fall der Akzeptanz der Strafe hätte sich die Dauer der Sperre automatisch auf drei Jahre reduziert.
Der Sanktionsbescheid gegen Deutschlands schnellsten Sprinter sieht allerdings auch vor, dass alle Wettkampfergebnisse ab dem 9. Juli annulliert werden - dem Tag der Kontrolle. Diese Annullierung beträfe unter anderem Ansahs deutsche Meistertitel über 100 und 200 m, die er Ende Juli in Bochum-Wattenscheid geholt hatte, aber auch die EM-Medaillen. Aus diesem Grund hatte ihn der DLV für die Sprint-Staffeln in Birmingham nicht aufgestellt.
Saison-Aus nach Verletzung
Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist die Saison für Ansah beendet. Am Donnerstag hatte der Hamburger bei Instagram mitgeteilt, dass er wegen einer Verletzung in diesem Jahr nicht mehr starten werde - also auch nicht beim ISTAF in Berlin. Nähere Angaben zur Art der Verletzung machte Ansah nicht.