Hockey-WM
Hockey-WM: Lucina von der Heyde - die Argentinierin im Deutschland-Trikot
Nach dem Auftaktsieg bei der Weltmeisterschaft in Belgien und den Niederlanden steht den deutschen Hockey-Frauen mit Argentinien der stärkste Gruppengegner bevor. Vor allem für eine neue Spielerin der "Danas", Lucina von der Heyde, wird es eine ganz besondere Begegnung.
Bei ihrer letzten WM-Teilnahme vor acht Jahren trug Lucina von der Heyde das hellblau-weiße Trikot mit der Löwin über der rechten Brust – das Wappen der "Las Leonas", der argentinischen Hockey-Frauen. Bei dieser WM läuft sie im weißen Jersey auf, mit dem deutschen Adler auf der Brust. "Es war etwas merkwürdig, als ich das erste Mal die deutsche Nationalhymne gehört habe, als ich auf dem Platz stand. Mittlerweile fühle ich mich aber als eine von ihnen. Ich fühle mich jetzt deutsch – ich bin eine Kartoffel", sagt sie.
Zweiter Zugang aus Argentinien für den DHB
Seit März spielt Von der Heyde für Deutschland. Der Weltverband FIH erlaubt Wechsel zwischen Nationen, sofern zwischen dem letzten Einsatz für die bisherige und dem ersten Einsatz für die neue Nation mindestens drei Jahre liegen. "Man kann geteilter Meinung sein. Wenn die Sprache gesprochen wird und alles andere passt, ist das in der heutigen Zeit ein ganz normaler Schritt, so etwas zu machen", sagt DHB-Präsident Martin Schultze. Lucina von der Heyde "spricht Deutsch, lebt seit Jahren in Deutschland – ich habe damit gar kein Problem."
Für den Deutschen Hockey-Bund ist es bereits das zweite Mal, dass solch ein Nationenwechsel stattgefunden hat. 2022 wechselte der Argentinier Gonzalo Peillat zu den "Honamas" – als Eckenschütze und Innenverteidiger ist er mittlerweile eine der Säulen im Team, gewann 2023 WM-Gold und 2024 in Paris olympisches Silber mit Deutschland.
Ein Teil ihrer Familie stammt aus Deutschland
Der Wechsel von Von der Heyde liegt näher, als auf den ersten Blick vermuten lässt. Ein Teil ihrer Familie stammt aus Deutschland und wie Peillat spielt sie für den Mannheimer HC seit sieben Jahren in der Bundesliga. Für die Olympischen Spiele in Paris war sie im argentinischen Kader nicht berücksichtigt worden – für die Vorbereitung hätte sie wieder nach Argentinien ziehen müssen.
Die 29-Jährige entschied sich dagegen, weil "Deutschland für mich und meine Entwicklung besser war". Als der Anruf von Bundestrainerin Janneke Schopman kam, war sie zunächst überrascht, sah dann aber die Möglichkeit, wieder international spielen zu dürfen. "Bevor ich mich entschied, wollte ich die Mädels treffen, ich wollte das Team kennenlernen und wissen, ob sie mich überhaupt wollen. Ich spiele auf dem Platz nämlich manchmal ziemlich dreckig", erzählt sie.
Von der Heyde ist ein großer Gewinn für das junge deutsche Team
Die Sorge war unbegründet. Sie wurde herzlich und offen aufgenommen: "Ich habe mich gefreut, ich kenne sie gut aus der Bundesliga und wusste, welche Qualitäten sie mitbringt", sagt Kapitänin Linnea Weidemann, die sich aber fragte, "wie das mit der Kommunikation läuft, aber: Sie spricht Deutsch und sie versteht alles." Für das junge Team von Schopman ist die Mittelfeldspielerin ein großer Gewinn.
Von der Heyde glänzt durch großartiges Spielverständnis: In der Defensive koordiniert sie das Team und antizipiert gegnerische Bälle, aber auch offensiv spielt sie mit und setzt so beispielsweise durch gezielte Pässe Akzente. Sie stabilisiert das junge Team, dem nach den Olympischen Spielen und der Heim-EM im vergangenen Jahr zentrale Säulen weggebrochen waren.
Montagabend treffen die "Danas" auf Argentinien
"Es ist meine erste WM für Deutschland, ich möchte zeigen, dass ich zum Team dazugehöre, weil ich mich deutsch fühle", sagt sie. Schon am Montag, 17 Uhr, kommt es im zweiten Gruppenspiel zum Aufeinandertreffen mit ihrer ursprünglichen Heimat: "Ich bin schon etwas nervös, weil ich nicht weiß, wie die Spielerinnen sich mir gegenüber verhalten werden. Ich passe dort nicht mehr rein, fühle mich ein bisschen wie das schwarze Schaf in Argentinien."
Die ehemalige Argentinierin im Deutschlandtrikot trifft damit erstmals wieder auf Argentinien: "Ich werde versuchen, alles zu geben für mein Land, für mein Team." Die Rollenverteilung ist Lucina von der Heyde also klar.
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