Segel-Regatta über den Nordatlantik

Herrmann startet mit der Malizia 4 ins Abenteuer Ocean Race Atlantic

Stand: 01.09.2026 19:33 Uhr

Der stimmungsvolle Auftakt vor der Skyline von New York ist gemacht, jetzt wartet beim Ocean Race Atlantic ein wilder Ritt auf Boris Herrmann und seine Malizia 4. Der Sprint über den Nordatlantik nach Lorient ist der erste Härtetest für das neue Boot des Hamburgers - gegen fünf weitere Teams.

von Matthias Heidrich

New York zeigte sich zum Auftakt des Ocean Race Atlantic von seiner trüben Seite. Als es für Boris Herrmann mit seiner neuen Malizia 4 und die fünf Konkurrenten vor Manhattan "Leinen los" hieß, hüllte Nebel den Big Apple in einen Schleier aus grau.

Die Stimmung der Skipper konnte das Wetter allerdings nicht trüben. Als sie die auch bei Nebel erhaben über dem Hudson River thronende Freiheitsstatue kreuzten, war die Freude groß.

"Es war super emotional, heute hier abzulegen. Jetzt sind wir bereit, das Rennen nach Lorient aufzunehmen", sagte Elodie-Jane Mettraux an Bord der 11th Hour Racing, deren Schwester Justine als Co-Skipperin von Herrmann auf der Malizia dabei ist.

Start 145 Seemeilen vor New York

Der Hamburger und seine fünf Konkurrenten haben nun noch etwas Zeit zum Durchschnaufen. Der tatsächliche Start des Rennens erfolgt aufgrund von Meeresschutzgebieten vor New York 145 Seemeilen (ca. 270 Kilometer) vor der US-Küste. Am Mittwoch um 12 Uhr (MESZ) soll die Imoca-Flotte die Startlinie kreuzen und die rund 3.000 Seemeilen (ca. 5500 Kilometer) bis ins französische Lorient in Angriff nehmen.

Boris Herrmann vom Team Malizia
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Paul Meilhat hat das Ocean Race Atlantic gewonnen. Der Hamburger Boris Herrmann landet mit seiner neuen Malizia 4 auf Platz vier. Alle News im Blog.

Von diesem Zeitpunkt an wird es für die Hightech-Rennyachten nur eine Devise geben: Vollgas! Und die zu erwartenden Bedingungen versprechen von Beginn an einen regelrechten Sprint.

Sprint über den Nordatlantik

"Es sieht sehr schnell aus, mit nicht so vielen Manövern. Es geht um Speed und darum, das Schiff in einem guten Zustand zu halten", sagte der Schweizer Embrace The Challenge-Skipper Oliver Heer und räumte die von den Veranstaltern angegeben acht bis neun Tage Renndauer gleich mit ab: "Hoffentlich sind wir in unter sieben Tagen in Lorient."

Ich fühle Unsicherheit, aber auch Vorfreude. Malizia-Skipper Boris Herrmann

Herrmann: "Es ist ein riesen Abenteuer für uns"

Es könnte ruppig werden und für Herrmann und seine Crew ist das Ocean Race Atlantic rund zwei Monate nach dem Stapellauf der Malizia 4 auch eine Fahrt ins Ungewisse. "Das Rennen wird uns alles abverlangen, weil ein starkes Tiefdruckgebiet mit sehr viel Wind und starkem Seegang kommt. Das neue Boot haben wir in solchen Bedingungen noch gar nicht erprobt", erklärte der gebürtige Oldenburger. "Es ist ein riesen Abenteuer für uns, da raus zu gehen. Ich fühle Unsicherheit, aber auch Vorfreude."

Video: Malizia-Skipper Herrmann: "Das Rennen wird uns alles abverlangen" (4 Min)

Feuertaufe nach Maß für die Malizia 4

"An Imoca designed to win", war der Malizia-Slogan für den Bau von Herrmanns neuem Schiff. "Gebaut, um zu gewinnen!" Daran wird sich der Hamburger messen lassen müssen. "Das Boot muss einfach das schnellste sein, das ist das Wichtigste", sagt der 45-Jährige. Die Hatz über den Nordatlantik mit einem Tiefdruckgebiet nach dem anderen verspricht dabei eine Feuertaufe nach Maß für die Malizia 4.

Die neue "Malizia 4" von Boris Herrmann
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Mit der Malizia 4 will der Hamburger Skipper das Ocean Race gewinnen und bei der Vendée Globe 2028 vorne mitsegeln. Ist das neue Boot der große Wurf?

Mit dem Vorgängerschiff Malizia - Seaexplorer hatten Herrmann und seine Crew beim Ocean Race World im Nordatlantik einen 24-Stunden-Weltrekord für Einrumpfyachten aufgestellt. Am 26. Mai 2023 schaffte die Malizia 3 auf der fünften Etappe 641,13 Seemeilen in 24 Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,71 Knoten.

24-Stunden-Rekord? Herrmann ist skeptisch

Für das Ocean Race Atlantic könnten laut Veranstalter in den ersten Tagen die Bedingungen günstig sein, um diesen Rekord anzugreifen. Herrmann ist da eher skeptisch. "Da muss vieles zusammenkommen. Vor allem darf der Seegang nicht zu stark sein und das sehe ich in den nächsten Tagen etwas kritisch, weil wir mehr Wind haben als damals bei unserem Rekord", erklärt der Malizia-Skipper.

Als er vor gut drei Jahren zusammen mit Will Harris, Rosalin Kuiper und Yann Eliès an Bord die Rekordfahrt hinlegte, "hatten wir den perfekten Windwinkel und eine Drehung des Windes über 24 Stunden, so dass wir sogar der Erdkrümmung perfekt folgen konnten. Das sind sehr seltene Bedingungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sowas jetzt noch mal hinkriegt, ist gering."

Die Malizia 4 von Boris Herrmann

Die Yacht von Boris Herrmann soll neue Maßstäbe setzen - und den Hamburger Skipper zu Erfolgen tragen.

Herrmann segelt zum ersten Mal gegen Will Harris

Das Rekordschiff von damals ist auch dieses Mal wieder dabei. Die Malizia 3 heißt mittlerweile 11th Hour Racing. Francesca Clapcich steuert das Boot und hat ausgerechnet Harrris als Co-Skipper an Bord. "Ich bin noch nie in meinem Leben gegen Will gesegelt, die letzten sieben Jahre sind wir immer zusammen gesegelt. Er ist einer der besten Segler da draußen", sagt Herrmann über Harris, der quasi nur ausgeliehen ist und ebenso wie Clapcich beim Ocean Race World, das Mitte Januar in Alicante startet, wieder im Malizia-Team dabei sein wird.

Die Regatta über den Nordatlantik bestreitet Herrmann mit Cole Brauer (USA), Justine Mettraux (Schweiz) und Julien Villion (Frankreich). Erstmals ist bei einem Transatlantik-Rennen ein 50:50-Mix von Frauen und Männern vorgeschrieben.

"50:50-Regel macht absolut Sinn"

"Die 50:50-Regel macht absolut Sinn und hätten wir in unserem Sport schon früher haben sollen. Es kommt auf diesen Schiffen wirklich mehr auf den Kopf als die Körpergröße an", so der Malizia-Skipper. Bei der Vendée Globe sehe man zum Beispiel, dass Frauen viel stärker als Männer seien. "Justine Mettraux hat mich bei Weitem geschlagen", sagt Herrmann mit einem Lachen.

Nur gut also, dass er die Schweizerin, die bei der jüngsten Solo-Weltumseglung Achte wurde, vier Plätze vor dem Hamburger, beim Ocean Race Atlantic mit an Bord der Malizia 4 hat.

Video: 50:50-Regel beim Ocean Race Atlantic: "Gemischte Teams sind immer super" (4 Min)
Charlie Dalin
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Das Ocean Race Atlantic läuft, aber einer fehlt. Sven Kaulbars und Tim Kröger würdigen den verstorbenen französischen Vendée-Globe-Sieger.

Die Malizia 4 von Boris Herrmann
Von New York nach Lorient

Der Hamburger Weltumsegler geht zum ersten Mal mit seiner neuen Yacht in ein Rennen. NDR.de überträgt den Auftakt in New York heute im Livestream.

Dieses Thema im Programm:

NDR.de | Ocean Race Atlantic: Bootsparade und Leinen los in New York live | 01.09.2026 | 17:55 Uhr

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