Die deutsche Basketball-Nationalspielerin Frieda Bühner setzt in einem Länderspiel zum Wurf an.
AUDIO: Basketballerin Frieda Bühner vor Heim-WM (2 Min)

Hoffnungsträgerin bei der WM

Basketballerin Bühner vor der Heim-WM - "Davon träumt jeder"

Stand: 04.09.2026 07:53 Uhr

Aus Niedersachsen auf die größten Basketball-Bühnen: Der Aufstieg von Frieda Bühner war rasant. Seit diesem Jahr spielt die 22-Jährige in der besten Liga der Welt - der nordamerikanischen WNBA. Und im Nationalteam ist sie eine der Hoffnungsträgerinnen bei der heute beginnenden Heim-WM in Berlin.

von Irina Gnep

Bei der WM-Generalprobe hatte Frieda Bühner noch die Rolle der Zuschauerin. Die Niedersächsin war erst wenige Stunden zuvor aus den USA angereist. Das Leben aus dem Koffer ist ihr Alltag. "Noch ein bisschen müde" und mit Jetlag verfolgte sie die knappe 62:63-Testspielniederlage der deutschen Basketballerinnen gegen die Türkei von der Bank aus.

Bei der Weltmeisterschaft in Berlin (bis 13. September) wird sie voll eingreifen: "Die Vorfreude ist riesig", manchmal könne sie vor Aufregung kaum schlafen, erzählt Bühner im NDR Interview: "Von einer Heim-WM träumt doch jeder. Besonders, weil ich schon so lange nicht in Deutschland war."

Aus Osnabrück über Spanien in die USA

Denn aus der heimischen Bundesliga ist die Ausnahmespielerin längst rausgewachsen. Aus Osnabrück, wo Bühner zum Basketball kam, ging es für sie vor zwei Jahren zu Estudiantes Madrid nach Spanien - in die wohl beste Liga Europas. Dort gehörte sie in der vergangenen Saison in der regulären Spielzeit zu den vier erfolgreichsten Werferinnen. So machte die 1,86 m große Power Forward auch in der stärksten Liga der Welt - der nordamerikanischen WNBA - auf sich aufmerksam: Im April wurde Bühner im Draft an 17. Stelle von der neuen Franchise Portland Fire ausgewählt.

Danach ging alles ganz schnell: Bühner reiste aus Madrid in die 640.000 Einwohner große Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten im Bundesstaat Oregon, überzeugte in einem Trainingscamp und wurde zunächst mit einem sogenannten Development-Vertrag ausgestattet.

Das bedeutete: Leben und trainieren mit dem Team, aber kein fester Kaderplatz und eine begrenzte Anzahl an Spieleinsätzen. Quasi ein Praktikum auf großer Bühne, das Bühner zu nutzen wusste: Nach nur drei Einsätzen folgte das Upgrade mit einem Standard-Vertrag und einer satten Gehaltserhöhung (270.000 Dollar pro Saison).

"Ich habe nicht erwartet, dass es so schnell geht. Das ist schon ein krasses Business: Dafür werden andere Spielerinnen entlassen. Aber ich habe mich natürlich gefreut, dass ich jetzt alle Spiele spielen kann." Frieda Bühner

Die WNBA - eine andere Welt, ein anderer Basketball

Für Luisa Geiselsöder, Bühners Mitspielerin in Portland und im Nationalteam, kam das nicht überraschend: "Es ist nicht leicht, in der Liga anzukommen, aber ich war mir sicher, dass sie das schafft", so Geiselsöder: "Sie hat einfach ihr Ding gemacht. Sie war Frieda und hat ihr Spiel gespielt." Ganz so einfach, sei es nicht gewesen, sagt Bühner (6 Punkte pro Spiel), auch, wenn es für Außenstehende so wirkte: "Ich habe schon Eingewöhnungszeit benötigt. Die brauche ich auch immer noch."

Der Basketball sei "physischer und athletischer", die WNBA eine "komplett andere Welt" mit all dem "Drumherum" und dem für die "USA typischen Entertainment", so Bühner: "Aber es ist schon richtig cool. Wir spielen in so krassen Arenen." Über 14.000 Menschen sind im Schnitt bei den Heimspielen, die Fans "rasten richtig aus".

Rekord-Ticketverkauf vor Heim-WM

Eine ähnliche Stimmung erhoffen sich Bühner und die deutschen Basketballerinnen auch bei der Heim-WM. Über 200.000 Tickets sind bereits verkauft - so viele wie noch nie zuvor bei einer Frauen-WM.

"Es schaut jeder hin, weil es in Deutschland ist. Der Druck kann uns aber auch helfen. Das ist noch mal zusätzliche Motivation, dass wir gut für die deutschen Fans spielen wollen." Frieda Bühner

In Berlin werden (fast) alle dabei sein: Ihre Eltern ("Meine Fans Nummer eins"), ihr Freund, Freunde und ihre Brüder, sofern es deren eigene Saisonvorbereitung erlaubt. Ein Stückchen Heimat und besonderer Support für Bühner, die in den USA mit neun Stunden Zeitunterschied und den vielen Reisen in einer ganz eigenen Welt lebt.

Zwischen Personalsorgen und Medaillen-Traum

"Für mich ist es total die Motivation, zurück in Deutschland zu sein und meine Familie da zu haben", sagt Bühner, die gebürtig aus Georgmarienhütte stammt: "Wir träumen von einer Medaille." Diese war das kommunizierte Ziel beim Amtsantritt von Olaf Lange als neuer Bundestrainer: "Wenn wir alle an Bord haben, alle gesund und in Bestform sind", sagte der 54-Jährige im vergangenen November, "sind wir Medaillenkandidat."

Frieda Buhner spielt während des WNBA Basketball Spiels gegen die Chicago Sky
WM Vorbereitungs-Spiel

Vor der Basketball-WM spricht Nationalspielerin Frieda Bühner im Interview über die deutsche Mannschaft.

Der Realitätscheck kurz vor der WM fällt indes ein wenig ernüchternd aus. Von den deutschen Topspielerinnen sind nur Bühner ("Dreimal auf Holz klopfen!") und Geiselsöder vollständig fit zum DBB-Team gereist. Immerhin feierte Leonie Fiebich nach einer Fußverletzung kürzlich ihr Comeback bei New York Liberty.

Kapitänin Marie Gülich kehrte nach über einem Jahr Verletzungspause erst in der WM-Vorbereitung aufs Basketball-Parkett zurück. Sorgen bereitete auch die Wadenverletzung von Nyara Sabally (Toronto Tempo), die sich aber rechtzeitig zurückgemeldet hat. Ihre Schwester und Star-Spielerin Satou (New York Liberty) fällt wegen der Folgen einer zweiten schweren Gehirnerschütterung sogar ganz aus.

In der Gruppe gegen Spanien, Mali und Japan

Umso wichtiger dürfte Bühner werden: "Ich bin total dankbar, dass ich Teil davon bin" sagt Bühner, "und dass ich meine Rolle in den vergangenen Jahren so steigern konnte." Bereits bei der deutschen Olympia-Premiere in Paris deutete sie ihr großes Potenzial im Nationalteam an. Spätestens seit der EM im vergangenen Jahr ist die 22-Jährige eine der Leistungsträgerinnen. Bei der WM soll sie nun wieder vorangehen. "Ich spiele drei riesige Turnier in drei Jahren", sagt Bühner: "Das ist doch verrückt."

Zum WM-Auftakt trifft Deutschland heute (17.45 Uhr) auf Spanien. Weitere Gruppengegner sind Japan und Mali. "Da treffen viele verschiedene Basketball-Stile aufeinander", meint Bühner: "Japan spielt total schnell und trifft viele Dreier, Mali ist sehr physisch."

Gegen Japan konnten die deutschen Basketballerinnen bei den Olympischen Sommerspielen in Paris gewinnen, die Spanierinnen setzten sich bei den vergangenen Turnieren immer gegen Deutschland durch. "Wir wollen natürlich alle eine Revanche", so Bühner: "Und ich glaube, wir haben eine gute Chance, zu gewinnen und mit einem Sieg in die WM zu starten."

Nyara Sabally (l.) und Leonie Fiebich
Fiebich zurück, Nyara Sabally im Training

Spielmacherin Leonie Fiebich ist beim Team, die angeschlagene Nyara Sabally trainiert wieder - kurz vor dem Auftakt der Heim-WM gibt es bei den deutschen Basketballerinnen neue Zuversicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Sport aktuell | 01.09.2026 | 10:17 Uhr

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