Wenn jede Minute zählt: "Christoph 12" feiert 50. Geburtstag
Der im Kreis Ostholstein stationierte Hubschrauber feiert Jubiläum. "Christoph 12" ist der Rufname für die Maschinen, mit denen die Einsatzkräfte seit fünf Jahrzehnten nun schon Leben retten.
Wenn Leben in Gefahr ist, dürfen Retter keine Zeit verlieren. Dabei sind Hubschrauber in der Regel schneller an entlegenen Orten als Rettungswagen. Deshalb wird in dringenden Notfällen immer wieder "Christoph 12" alarmiert - ein Zivilschutz-Helikopter des Bundes. Er ist in Siblin im Kreis Ostholstein stationiert und einer von insgesamt sechs Rettungshubschraubern in Schleswig-Holstein. Zum 50-jährigen Bestehen der Einheit können Interessierte am Sonnabend (30. Mai) ab 13 Uhr Landeplatz und Heli in Siblin kostenfrei besichtigen.
Bis heute 53.500 Einsätze
Gerade in einem großen Flächen- und Tourismuskreis zählt im Notfall oft jede Minute - und genau dann macht die Luftrettung den entscheidenden Unterschied. Timo Gaarz (CDU), Landrat Ostholstein
Der orangefarbene Hubschrauber sei ein echter Lebensretter für die Region und weit darüber hinaus, betont Ostholsteins Landrat Timo Gaarz (CDU). So fliegt die Besatzung - bestehend aus Pilot, Notarzt und Sanitäter - auch Einsätze in den Kreisen Plön, Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg sowie in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern.
In den vergangenen 50 Jahren sind unter dem Funkrufnamen "Christoph 12" drei unterschiedliche Maschinen im Einsatz gewesen. Zusammengerechnet sind sie laut Rettungsdienst Holstein bisher rund 53.500 mal ausgerückt.
Früher mehr schwere Unfälle
Die Schwerpunkte der Einsätze haben sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt, wie Notarzt Peer-Gunnar Knacke erzählt. Er fliegt bereits seit 1989 Einsätze. "Früher ist der Hubschrauber meist zu schweren Verkehrsunfällen ausgerückt", berichtet der Notarzt. In den 1990er Jahren habe sich das dann geändert. Die Autos wurden sicherer und es gab dadurch weniger schwer- und lebensgefährlich verletzte Personen. Heute sind die häufigsten Alarmierungsgründe andere: Laut Knacke machen mittlerweile Notfälle wie Schlaganfall oder Herzinfarkt mittlerweile 70 bis 80 Prozent der Einsätze aus.
Sturz von Fehrmansundbrücke
Auch wenn Peer-Gunnar Knacke schon vieles auf seinen Einsätzen erlebt hat, gibt es Tage, die der Notarzt wohl nie vergessen wird: Etwa als 1996 ein Polizeihubschrauber bei einer Übung vor Neustadt in die Lübecker Bucht gestürzt ist. Fünf Menschen starben. Auch die Crew von "Christoph 12" konnte nicht mehr helfen.
In Erinnerung geblieben ist dem Mediziner auch ein außergewöhnlicher Fall an der Fehmarnsundbrücke, ebenfalls in der 90er Jahren. Damals war ein Mann bei Bauarbeiten von der Brücke gefallen. Der Arbeiter konnte gerettet werden und überlebte den 30 Meter tiefen Sturz. "Der Mann hatte sich danach noch bei uns bedankt, dass er am Leben ist", erinnert sich Knacke. "Dabei", so der fliegende Arzt, "ist das doch nur unser Job."