Chronologie: Buckelwal in der Ostsee: Was geschah wann?
Erst verirrte er sich in der Ostsee, hing vor Niendorf und der Insel Poel fest. Dann wurde der Buckelwal von einer privaten Initiative in die Nordsee geschleppt, ausgesetzt - und schließlich tot vor Dänemark gefunden. Die Obduktion ist abgeschlossen, Ergebnisse des Trackers liegen vor. Eine Chronologie.
- Die ersten Sichtungen in der Ostsee (Anfang März)
- 10. März: Wal verfängt sich in Fischernetz
- 19. und 20. März: Sea Shepherd entfernt Teil der Netzleine
- Buckelwal strandet vor Niendorf (23.3.)
- Erste Rettungsversuche scheitern (24. und 25.3.)
- 26. März: YouTuber und Ministerpräsident kommen nach Niendorf
- Buckelwal schwimmt sich frei (27.3.)
- Wal strandet erneut (28. bis 31.3.)
- Ende März: Debatte um Walrettung heizt sich auf
- 7. April: Gutachten zum Zustand des Buckelwals
- 11. April: Walgesänge bleiben ungehört
- Menschengruppe demonstriert für Walrettung (13.4.)
- Zustimmung für private Rettungsaktion (15.4.)
- Private Rettungsaktion startet (16.4.)
- Wal schwimmt sich erneut frei (20.4.)
- 21. April: Tierärztin aus Hawaii reist ab
- 22. - 24. April: Rinne wird gebaggert
- 27. April: Transport-Schiff wird in Stellung gebracht
- 28. April: Buckelwal verlässt im Lastkahn die Kirchsee
- 29. April: Schlepperverband passiert Fehmarn
- 1. Mai: Hohe Welle machen Transport schwierig
- 2. Mai: Wal verlässt Transportdock
- 3. - 10. Mai : Geldgeber sprechen von "nicht abgestimmten Handlungen"
- 14. Mai: Toter Wal vor dänischer Insel Anholt gestrandet
- 16. Mai: Das tote Tier ist identifiziert
- 4. Juni: Obduktion beginnt, Wal war Weibchen
Anfang März: Erste Sichtungen in der Ostsee
Der Buckelwal taucht am 1. März im Hafen von Wismar in Mecklenburg Vorpommern auf. Er hat Reste eines Netzes an seinem Körper. Helfern gelingt es, Teile davon zu entfernen. Am nächsten Tag versuchen Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd vor Brook bei Wismar Netzreste zu entfernen - erfolglos. Am 7. März sichten sie den Wal vor Boltenhagen. Diesmal gelingt es Ihnen, weitere Reste des Netzes zu entfernen.
10. März: Wal verfängt sich in Fischernetz
Vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg verfängt sich der Wal laut Wasserschutzpolizei in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, wobei es durchtrennt wird. Anschließend schwimmt das Tier wieder in Richtung Ostsee.
19. und 20. März: Sea Shepherd entfernt Teil der Netzleine
Sea Shepherd beobachtet am 19. März, wie der Wal vor Lübeck-Travemünde in die Trave schwimmt. Am nächsten Tag wird das Tier in der Lübecker Bucht bei Haffkrug und Scharbeutz gesichtet. Sea Shepherd fahren mit einem Schlauchboot zum Tier - und können einen Teil der am Tier verbleibenden Leine zu entfernen. Mit weiteren Netzresten schwimmt der Wal Richtung Ostsee.
23. März: Buckelwal strandet vor Niendorf
In der Nacht zum 23. März melden Gäste eines Hotels in Timmendorfer Strand im Ortsteil Niendorf (Kreis Ostholstein) ungewöhnliche Geräusche. Anschließend wird der Buckelwal auf einer Sandbank entdeckt, auf der er gestrandet ist.
24. und 25. März: Rettungsversuche scheitern
Die Verantwortlichen entscheiden: Man will versuchen, das Tier zu retten. Doch höhere Wasserstände bringen das Tier nicht zurück ins Meer. Rettungskräfte drehen den Wal mit dem Kopf in Richtung der Fahrrinne. Aber er dreht sich wieder zurück. Und: Mit Booten erzeugt die Küstenwache große Wellen, um den Wal so in Richtung Fahrrinne bugsieren. Ebenfalls erfolglos. Dann soll ein Saugbagger unter dem Wal eine Schneise saugen, durch die er in die Ostsee schwimmen kann. Der Rettungsversuch wird abgebrochen. Der Sand ist zu fest.
26. März: YouTuber und Ministerpräsident kommen nach Niendorf
Der Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann kommt nach Niendorf und kündigt an, er wolle helfen. Er geht zum Wal ins Wasser. Mehrere Bagger an Land und ein schwimmender Schaufelbagger beginnen außerdem damit, dem Wal eine Rinne zu graben. Am späten Nachmittag schaut Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vorbei, um den Helfern zu danken und der Gemeinde Hilfe des Landes zuzusichern. Am Abend bewegt der Wal sich plötzlich - und schwimmt in Richtung der tieferen Gewässer - und bleibt erstmal liegen. Der Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke (FDP), sagt, aus Sicherheitsgründen solle bei Dunkelheit nicht weitergemacht werden. Die Kräfte rücken ab.
27. März: Buckelwal schwimmt sich frei
Am Freitagmorgen ist das Tier verschwunden - und wird später in der Lübecker Bucht entdeckt. Der Versuch, den Wal mithilfe von Booten in Richtung Nordsee und Atlantik zu geleiten, scheitert. Zeitweise begleiteten den Wal die Boote "Hummer" und "Fehmarn" durch die Lübecker Bucht. Doch das Tier schwimmt in die "falsche" Richtung - und tiefer in die Ostsee rein.
28. bis 31. März: Buckelwal strandet vor Wismar
Am Nachmittag strandet der Wal in der Wismarer Bucht in Mecklenburg-Vorpommern. Er kommt wieder frei, liegt dann im flachen Wasser der Ostsee. Seit dem 31. März hängt er dann in der Kirchsee vor der Insel Poel fest, atmet, bewegt sich aber wenig. Die Verantwortlichen entschieden zunächst, das geschwächte Tier in Ruhe zu lassen.
Ende März: Debatte um Walrettung heizt sich auf
Der YouTuber Lehmann kritisiert kurz darauf die Rettungsaktionen und wirft Meeresforschern und Behörden mangelnde Koordination vor und dass er von Rettungsaktionen ausgeschlossen worden sei. Um das zu belegen, veröffentlicht er jüngst einen Funkspruch, der der Einsatzleitung zugerechnet wird. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) bestreitet das. Auch ein Sprecher des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern betont, der Meeresbiologe sei nicht ausgeschlossen worden. Niendorfs Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke (FDP) und Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) äußern derweil in Medien Zweifel an Lehmanns Expertise. Viele von Lehmanns Followern sind sauer. Die öffentliche Stimmung beginnt sich aufzuheizen.
7. April: Gutachten zum Zustand des Buckelwals
Laut dem wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), ist die Chance, dass der Wal bei einer Lebendbergung auch in Freiheit überlebt, sehr gering. Er wird vorerst in Ruhe gelassen.
11. April: Walgesänge bleiben ungehört
Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt, um das Tier zu mobilisieren. Ohne Erfolg.
11. bis 14. April: Demonstranten fordern, Tier in tieferes Wasser zu bringen
Immer wieder gibt es Demonstrationen für den Wal. Viele Menschen fordern, das Tier ins tiefere Wasser zu bringen, statt es in Ruhe zu lassen. Auch Danny Hilse taucht bei einer Demonstration in Wismar auf. Laut der Ostseezeitung organisierte der Cuxhavener vorher Versammlungen, die aus der rechtsextremen Szene kommen. Bei einer Demonstration für den Wal dringen nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums mehrere Teilnehmer in einen Sperrbereich ein. Polizisten drängen demnach knapp zehn Menschen zurück. Laut einem Sprecher des Umweltministeriums gab es mehrfach Versuche von Menschen, zu dem Wal zu gelangen. Demnach sprang zum Beispiel eine Frau im Neoprenanzug von einer Insel-Fähre ins Wasser. Viele Menschen fordern, das Tier ins tiefere Wasser zu bringen, statt es in Ruhe zu lassen.
15. April: Backhaus gibt Zustimmung zu privater Rettungsaktion
Der öffentliche Druck ist groß. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus gibt seine Zustimmung für eine private Rettungsaktion. Diese werde geduldet, eine Genehmigung habe er dafür nicht erteilt, betont er. Die Verantwortung liege bei den Initiatoren der Rettungsaktion. Die Föhrer Tierärztin Janine Bahr van Gemmert, die für die private Initiative dabei ist, betont, der Buckelwal habe eine reelle Überlebenschance. Große Umweltverbände wie Greenpeace und Sea Shepherd werden nicht beteiligt - sie erfahren davon nach ihren Angaben aus den Medien. Sie bewerten die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung als gering.
16. April: Private Rettungsaktion startet
Die private Rettungsaktion läuft an. Involviert sind Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Geplant ist, mithilfe von Mobilkränen, Schwimmpontons und Rohren ein Luftkissen unter das Tier zu bringen und es damit anzuheben. Dann soll der Wal zwischen zwei Pontons in die Nordsee und eventuell weiter in den Atlantik transportiert werden.
20. April: Buckelwal schwimmt sich frei - aber nicht Richtung Nordsee
Der Buckelwal schwimmt sich bei steigenden Wasserständen frei. Er schwimmt in der Bucht bei Wismar umher. Boote versuchen ihn in Richtung offene Ostsee zu treiben. Doch das Tier kehrt wieder um und schwimmt wieder in die Bucht der Kirchsee vor Poel. Dort hängt es wieder fest.
21. April: Tierärztin aus Hawaii reist ab
Mit Schweren Gerät versuchen Helfer den Wal freizuspülen. Die aus Hawaii angereiste Tierärztin Jenna Wallace reist wieder ab - sie spricht von Differenzen im Team und erhebt Vorwürfe gegen Sergio Bambarén, Schriftsteller und Vizepräsident der Umweltschutzorganisation "Mundo Azul", und Influencer Danny Hilse.
22. - 24. April: Rinne wird gebaggert
Die verbleibenden Helfer der privaten Rettungsinitiative baggern und saugen eine mehr als 100 Meter lange Rinne. Der Plan: Der Wal soll in einem stählernen Becken eines absenkbaren Kahns von einem Schlepper in die Nordsee gezogen werden.
27. April: Transport-Schiff wird in Stellung gebracht
Das Transport-Schiff für den Buckelwal, auch Barge oder Lastkahn genannt, kommt in der Nacht zunächst in Kiel an. Es wird anschließend mit dem Schlepper "Robin Hood" nach Wismar gebracht.
28. April: Buckelwal verlässt im Lastkahn die Kirchsee
Der Buckelwal bewegt sich in den Lastkahn, nachdem Helfer ihn zuvor mit Gurten in diese Richtung gezogen haben. Am Abend gegen 20.15 Uhr setzt sich der Lastkahn mit dem Buckelwal an Bord in Bewegung. Experten des Meeresmuseums Stralsund warnen davor, das verletzte Tier im Meer rauszulassen. Es könnte demnach ertrinken.
29. April: Schlepperverband passiert Fehmarn
Der Schlepperverband, bestehend aus dem Lastkahn mit dem Buckelwal, der "Fortuna B" und der "Robin Hood", passiert Fehmarn (Kreis Ostholstein) und die dänische Insel Lolland.
1. Mai: Hohe Welle machen Transport schwierig
Der Konvoi muss am Freitagmorgen aufgrund hoher Wellen vor der Nordspitze von Dänemark seine Reise stoppen. Am Nachmittag wird die Barge geflutet und das Sicherungsnetz entfernt.
2. Mai: Wal verlässt Transportdock
Um etwa 8.45 Uhr am Sonnabend verlässt der Wal nach den Angaben von Geldgeberin Walter-Mommert den Lastkahn - im Skagerrak, dem nordöstlichen Teil der Nordsee. Drohnenbilder zeigen kurz nach 9 Uhr am Vormittag ein leeres Trockendock. Wo sich der Wal aufhält und wie es ihm geht ist erstmal nicht klar. Informationen zu Daten eines Senders, den die private Initiative nach einen Angaben an dem Tier befestigt hat, gibt es zunächst nicht.
3. - 10. Mai : Geldgeber sprechen von "nicht abgestimmten Handlungen"
Nachdem der Buckelwal das Schwimmdock verlassen hat, kritisierten die Geldgeber Karin Walter-Mommert und Walter Gunz die Aktion. Sie sprechen von "nicht abgestimmten Handlungen" - und dass die Eigner und Betreiber der "Fortuna B" und der "Robin Hood" "etwaige Konsequenzen" zu tragen hätten. Ein Vorwurf lautet, die Crew habe das Tier verletzt. Eine der Tierärztinnen an Bord, Kirsten Tönnies, kritisierte, die Besatzung des Schleppers habe Teile der Rettungsinitiative ausgeschlossen. Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs "Robin Hood" teilt mit, dass die Freisetzung in Abstimmung mit dem Walexperten Foster erfolgt sei. Das Tier sei zuvor durch den Seegang wiederholt gegen die Wände der Barge gestoßen. Auch von "vielen riskanten Manövern" während des Transports ist die Rede. Auch die Anwälte der Reederei betonten, durch den hohen Seegang habe sich der Wal an den Längsschotten der Barge Kratzer zugezogen. Die Initiative teilt mit, der am Wal angebrachte Tracker sende Signale.
14. Mai: Toter Wal vor dänischer Insel Anholt gestrandet
Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal gestrandet, meldet eine Nachrichtenagentur unter Berufung der dänischen Umweltbehörde. Das Tier liegt etwa 75 Meter vor der Küste und sei bereits seit einiger Zeit tot, heißt es weiter. Experten nehmen Gewebeproben, um zu prüfen, ob es sich dabei um den ausgesetzten Buckelwal handelt. Ein Tracker wird zunächst nicht gefunden.
16. Mai: Das tote Tier ist identifiziert
Dänische Behörden bestätigen: Es handelt sich um den ausgesetzten Buckelwal. Taucher und eine deutsche Tierärztin entdecken bei einem Tauchgang den Tracker an dem Tier. Die Seriennummer des Senders stimmt demnach mit der Nummer des Senders überein, den die Initiative angebracht hatte. Es sei nicht geplant, den Wal-Kadaver zu entfernen, teilen die Behörden zunächst mit.
19. und 20. Mai: Kadaver soll obduziert werden
Die dänischen Behörden wollen den Kadaver nun doch bergen und eine Obduktion ermöglichen. Erste Transportversuche auf das dänische Festland scheitern.
30. Mai: Kadaver wird an Land gebracht
Auf der dänischen Insel Anholt wird der Kadaver an Land gebracht.
4. Juni: Obduktion beginnt, Wal war Weibchen
Dänische Wissenschaftler und Tierärzte beginnen mit der Obduktion des Wals. Sie wollen herausfinden, woran das Tier gestorben ist. Dafür entnehmen sie Organe und andere Körperteile und transportieren sie mit großen Containern in ein Labor. Fest steht aber sofort: das Tier war nicht männlich, wie immer angenommen. Es war ein Weibchen.
9. Juni: Einige Knochen kommen ins Museum nach Kopenhagen
Nach der Obduktion und dem Transport von Teilen des Buckelwals auf das Festland werden die Überreste des Tieres in einer dänischen Fabrik verwertet. Manche Knochen des Tieres kommen in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen.
12. Juni: Tracker lieferte bis zum 7. Mai Daten
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) stellt die Auswertung des Senders vor, der am Buckelwal befestigt war. Das Tier lebte demnach bis zum 6. oder 7. Mai. Danach sei er mehr oder weniger gedriftet beziehungsweise das Signal sei abgebrochen. Bis zu seinem Tod hatte der Buckelwal Backhaus zufolge etwa 215 Kilometer zurückgelegt. Der Tracker hatte Backhaus zufolge bis zum 7. Mai Daten geliefert, darunter Wassertiefe, Temperaturen, Bewegungsabläufe und Geschwindigkeit.