Traumhaus durch Soziallotterie - Scam oder echte Chance?
Ein Reetdachhaus auf der Nordseeinsel Föhr oder auf Amrum, ein Friesenhaus in Sankt Peter-Ording: Mit solchen Gewinnen locken sogenannte Soziallotterien. Doch das Konzept wirft Fragen rund um Transparenz und Verbraucherschutz auf.
Als sie zum ersten Mal den Gartenweg lang geht, am Friesenwall vorbei, ist das Ganze für sie noch gar nicht greifbar. Sie kommt gar nicht mehr aus dem Staunen heraus: Ein großes Reetdachhaus direkt am Strand auf der Nordseeinsel Föhr (Kreis Nordfriesland). Ein Traum, den viele haben.
Gewinnerin kommt aus Berlin
Für Antje aus Berlin ist genau dieser Traum wahr geworden: Sie hat bei einer Verlosung eine Reetdachvilla auf Föhr gewonnen. Der Anbieter: Omaze, eine Soziallotterie, die Sachpreise verlost und gleichzeitig Spenden für gemeinnützige Organisationen sammelt. Eine andere Soziallotterie verlost gerade ein Haus auf der Nachbarinsel Amrum.
Soziallotterie - Was Gutes tun beim Lotto spielen?
Sogenannte Soziallotterien wie Omaze oder traumhausverlosung.de sind verpflichtet, einen gewissen Prozentsatz ihrer Spielsumme an gemeinnützige Organisationen und Vereine auszuschütten. Der Höchstgewinn ist dabei vorgeschrieben: Er darf drei Millionen Euro nicht übersteigen.
Klare Regeln für Soziallotterien
In einem Merkblatt hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, die gesetzlichen Vorgaben für Soziallotterien zusammengefasst. Die GGL überwacht deren Einhaltung: Danach muss die Gewinnsumme mindestens 30 Prozent der Spielsumme betragen. 30 Prozent gehen an wohltätige Zwecke. Die Lotteriesteuer beträgt 16,7 Prozent. Der Rest sind Ausgaben für Marketing und Betriebskosten.
Konzept über positive Nachrichten
Omaze sieht sich selbst als ein Entertainment-Unternehmen, sagt der Geschäftsführer von Omaze Deutschland, Nico O´Neill. Das Konzept: Menschen nicht über das schlechte Gewissen zum Spenden zu motivieren, sondern über positive Neuigkeiten und Entertaiment zum Mitmachen zu bewegen.
Lospakete oder Abos
Dabei gibt es bei den Anbietern solcher Lotterien zwei Möglichkeiten, an der Ziehung teilzunehmen. Es gibt Lospakete, die man einmalig kauft. Das günstigste Paket für derzeit zehn Euro. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, ein Abo abzuschließen. Das günstigste Abo liegt dabei ebenfalls bei zehn Euro monatlich, hier wandern dann 16 bzw. 21 Lose pro Monat in den Topf.
Verbraucherschützer kritisieren Abo-Modelle
Michael Herte vom Verbraucherschutz sieht gerade das Abo-Modell kritisch: "Also, das ist schon echt tückisch und ich finde es richtig schade, wenn Leute in solche Abofallen tappen. Und da bemühen wir uns auch, die da mit Kräften rauszuholen."
Warum das Haus besser funktioniert als der Scheck
"Glücksspiel ist ein faszinierendes Phänomen für viele Menschen, weil es erlaubt zu träumen", sagt Ulrich Schmidt, Professor für Volkswirtschaftslehre. Er forscht schon seit mehr als 20 Jahren zum Thema Glücksspiel.
Das heißt, man hat eventuell seinen grauen Alltag, aber kann sich immer vorstellen, dass das Leben dann irgendwann mit einem Schlag ganz anders wird. Prof. Ulrich Schmidt
Verführerisch ist aus seiner Sicht bei Soziallotterien vor allem: Man könne nicht nur von seinem Gewinn träumen, von seinem Traumhaus, sondern man tue gleichzeitig etwas Gutes. "Und Menschen tun auch gerne was Gutes. Also, sie fühlen sich dann auch besser, wenn sie was Gutes tun", erklärt Schmidt.
Der Traum vom eigenen Haus
Auch Gewinnerin Antje formuliert den Grund für ihre Teilnahme an der Soziallotterie so: "Ich wollte schon immer ein Haus haben. Also das war mein größter Traum, ein eigenes Grundstück, eigenes Haus am Strand." Und gleichzeitig sei vor allem der soziale Aspekt der Lotterie ein ausschlaggebender Punkt für sie gewesen, mitzumachen.
Kritik vom Verbraucherschutz
Soziallotterien dieser Art sind rechtlich erlaubt und reguliert durch die GGL. Deswegen versteht der Verbraucherschützer Herte sie auch nicht als Irreführung für die Verbraucher generell. Dennoch sagt er: "Wenn die Ziehung gelaufen ist und ich leider das Haus mit dem Auto und dem Geld nicht gewonnen habe, dann kann ich mir immer noch sagen, 'Mensch, aber wenigstens habe ich etwas für einen guten Zweck daher gegeben, wenn es auch nur ein überschaubarer Teil des Preises ist und auch das ist so etwas, wo ich einfach mal das Gefühl habe, das grenzt schon an Selbstbetrug" , sagt der Verbraucherschützer.
Gewinnchancen nicht transparent
Zusätzlich kritisiert Herte, dass die Gewinnchancen, selbst wenn diese transparent öffentlich einsehbar seien, für den Menschen nicht greifbar sind. "Ich weiß ja auch nicht, wie viele Lose bis zum Schluss der Veranstaltung, bis zur Ziehung, dann verkauft werden. Und tja, so richtig transparent ist das nicht", so Herte.
Wie waren die Gewinnchancen bei der Föhrer Strandvilla?
Die Gewinnchancen hängen davon ab, wie viele Los-Pakete gekauft werden. Einzel-Lose werden nicht verkauft. Bei der Ziehung der Strandvilla auf Föhr haben laut Veranstalter etwa 12,3 Millionen Lose teilgenommen. Daraus ergeben sich folgende Gewinnwahrscheinlichkeiten, die aber erst im Nachhinein veröffentlicht werden:
Anzahl Lose im Paket - Chance
Paket mit 70 Losen - 1:176.000
Paket mit 50 Losen - 1:246.400
Paket mit 20 Losen - 1:616.000
Beim Lotto 6aus49 stehen die Chancen auf den Hauptgewinn bei 1:139.838.160
Zwischen Berlin und Föhr
Der große Traum vom Neuanfang ist für Antje wahr geworden. Und jetzt? Direkt hinziehen, sagt sie, das werde schwierig: Zu viel müsse noch in der Heimat geklärt werden. Das Haus soll erstmal Feriendomizil sein. Viele Dinge, wie die Kosten für den Unterhalt eines solchen Hauses, sind für die frischgebackene Millionärin noch nicht klar. Eins weiß sie jedoch sicher: Perspektivisch möchte sie auf der Insel leben und auch dort arbeiten, am liebsten in der Pflege - auch das sei schon immer ihr Traum gewesen.