Tauchen in Schleswig-Holstein: Das sind die schönsten Spots
Die Küstengewässer der Ostsee bieten sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Taucher spannende Möglichkeiten. Vom Einstieg am Strand bis zum Wracktauchgang ist alles möglich.
Die Ostsee vor Schleswig-Holstein bietet vielleicht nicht die Sichtweiten der Karibik, dafür aber eine ganz eigene, faszinierende Unterwasserwelt voller Überraschungen. Und das direkt vor der Haustür.
Während die Nordsee aufgrund der starken Tiden nur für speziell ausgebildete Taucher zu empfehlen ist, bietet die Ostsee ideale Bedingungen für alle Erfahrungsstufen. Vereinzelt kann auch in den Seen des Landes getaucht werden, doch das wahre Leben spielt sich an den Küsten ab. Wir haben eine Auswahl der besten Tauchspots für Anfänger und Fortgeschrittene zusammengestellt.
Strande - Der Klassiker für Tauch-Einsteiger
Gut geschützt zwischen dem Strander und dem Schilkseer Hafen liegt ein bei vielen Kieler Tauchern beliebter Tauchplatz. Dieser Spot ist besonders bei Tauchschulen beliebt, da er optimale Bedingungen für Ausbildungstauchgänge bietet. Der Einstieg ist direkt vom Strand aus möglich.
Das Besondere an Strande sind die vielfältigen Unterwasserlandschaften: Von ausladenden Seegraswiesen über große Steine an den Außenmauern der Hafenkanten. Hier lassen sich besonders viele Fische beobachten. Plattfische buddeln sich gerne in den Sandboden zwischen den Muschelbänken ein. Vor allem bietet der Tauchplatz aber wenig Risiko und damit sichere Bedingungen für den Einstieg ins Tauchen.
Betonschute Hohenhain - Das bunte Wrack vor Schwedeneck
Die Betonschute vor Schwedeneck in der Eckernförder Bucht ist ein guter Tipp für Taucher aller Erfahrungsstufen. Das Besondere an diesem Tauchplatz: Die Betonschute ist eines der wenigen direkt vom Strand aus betauchbaren Wracks in der Region. Denn es liegt nur etwa 500 bis 800 Meter vom Land entfernt. Wer es bequemer haben möchte, kann sich ein kleines Boot leihen.
Aber Vorsicht: das Wrack ragt teilweise bis auf 1,5 Meter unter die Oberfläche auf. Inzwischen hat sich die Natur die Überreste vollständig zurückerobert. Die Schute ist in den Sommermonaten farbenfroh überwuchert. Die Fischwelt verändert sich mit den Jahreszeiten: Während im Frühjahr Seehasen anzutreffen sind, bevölkern ab dem Frühsommer zahllose Klippenbarsche das Wrack, begleitet von Grundelschwärmen und vereinzelten Dorschen.
Fehmarn - Katharinenhof und Westermarkelsdorf
Die Sonneninsel Fehmarn zählt ebenfalls zu den herausragenden Tauchgebieten in der Ostsee. Kommt der Wind aus West, fährt man nach Katharinenhof. Hier erstreckt sich eine üppige Unterwasserlandschaft mit riesigen Findlingen, an denen sich die Ostsee-Flora und -Fauna tummelt.
Bei Ostwind empfiehlt sich Westermarkelsdorf. Das Wasser hier ist selten tiefer als 3 bis 4 Meter. Beachten sollte man jedoch, dass das Vogelschutzgebiet bei Westermarkelsdorf auch für Taucher gesperrt ist.
Dahme - Über den "Schwarzen Grund"
Der Tauchplatz in der Nähe des Leuchtturms hat seinen Spitznamen "Schwarzer Grund" von den vielen Miesmuscheln. Die Schalentiere überziehen den Boden beinahe lückenlos und lassen ihn daher fast schwarz erscheinen. Die leichte Strömung sorgt für einen besonderen Fischreichtum: Klippenbarsche, Skorpionfische, Aalmuttern, Steinpicker und Butterfische sind hier zu Hause. Wo die Algen weniger dicht wachsen, können beim Tauchen außerdem interessante Lehmformationen und Mergelbänke bewundert werden.
Brodtener Ufer - Vielfalt unter Wasser
Das Brodtener Ufer besticht durch seinen außergewöhnlich abwechslungsreichen Unterwasserlebensraum. Taucher erwartet hier ein faszinierenden Mix aus mit Algen bewachsenen Steinformationen und wechselnden Sandbänken, die bei guter Sicht ein beeindruckendes Bild abgeben.
Der Meeresgrund zeigt sich besonders artenreich: Muscheln, Schnecken und Strandkrabben besiedeln das Gebiet in großer Zahl. Die Fischwelt ist ebenso vielfältig - von Heringen und Sandgrundeln über Barsche und Aale bis hin zu Aalmuttern, Hornhechten und Schollen findet hier eine breite Palette heimischer Arten ihren Lebensraum. Immer wieder ragen mächtige Findlinge aus dem Grund empor, während sich stellenweise malerische Seegraswiesen ausbreiten. Je weiter man sich vom Ufer entfernt, desto mehr weicht die steinige Struktur einem sandigen Meeresboden.
Professionelle Ausbildung ist ein Muss
Wer das Tauchen erlernen möchte, findet in Schleswig-Holstein eine ausgezeichnete Infrastruktur. Entlang der Küste gibt es eine Vielzahl von Tauchbasen und Tauchschulen. Der VDST (Verein Deutscher Sporttaucher) Schleswig-Holstein vereint etwa 2.400 bis 2.500 organisierte Taucher in rund 30 Vereinen.
Wichtig ist auf eine hohe Qualität der Ausbildung zu achten. "Der leichte Weg kann ganz schnell in die Kiste führen", warnt Wolfgang-Dieter Glanz, der Erste Vorsitzende des VDST Schleswig-Holstein, vor den Gefahren des Tauchsports. Deshalb setzen die Vereine auf höchste Sicherheitsstandards und professionelle Ausbildung. Tauchlehrer haben eine ständige Fortbildungspflicht und müssen alle vier Jahre zum Check.
Besonderheiten der Ostsee
Die Tauchgebiete in der Ostsee weisen je nach Lage unterschiedliche Eigenschaften auf. Ausschlaggebend dafür ist der Salzgehalt des Wassers. Je höher der Salzgehalt, desto mehr maritimes Leben ist zu finden - deshalb ist die nördliche Ostsee für Taucher besonders interessant.
Die beste Sicht und annehmbare Wassertemperaturen kann man im Frühjahr oder im Herbst erwarten. Im Sommer ist das Wasser auf Grund der Algenblüte in der Regel trüber. Aber auch Wetter und Windrichtung spielen für die Sicht unter Wasser eine Rolle. So können sich die Bedingungen von Tag zu Tag stark unterscheiden.
Tauchspot abseits der Küste: Plöner See
Fern von Wellen und Brandung wartet ein völlig anderes Erlebnis auf Taucher: Mitten im Landesinneren bietet der Plöner See (Kreis Plön) eine stille, oft unterschätzte Alternative zur Ostsee. Immerhin bis zu 56 Meter Tauchtiefe hat der Plöner See zu bieten. Beste Jahreszeit für Tauchgänge: der Winter. "Die Sicht ist am schönsten im Winter", findet Tauchlehrer Sascha Wiesner: "Im Sommer haben wir eine ganze Menge Algenblüte. Im Mai beginnt das Wasser grün zu werden."
Wiesner betreibt eine kleine Tauchschule. Im Winter trifft er sich mit einigen abgehärteten Kolleginnen und Kollegen für See-Tauchgänge bei Minusgraden. Unter der Wasseroberfläche teilen sich Tiere ihre Lebenswelt mit Schrott aus der Zivilisation - machen aus Gegenständen wie Körben und Fahrrädern skurrile Kunstwerke. Die Ruhe unter Wasser weiß Wiesner besonders zu schätzen: "Da ist keiner, da redet keiner, da ist kein Handy - da ist man mit sich selbst und kann abschalten."
Nachhaltiges Tauchen für die Zukunft
Ein wichtiges Motto unter Tauchern lautet: "Tauche wie dein Schatten: Hinterlasse keine Spuren." Dieser verantwortungsvolle Umgang mit der Unterwasserwelt wird immer wichtiger, da sich die Bedingungen in der Ostsee über die Jahre verändert haben. Umso wichtiger ist es, dass jeder Tauchgang zu einem bewussten Erlebnis wird - einem Moment, in dem man die noch vorhandene Schönheit der Unterwasserwelt in vollen Zügen genießt.