Ein Jäger hält in seinem Jagdrevier eine Jagdwaffe auf einem Hochsitz.
AUDIO: Nachrichten 18:00 Uhr - 27.08.2026 (5 Min)

Landesjagdrecht: Jagd auf Wölfe und Nutrias soll erleichtert werden

Stand: 27.08.2026 18:11 Uhr

Der Entwurf für ein neues Landesjagdgesetz sieht vor, die Regeln zu lockern - etwa für Wölfe und Nutrias. Laut Grünen-Politikerin Backsen wird die sogenannte anlasslose Bejagung von Wölfen die Risszahlen allerdings nicht unbedingt senken.

von Anne Passow

Nach dem Willen der Landesregierung sollen Wölfe und Nutrias in Schleswig-Holstein einfacher gejagt werden dürfen. Ein Gesetzentwurf für ein neues Landesjagdgesetz der Landtagsfraktionen von CDU und Grünen sieht vor, die Jagdregeln zu lockern.

Hintergrund: Der Bund hatte den Wolf im März ins Bundesjagdrecht aufgenommen, nachdem der Schutzstatus des Wolfes auf europäischer Ebene herabgestuft worden war. Der Wolf kann nun in der Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Oktober nach bestimmten Vorgaben einfacher gejagt werden. "Wir müssen unser Landesjagdgesetz an diese neue Rechtslage anpassen", sagte Rixa Kleinschmit, die umweltpolitische Sprecherin der CDU.

Weidetiere schützen - Deiche schützen

Bei der geplanten Änderung geht es darum, Weidetiere im Land zu schützen. Niemand stelle infrage, dass der Wolf in Schleswig-Holstein wieder seinen Platz habe, sagte Kleinschmit. "Aber Weidetiere sind auch Tiere. Unsere Nutztiere sind die Grundlage unserer heimischen Landwirtschaft." Es gehe auch um Küstenschutz, also darum, die Schafe zu schützen, die die Deiche stabil halten.

Was soll sich ändern?

"Managementplan" für Wölfe

Cornelia Schmachtenberg (CDU), Landwirtschaftsministerin
Ministerin Schmachtenberg drückt bei "Managementplänen" aufs Tempo.

In der Vergangenheit hatte es wiederholt den Fall gegeben, dass Wölfe Nutztiere in Schleswig-Holstein gerissen hatten. Nach welchen Regeln ein Wolf geschossen werden darf, soll künftig in sogenannten Managementplänen festgeschrieben werden. Daran arbeite man aktuell, sagte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). "Die werden wir dieses Jahr noch vorlegen."

Die Rückkehr des Wolfes stellt uns auch vor Herausforderungen. Deshalb gibt es immer einen Ausgleich zwischen Landnutzung und Naturschutz oder Artenschutz. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU)

Bejagung von Nutrias soll einfacher werden

Und auch für die Bejagung von Nutrias sollen andere Regeln gelten. Sie breiten sich in Schleswig-Holstein rasant aus und verursachen laut Landesjagdverband Schleswig-Holstein schwere Schäden an Deichen, Ufern sowie in der Landwirtschaft und gelten als invasive Art. Deshalb soll die Bejagung von Nutrias, auch der Elterntiere, ganzjährig ermöglicht werden, vor allem um Deiche und Hochwasseranlagen besser zu schützen.

Redmann: Nicht jedes Mittel ist richtig

In der Debatte kritisierte Sandra Redmann (SPD), es gebe nicht genügend Daten zu den Schäden, die Wolf und Nutria verursachen. "Aus 'invasiv' folgt doch nicht automatisch: 'Jedes Mittel ist richtig'", sagte sie. Es gehe um das Spannungsverhältnis zwischen notwendigem Bestandsmanagement und Tierschutz.

Backsen: Gefahr durch Zerstörung der Rudelstruktur

Die anlasslose Bejagung von Wölfen senke die Risszahlen bei Weidetieren nicht unbedingt, sagte Silke Backsen (Grüne). "Das ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, und mehrere Studien ziehen das in Zweifel." Die anlasslose Bejagung könne auch durch die Zerstörung von Rudelstrukturen zu mehr Rissen führen - insbesondere beim Abschuss der Elterntiere und einer großen Unsicherheit bei den Welpen.

Schunck: Bestand nicht gefährden

Anne Rieke (FDP) bezeichnete den Gesetzentwurf als "Schritt in die richtige Richtung". Es komme jetzt darauf an, "dass aus diesen gesetzlichen Möglichkeiten auch konsequentes Handeln wird." Michael Schunck (SSW) betonte, der Wolf werde mit der Gesetzesänderung kein Freiwild. "Wir sind verpflichtet, den Bestand nicht zu gefährden." Das müsse bei den zu erstellenden Managementpläne berücksichtigt werden, so Schunck.

Der Gesetzentwurf kommt als nächstes auf die Agenda des Umwelt- und Agrarausschusses. Dort werden sollen Experten zu den Themen gehört werden.

Brauner Nutria sitzt in einer Pfütze.

Dafür stellt die Regierung 50.000 Euro bereit. Mit dem Geld sollen unter anderem Deiche vor Schäden geschützt werden.

Ein Wolf blickt nach links.

Der Bundestag hatte die Aufnahme ins Jagdrecht bereits beschlossen. Der Umgang mit dem Wolf ändert sich damit grundsätzlich.

Ein Nutria sitzt am Ufer einer Badestelle am Ratzeburger See.

Allein in Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr laut Landesjagdverband rund 7.400 Tiere der invasiven Art erlegt worden.

Ein junger Marderhund in der Wiese.

Waschbär, Nutria und Marderhund fühlen sich in SH immer wohler. Doch ihre Ausbreitung gefährdet heimische Arten und Deiche.

Brauner Nutria sitzt in einer Pfütze.

Die Tiere breiten sich immer mehr aus. Der Bodenverband wünscht sich festangestellte Jäger.

Ein Wolf blickt nach links.

Schon seit längerem ist der Wolf zurück in Südholstein. Zuletzt gab es mehrere Risse im selben Gebiet. Ein Experte ist darüber nicht überrascht.

Ein Lamm auf dem Rücken eines Schafs.

Am Freitagmorgen fanden zwei Schäfer drei Lämmer und vier Mutterschafe tot und schwer verletzt auf ihren Weiden.

Ein europäischer Wolf steht in einem Waldstück.

Nach Angaben des Kreises Schleswig-Flensburg gibt es bislang keine Hinweise auf Risse oder Schäden durch die Tiere.

Eine Schaafmama steht mit ihren beiden Lämmern auf einer wiese in Eiderstedt (Nordfriesland).

In Seeth, Ramstedt und St. Annen wurden Schafe gerissen. Ob es ein Wolf war, ist noch unklar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.08.2026 | 18:00 Uhr

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