Klimadeich an der Ostsee: Das ist in Behrensdorf geplant

Stand: 24.07.2026 20:42 Uhr

In Behrensdorf entsteht ein sogenannter Klimadeich - dieser soll besser vor Sturmfluten schützen. Am Freitag wurde der Förderbescheid überreicht, mit dem die Planungen starten können. Bis er fertig ist, wird es aber noch dauern.

von Thomas Viet Dang

Nur knapp entging die kleine Gemeinde Behrensdorf im Kreis Plön damals einer Katastrophe: Bei der Ostsee-Sturmflut im Oktober 2023 stieg das Wasser bis kurz unter die Deichkrone, erinnert sich Bürgermeister Hans-Rudolf Osbahr (CDU): "Glücklicherweise hat der Deich noch gehalten. Nur der Strandwall wurde durchbrochen."

Er ist sich sicher: Der Deich wird durch den steigenden Meeresspiegel in Zukunft nicht mehr ausreichen. "Unser bisheriger Deich liegt bei etwa 2,60 Meter - das ist entschieden zu wenig." Das soll sich jetzt ändern.

Deich wandert weg vom Wasser ins Landesinnere

In Behrensdorf wird nämlich ein neuer Deich errichtet - ein sogenannter Klimadeich. Der alte Deich wird also nicht einfach höher gebaut, sondern es entsteht ein komplett neuer. Anders als bisher verläuft dieser nicht entlang der Küstenlinie, sondern wird landeinwärts vor den Toren der Gemeinde hochgezogen, teilt das Umweltministerium Schleswig-Holstein mit. So sollen die rund 70 akut betroffenen Anwohnenden sowie der Campingplatz besser vor Sturmfluten geschützt werden, heißt es.

Zukünftig mehr Platz für die Ostsee

Den bisherigen Vorplanungen zufolge soll der neue Klimadeich mit rund vier Metern deutlich höher werden als bisher. Gleichzeitig werde er wegen der Lage im Landesinneren viel kürzer werden, erklärt das Ministerium. Statt drei wird er nur noch einen Kilometer lang sein. Gleichzeitig werde durch den neuen Verlauf der Ostsee mehr Raum gelassen, heißt es. Wellen würden dadurch stark abgebremst, ehe sie auf den Deich treffen.

Ein Klimadeich gewährleistet auch dann noch den Schutz, wenn der mittlere Meeresspiegel um einen Meter höher steht als heute. Umweltministerium Schleswig-Holstein

Außerdem werde der Deich ein Spitzenschöpfwerk erhalten, um bei häufiger auftretendem Starkregen das Hinterland entwässern zu können. Und auch das Naturschutzgebiet mit seinen Salzwiesen, die bisher hinter dem Deich lagen, soll sich mit der neuen Deichlage und möglichen Überflutungen wieder natürlich entwickeln können.

Planungsphase kann jetzt starten

Es ist laut Umweltministerium der erste Landesschutzdeich in Schleswig-Holstein, der nach der Ostsee-Sturmflut vor fast drei Jahren entsteht. Küstenschutz-Staatssekretärin Katja Günther (Grüne) hat dafür am Freitag einen Förderbescheid über 342.000 Euro an Vertreter des Deichverbands Kemps-Behrensdorf und der Gemeinde überreicht.

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Staatssekretärin Katja Günther (2. v.l.) hat den Förderbescheid an Vertreter des Deichverbands und Bürgermeister Hans-Rudolf Osbahr (rechts) übergeben.

Damit können jetzt die nötigen Planungsarbeiten starten, freut sich Bürgermeister Behrensdorf. "Wir sind alle sehr froh in der Gemeinde. Das ist der höchstmögliche Schutz", betont er.

Baustart des Deichs spätestens 2030

Auch für den späteren Bau kommt das Land auf. Das Umweltministerium geht auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein aktuell von rund 15 Millionen Euro Kosten für den neuen Landesschutzdeich aus. Die Mittel werden aus dem Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" stammen. Die genauen Kosten könnten aber erst nach den konkreten Planungen ermittelt werden, heißt es weiter. "Aktuell wird der Baustart spätestens im Jahr 2030 erwartet", so eine Sprecherin. Auch wie lange gebaut wird, würden erst die Planungen zeigen.

Eine Luftbildaufnahme eines Deiches

Der Regionaldeich in Behrensdorf soll zukunftssicher gemacht werden. Es entsteht ein sogenannter Flügeldeich.

Land übernimmt zukünftig den Küstenschutz

Nach der Fertigstellung wird zukünftig das Land den Küstenschutz im Bereich der Gemeinde übernehmen. Der bisherig zuständige Deichverband Kembs-Behrensdorf werde dann aufgelöst, erklärt ihr Vorsitzender Jörg Dittmann.

Bis dahin bleibe der Verband bei den Planungen aber mit im Boot. Neben dem Verband sind auch die Gemeinde, der Landesbetrieb für Küstenschutz, der NABU Schleswig-Holstein und weitere Akteure involviert. Es sei ein ambitioniertes Vorhaben, sagt Dittmann. "Wir werden Kompromisse finden müssen, aber ich sehe da positiv in die Zukunft." Für den örtlichen Verband, so Dittmann, sei es zuletzt aufgrund der Sturmfluten immer schwieriger geworden, den Deich zu unterhalten.

Auch anderenorts in SH laufen Planungen

Auch in den weiteren sieben Niederungen an der Ostseeküste, die für einen Landesschutzdeich grundsätzlich in Frage kommen, haben laut einer Sprecherin des Umweltministeriums Planungen begonnen. Zurzeit würden die Kommunen und Verbände Hochwasserschutzkonzepte erarbeiten - sie sind die Grundlage, um Küstenschutzmaßnahmen zu planen und fördern zu lassen.

Die Umsetzung werde vielerorts aber noch Jahre dauern, heißt es weiter. Die Schwierigkeit sei es, die unterschiedlichen lokalen Interessen der Betroffenen unter einen Hut zu kriegen, erklärt die Sprecherin. Wie teuer diese Maßnahmen am Ende werden und wann die Ostsee-Kommunen ausreichend vor Sturmfluten geschützt sein werden, sei deshalb noch nicht absehbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 24.07.2026 | 19:30 Uhr

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