Hallenbäder in SH: Millionenbedarf und ungewisse Zukunft
Millionendefizite, Sanierungsstau und fehlende Daten: Schleswig-Holsteins Kommunen ringen um die Zukunft ihrer Hallenbäder.
Ein Schwimmbad kann jahrzehntelang funktionieren - bis Lüftung, Wasseraufbereitung oder Steuerung ausfallen. Im Erlebnisbad Leck (Kreis Nordfriesland) ist genau das die Sorge. Das Hallenbad ist mehr als 50 Jahre alt, für Teile der Technik gibt es laut Bürgermeister Andreas Deidert (CDU) inzwischen keine Ersatzteile mehr.
Das Bad muss saniert werden. Die Gemeinde Leck rechnet für die geplanten Maßnahmen mit rund 14 Millionen Euro und wartet auf eine Entscheidung über Fördermittel. Aufgrund der angespannten Haushaltslage könne Leck die Sanierung ohne Fördermittel nicht stemmen, so Deidert.
Wie lange können sich Kommunen noch Schwimmbäder leisten?
Schon jetzt hat das Hallenbad in Leck einen hohen Zuschussbedarf: Zwischen 2020 und 2024 lag er nach Angaben der Stadtwerke Nordfriesland zwischen rund 470.000 und 612.000 Euro. Wegen gestiegener Energiekosten kann das Defizit in den nächsten Jahren weiter steigen.
Ähnlich sieht es in Heide (Kreis Dithmarschen) aus: Die Dithmarscher Wasserwelt verursacht jährlich ein Defizit von knapp zwei Millionen Euro. Das Bad ist in der Grundsubstanz ebenfalls mehr als 50 Jahre alt. Eine umfassende Sanierung hält die Stadt deshalb nicht mehr für sinnvoll. Diskutiert wird ein kleinerer Neubau und die umliegenden Gemeinden mit ins Boot zu holen - etwa über einen Zweckverband.
Kommunen kämpfen mit hohen Kosten
"Die Kommunen haben es immer schwerer, die Bäder aufrechtzuerhalten", sagt Philip Schüller vom Städteverband Schleswig-Holstein. Neben den Betriebs-, Personal- und Instandhaltungskosten würden auch notwendige Investitionen immer teurer. Einzelne Förderprogramme können notwendige Sanierungen finanzieren, lösen aber nicht das strukturelle Problem der dauerhaft hohen Betriebs- und Personalkosten.
Wie viele Bäder betroffen sind, weiß niemand genau
Auch die Landesregierung kann nicht sagen, wie viele Schwimmbäder in Schleswig-Holstein vor ähnlichen Problemen stehen. Die letzte landesweite Datengrundlage zur Bäderstruktur stammt aus dem Jahr 2016. Eine Bewertung des aktuellen Zustands und der Zukunft der Schwimmstätten sei wegen fehlender umfassender Daten nicht möglich, heißt es in der Antwort der Landesregierung vom 29. April 2026 auf eine Große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion.
Ende des Jahres soll laut schleswig-holsteinischem Innenministerium deshalb eine neue Abfrage starten. Erfasst werden sollen unter anderem Baujahr, Sanierungsmaßnahmen, Kosten und Schließungen. Einen Hinweis auf die Entwicklung liefert die Arbeitsgemeinschaft Bäder Schleswig-Holstein: Nach ihrer Datenlage sank die Zahl öffentlich zugänglicher Hallen-, Kombi- und Freizeitbäder innerhalb von zehn Jahren von 86 auf 57 - also um rund ein Drittel.
DLRG sieht Probleme für Schwimmkurse
Fehlende Hallenbäder sind laut des schleswig-holsteinischen Landesverbands der DLRG ein großes Problem: Die Situation bei den Wasserzeiten ist angespannt. Schulen, Vereine, private Anbieter und der öffentliche Badebetrieb konkurrieren an vielen Orten um dieselben Kapazitäten. In einigen DLRG-Ortsgruppen seien die Wartelisten für Schwimmkurse inzwischen auf bis zu zwei Jahre angewachsen.
DLRG-Landesgeschäftsführer Ken Blöcker bringt die Folgen so auf den Punkt: "Ohne Wasserfläche findet keine Ausbildung statt - so einfach ist das." Wenn ein Hallenbad schließe, seien deshalb nicht nur Schwimmkurse betroffen, sondern auch das Schulschwimmen und die Ausbildung von Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern.
"Es ist ein flächendeckendes Problem", sagt auch Torben Kablau, Vorsitzender der AG Bäder Schleswig-Holstein. Es gebe bereits sogenannte weiße Flecken, in denen es kein Hallenbad gibt. Teilweise dauere die Fahrt zum nächsten Schwimmbad 40 bis 45 Minuten.
Investitionsbedarf geht in die Hunderte Millionen
Wie groß der Investitionsbedarf ist, zeigt das jüngste Förderprogramm des Landes: Schleswig-Holstein stellt in diesem Jahr 25 Millionen Euro für sechs Schwimmstätten bereit. Nach Angaben des Städteverbands wurden dafür jedoch Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro eingereicht - etwa 180 Millionen Euro davon für Hallenbäder.
"Der Landesregierung ist der große Unterstützungsbedarf der Kommunen für Sanierung und Erhalt der kommunalen Schwimmstätten im Land bewusst", teilte Innenministerin Magdalena Finke (CDU) NDR Schleswig-Holstein mit. Gefördert wurden Projekte, bei denen unter anderem zusätzliche Schwimm- oder Schwimmlernflächen entstehen und die bis 2030 umgesetzt werden können. Das Geld stammt aus dem Landesanteil am Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität.
Was eine Schließung des Erlebnisbads in Leck bedeuten würde
Rund 78.800 Besuche verzeichnet das Erlebnisbad nach Angaben der Stadtwerke pro Jahr, darunter Schulen, Vereine und Schwimmkurse. Das Bad versorgt dabei nicht nur Leck, sondern einen Einzugsbereich von rund 40.000 Menschen in Südtondern.
Ausreichende Ausweichmöglichkeiten sehen die Stadtwerke im Umland derzeit nicht. Auch Bürgermeister Deidert bezweifelt, dass die Bäder in Flensburg, Husum oder Niebüll zusätzliche Schulen und Vereine aus Leck aufnehmen könnten. Außerdem wären gerade für das Schulschwimmen längere Fahrzeiten und zusätzliche Buskosten ein großes Problem.
Leck: Gemeinde hofft auf Fördermittel
In Leck hofft die Gemeinde deshalb weiter auf Fördermittel. "Ich glaube, dass sich alle Beteiligten der Tragweite einer Schließung bewusst sind, aber allein spült diese Erkenntnis noch kein Geld in die Kasse der Gemeinde Leck", sagt Deidert. Gleichzeitig würde das Erlebnisbad durch sein Alter an Attraktivität für die Besucher verlieren und dadurch zu einer weiteren Verschärfung der finanzielle Lage führen.