Gegen Regelschmerzen: Neue App von Lübecker Start-up soll helfen
Carina Seliger litt lange unter Regelschmerzen. Als Gründerin des Lübecker Digital-Start-ups "femCycle" will sie nun selbst Betroffene unterstützen: Die App soll helfen, Beschwerden in den Griff zu bekommen - auch bei Endometriose.
Als Carina Seliger aus Lübeck zum ersten Mal ihre Regelblutung bekam, war sie elf Jahre alt. Ihre Mutter musste sie von der Schule abholen, erinnert sie sich: "Ich dachte, ich würde sterben. Als würde mir jemand immer wieder ein Messer in den Bauch rammen." Monat für Monat quälte sie sich durch ihre Regelblutung, erzählt sie - bis vor einigen Jahren eher zufällig bei einer Unterleibs-OP die Ursache für die Schmerzen entdeckt wurde: Endometriose - Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt und außerhalb der Gebärmutter wuchert.
Seliger: Bei Regelschmerzen gibt es Alternativen zur Pille
Damals wurde ihr die Pille empfohlen, um den Zyklus lahmzulegen. Die habe sie jedoch nicht vertragen. Alternativen seien ihr nicht vorgeschlagen worden. "Dann habe ich selber recherchiert und eine Weiterbildung in ganzheitlicher Frauengesundheit gemacht. Und dann erst gemerkt, dass es viele Methoden gibt, um Beschwerden zu lindern."
Forsa-Umfrage: Zwei von drei Frauen leiden unter Menstruationsschmerzen
Sie habe viel experimentiert - heute schwört Carina Seliger auf Yoga, Stretching und eine histaminarme Ernährung ohne Tomaten, Bananen und Kaffee. Dank Bewegung und Ernährungsumstellung seien die Regelschmerzen fast verschwunden. Ihre Erfahrungen brachten die Marketingfachfrau auf die Idee, anderen Betroffenen Wissen gegen Regelschmerzen leichter verfügbar zu machen - mit einer App, die individuelle Vorschläge zur Selbsthilfe liefert. Regelschmerzen sind weit verbreitet: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK leiden zwei von drei Menstruierenden darunter.
Für die Entwicklung der App "femCycle" tat sich Carina Seliger mit Gesundheitswissenschaftlerin Svenja Gallasch und Web- und Software-Entwicklerin Mahja Sarschar zusammen, zwei Jahre lang hat der Weg bis zur fertigen Anwendung gedauert.
App liefert individuelle Vorschläge auf Basis der Angaben
Wer die App nutzt, kann unterschiedlichste Daten festhalten: Die Stimmung, Heißhunger, Unterleibsschmerzen, die Joggingrunde, das Bier von gestern Abend und vieles mehr. Auf Basis dieser Daten und passend zum Zyklusstand macht die Anwendung Vorschläge, was Beschwerden lindern könnte. Sie gibt auch Tipps gegen psychische Verstimmungen, Schlappheit, Müdigkeit sowie Kopf- und Rückenschmerzen.
Dazu liefert "femCycle" Wissen, welche Nährstoffe und welcher Sport in der aktuellen Zyklusphase guttun. Die gesammelten Daten sollen laut Unternehmensgründerin Carina Seliger zusätzlich Frauenärztinnen und -ärzten helfen, Regelschmerzen besser einordnen zu können.
Gynäkologe: "femCycle" hat Potential
Den Termin in der Frauenarztpraxis soll die App nicht ersetzen, sagt Carina Seliger. "Eine ärztliche Behandlung findet in der Regel nicht kontinuierlich statt, sondern ein- bis zweimal im Jahr. Dazu wollen wir parallel digital unterstützen."
Gynäkologe Dr. Thorben Ahrens hat eine Praxis in Bad Schwartau (Kreis Ostholstein), ist auf die Behandlung auf Endometriose spezialisiert. Frauen ausführlich bei Regelschmerzen zu beraten, koste Zeit - die fehle häufig im Praxisalltag, sagt er. "femCycle" hat seiner Meinung nach Potential: "Was in der App empfohlen wird, ist erforscht und findet man auch in den Leitlinien der Fachgesellschaften, um zum Beispiel Endometriose zu therapieren."
Nutzerdaten sind laut Entwicklerinnen sicher
Es gibt bereits Apps gegen Regelschmerzen auf Rezept, dafür braucht es dem Frauenarzt zufolge eine Diagnose - Endometriose beispielsweise. "femCycle" hingegen ist für alle verfügbar, auch das findet Thorben Ahrens gut. Dazu ist die App als "EU-Medizinprodukt" zertifiziert. Heißt: Anders als bei vielen anderen frei verfügbaren Zyklus-Apps wurde unabhängig überprüft, dass die Inhalte wissenschaftlich fundiert sind.
Am "Tag der Frauengesundheit" am 28. Mai kann die App "femCycle" erstmals heruntergeladen werden. In der Pilotphase kostenlos, danach kostet sie nach Unternehmensangaben 10 Euro im Monat. Nutzerinnendaten werden nicht weitergegeben, verspricht Gründerin Carina Seliger. In Zukunft sollen anonymisierte Daten freiwillig für Forschungszwecke freigegeben können - um die Erforschung von Frauengesundheit weiter voranzubringen.