Itzehoe Eagles: Scheitert ein Aufstieg an der Hallengröße?
Sportlich erfolgreich aber ohne Chance auf einen Aufstieg? Die Itzehoe Eagles könnten in die 2. Basketball-Bundesliga aufsteigen. Allerdings gibt es seit Jahren ein Problem - die Halle ist dafür zu klein.
Bei den Itzehoe Eagles ist es Tradition, dass sich die Zuschauer nach dem Tipp-Off erst hinsetzen, wenn die Heimmannschaft ihren ersten Korb erzielt hat. Am vergangenen Wochenende mussten die Fans der Eagles nur rund 40 Sekunden warten. Finn Fleute traf gegen die Hertener Löwen und die rund 600 Zuschauern nahmen auf ihren Sitzen Platz. Die Mannschaft von Trainer Timo Völkerink gewann das Spiel nach zäher erster Halbzeit mit 74:57 am Ende souverän und festige den dritten Tabellenplatz und damit eine gute Ausgangslage mit Blick auf die bevorstehenden Play-Offs.
Sportpolitisches Dilemma
Die Eagles aus dem Kreis Steinburg spielen in der 2. Bundesliga ProB. Vergleicht man die Liga-Zugehörigkeit mit dem Ligen-System im Fußball, spielen sie in Liga Drei. Der Aufstieg in die ProA, die zweite Basketball-Bundesliga, wäre möglich, doch der Verein steht vor einem bemerkenswerten, zugleich frustrierenden sportpolitischen Dilemma. Auf dem Parkett gehört das Team seit Jahren zu den ambitionierten Mannschaften der Liga. Die Eagles spielen konstant oben mit, entwickeln Spieler, arbeiten seriös – und könnten sich sportlich durchaus wieder für höhere Aufgaben empfehlen.
Itzehoe Eagles in der Hallen-Falle
Doch genau an diesem Punkt endet der sportliche Handlungsspielraum. Denn für die ProA setzt der Liga-Verband hohe Maßstäbe für eine mögliche Teilnahme am Spielbetrieb. Neben wirtschaftlichen Voraussetzungen spielt die Halle eine entscheidende Rolle. 2.000 Zuschauer müssen Platz finden. Die derzeit genutzte Lehmwohld-Halle in Itzehoe ist mit bis 700 Plätzen zu klein. Die Kapazität reicht schlicht nicht aus, um die Lizenzauflagen zu erfüllen.
"Ausgeschlossen, dass wir das hier schaffen"
Schon 2020 stand der Club vor derselben Herausforderung. Nach der Ausbreitung des Coronavirus wurde die Saison abgebrochen und Itzehoe wurde als Tabellenerster der Punktrunde das sportliche Aufstiegsrecht in die 2. Bundesliga ProA zugesprochen. Dazu wich man in die Halle in Brokdorf (Kreis Steinburg) aus. 1.500 Zuschauer finden hier Platz. Heute reicht diese Kapazität nicht mehr aus. "Es ist in Itzehoe so, dass wir keine Halle haben, die ProA-tauglich ist. Wir bräuchten eine Halle mit Platz für 2.000 Zuschauer. Die nächste Halle wäre in Neumünster. Es ist also ausgeschlossen, dass wir das hier schaffen", so der Vorstandsvorsitzende der Eagles, Volker Hammbrock, gegenüber dem NDR.
Kein weiteres Geld vom Land
Seit Jahren ist das Hallenproblem bekannt. Ebenso lange wird über Lösungen gesprochen. Eine neue Arena oder zumindest eine deutlich ausgebaute Halle gilt als Voraussetzung, um professionellen Basketball in der Region dauerhaft zu etablieren. Diskutiert wird viel, beschlossen allerdings wenig. Die Gründe sind vielfältig. Ein Hallenneubau ist teuer. Kommunen können solche Projekte kaum allein stemmen. Fördermittel vom Bund und vom Land Schleswig-Holstein wären notwendig, doch auch dort sind die Haushaltslagen angespannt und Prioritäten umkämpft.
"Wir haben uns als Land dazu entschieden, die Gelder aus dem Sondervermögen des Bundes an die Kommunen ohne bestimmte Zweckbindung weiterzugeben. Deswegen können wir als Land nicht noch mehr Geld zur Verfügung stellen", so die Ministerin für Sport in Schleswig Holstein, Magdalena Finke (CDU), im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein.
Ist Spitzensport auf dem Land möglich?
In Schleswig-Holstein gibt es immer wieder vielversprechende Vereine oder Mannschaften, die vor strukturellen Problemen stehen. Doch es ist mehr als ein lokales Problem. Es zeigt exemplarisch die Schwierigkeiten, Spitzensport in einem Flächenland zu verankern. Große Städte wie Kiel oder Flensburg verfügen über Stadien, Arenen und gewachsene Strukturen. Kleinere Standorte kämpfen hingegen mit genau diesen Voraussetzungen, die eigentlich nötig wären, um ihre sportlichen Erfolgsgeschichten weiterzuschreiben.
Neubau in Schule könnte helfen
Eine mögliche Lösung für die Itzehoe Eagles wäre der geplante Neubau der Steinberg-Schule in Itzehoe. Dort soll eine Dreifeldhalle entstehen. In Gesprächen mit dem Kreis und der Stadt Itzehoe wird über eine Erweiterung diskutiert: "Der Kreis ist positiv uns gegenüber. Es würde natürlich helfen, wenn sie in der Steinburg-Schule eine Halle bauen. Wenn dann nur noch eine Teilfinanzierung nötig wäre, um die Halle größer zu machen", erklärt Hammbrock.
Aufstieg zur Zeit keine realistische Option
Für die Eagles bedeutet das trotz der aktuell guten Ausgangslage: Sie können gewinnen, sie können oben mitspielen – aber vorerst ist ein Aufstieg nicht möglich. "Momentan sehe ich das für die nächste Saison überhaupt nicht. Dafür hätten wir deutlich früher anfangen müssen Geld zu sammeln. Aber wir haben keine Halle und wir haben es gegenüber der Mannschaft auch klar kommuniziert, dass ein Aufstieg in dieser Saison nicht Frage kommt", so der Vorstandsvorsitzende. Deutliche Worte, die bei Mannschaft und Trainer jedoch nicht für Verstimmung sorgen: "Wir sind ein optimaler ProB-Verein. Warum nicht unsere Leute vom gutem Basketball begeistern. Alles andere ist finanziell zu weit weg. Ich habe damit gar nicht zu kämpfen", so Trainer Timo Völkerink.
Und solange sich an der Hallen-Frage nichts ändert, bleibt der sportliche Horizont des Vereins enger, als es die Leistungen auf dem Spielfeld eigentlich erlauben würden.