Enteignung von Landwirt: Flensburg startet nächsten Anlauf für die K8
Seit 2019 fließt Verkehr auf der K8 am Ostrand von Flensburg. Landwirt Ingo Knop gehören allerdings immer noch Flächen, auf denen die Kreisstraße gebaut wurde. Eine Enteignung war rechtswidrig, doch die Stadt will nachlegen.
- 2016: Ratsversammlung beschließt Bebauungsplan
- 2022: Das OVG erklärt B-Plan für rechtswidrig
- 2022-2026: Knop sperrt die K8 und spricht vom "Scheinstaat BRD"
- Januar 2026: Knop hat Anspruch auf Entschädigung
- Juli 2026: Angebot über neun Millionen Euro
- 1.9.2026: Neuer B-Plan bereitet zweiten Anlauf zur Enteignung vor
- 2.9.2026: Knop verlangt 17 Millionen Euro
- 14.9.2026: Knop schickt Rechnung an die Stadt Flensburg
- 24.9.2026: Stadt beschließt Bebauungsplan
Der Streit um eine Kreisstraße am Ostrand von Flensburg nimmt kein Ende. Sie führt auf etwa 750 Metern über drei Flurstücke, die Landwirt Ingo Knop im Stadtteil Tarup nicht herausgeben will. Die Stadt hatte versucht, ihn zu enteignen. Doch aufgrund von Fehlern im Bebauungsplan war diese Enteignung rechtswidrig, stellte das Oberverwaltungsgericht 2022 fest.
Verhandlungen sind gescheitert
Die nachfolgenden Verhandlungen zwischen Stadt und Bauer Knop gestalteten sich schwierig. Der Landwirt hatte bereits einer Einigung zugestimmt. Dennoch sagte Knop NDR Schleswig-Holstein, er wolle nicht verkaufen. Warum, ließ er offen. Nun unternimmt die Stadt einen zweiten Anlauf, Knop zu enteignen. Der Streit dauert damit inzwischen mehr als zehn Jahre. Wir geben einen Überblick, was bisher geschah.
Die K8-Chronologie: Planungen ab 2006
Der Stadtteil Tarup in Flensburg wächst rasant. Hier entstehen neue Baugebiete. Gleichzeitig nutzt der Durchgangsverkehr nach Angeln (Kreis Schleswig-Flensburg) die Taruper Hauptstraße. Deshalb plant die Stadt eine Umgehungsstraße. 2008 beginnt der Bau des ersten Teilstücks, obwohl ein Landeigentümer seine Flächen im weiteren Verlauf nicht verkaufen will. Drei Trassenvarianten kommen im östlichen Bereich in Frage. Mit einem Aufstellungsbeschluss im Jahr 2012 beginnt dort die Detailplanung.
2016: Ratsversammlung beschließt Bebauungsplan
Noch immer steht eine Einigung aus. Die Ratsversammlung beschließt die nördliche Variante, die das Land von Bauer Ingo Knop zerschneidet.
2018-2019: Enteignung, Bau, Freigabe
Die Enteignungsbehörde im schleswig-holsteinischen Innenministerium weist der Stadt vorzeitig das Eigentum an den Flächen zu. Die Zeit drängt, da Fördermittel zu verfallen drohen. Knop klagt gegen die Enteignung und hat in einer Eilentscheidung zunächst keinen Erfolg. In der Hauptsache ist aber noch nicht entschieden. Anwohner demonstrieren gegen den Straßenbau. Trotzdem beginnt der Bau des letzten Teilstücks. Die Stadt geht das Risiko eines Rückbaus ein. 2019 fließt der Verkehr auf der gesamten K8.
2022: Das OVG erklärt B-Plan für rechtswidrig
Knop hat Erfolg vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig. Der B-Plan von 2016 weist gleich mehrere Mängel auf. Neben den "privaten Belangen des Grundstückseigentümers" wurden auch Ausgleichsflächen nicht korrekt gewählt. Eine Untersuchung zum Artenschutz war veraltet. Damit ist die Enteignung nicht rechtskräftig.
2022-2026: Knop sperrt die K8 und spricht vom "Scheinstaat BRD"
Ende 2023 hebt die Enteignungsbehörde schließlich den Beschluss offiziell auf, der 2017 zur Enteignung geführt hatte. Die K8 gehört jetzt wieder Landwirt Knop. Dieser blockiert an einem Morgen die Kreisstraße mit einem Mähdrescher, muss dafür aber eine Geldstrafe zahlen.
2024 schickt Knop ein Schreiben an Politiker, Innenministerium und die Presse. Darin wird argumentiert, die "BRD" sei ein "Scheinstaat", es würden weiterhin Militärregierungsgesetze gelten. Die Behörden hätten deshalb keine Genehmigung zu handeln. Zudem wird ausführlich erklärt, dass die Bezeichnung "Reichsbürger" grundsätzlich verkehrt sei.
Januar 2026: Knop hat Anspruch auf Entschädigung
Da Knop offiziell Eigentümer der Flächen bleibt, hat er Anspruch auf Entschädigung. Das schließt alles ein, um den vorherigen Zustand wiederherzustellen. Die Enteignungsbehörde spricht ihm dafür mehr als zwei Millionen Euro zu. Die Stadt Flensburg legt Einspruch ein. Doch selbst wenn er Erfolg hätte, sei das Geld nicht für den Rückbau zweckgebunden, meint Oberbürgermeister Fabian Geyer (parteilos). Knop könne das Geld auch einfach behalten.
Zu einer angekündigten Sperrung im Januar kommt es nicht. Stattdessen stellt der Bauer eine Barrikade mit Heuballen auf die Zufahrt zu seinem Feld und Schilder auf, die darauf hinweisen, dass es sich um eine Privatstraße handle.
Juli 2026: Angebot über neun Millionen Euro
Die Stadt strebt weiterhin eine Verhandlungslösung an und geht nach eigenen Angaben weitgehend auf die Forderungen des Landwirts ein. Das Angebot sieht laut Geyer einen Kaufpreis von 7,5 Millionen Euro vor. Der Landwirt erhalte zudem die doppelten Flächen von etwa 35 Hektar im Wert von 1,5 Millionen Euro im Bereich Trögelsby. Dafür bekäme die Stadt von ihm Felder, die später als Bauland geeignet sind. Knop stimmt zu, macht dann aber wieder einen Rückzieher.
1.9.2026: Neuer B-Plan bereitet zweiten Anlauf zur Enteignung vor
Oberbürgermeister Geyer sagt, weitere Verhandlungen werde es nicht geben. Der Planungsausschuss beschließt am 1.9. ohne Gegenstimmen einen neuen B-Plan, der diesmal rechtssicher sein soll. Dieser beschränkt sich weitgehend auf die Straßenfläche. Geyer geht davon aus, dass die Entschädigung dafür nur 300.000 Euro beträgt.
2.9.2026: Knop verlangt 17 Millionen Euro
Am 2.9. sagt Ingo Knop NDR Schleswig-Holstein, er habe ursprünglich 17 Millionen Euro für die rund 17 Hektar verlangt. Auf einen reduzierten Preis würde er sich nur einlassen, wenn ihm die Stadt die Flächen pachtfrei für 50 Jahre zur Verfügung stelle.
Die Ratsversammlung entscheidet am 24. September über den B-Plan. Offen bleibt, was aus den Lärmschutzwällen wird. Diese hatte das OVG als nicht notwendig eingestuft. Die Kosten für einen Rückbau werden auf mehr als eine Million Euro geschätzt. Falls Knop doch noch unterschreiben will, müsse er sich nun beeilen, so Oberbürgermeister Geyer.
14.9.2026: Knop schickt Rechnung an die Stadt Flensburg
Als mutmaßliche Entschädigungsleistung hat Landwirt Knop der Stadt rund 45.000 Euro in Rechnung gestellt. Die Flensburger Stadtverwaltung hat das bestätigt, will aber nicht zahlen. "Die Stadt hat keine vertragliche Vereinbarung mit Herrn Knop, die eine solche Zahlung begründen könnte – und deswegen werden wir eine solche Zahlung auch nicht leisten", sagt Sprecher Clemens Teschendorf.
Laut Stadt hatte es in der Vergangenheit einen sogenannten Nachteilsausgleich an Knop für die Nutzung seiner Flächen gegeben. Zur Höhe dieser Zahlung äußert sich die Stadt nicht. Es gebe auch keine Verpflichtung zu weiteren Zahlungen.
24.9.2026: Stadt beschließt Bebauungsplan
Die Flensburger Ratsversammlung hat für die K8 einen neuen Bebauungsplan bei einer Gegenstimme und 13 Enthaltungen beschlossen. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Die Enthaltungen kommen demnach unter anderem von den Grünen, die damals gegen den Bau waren, aber jetzt eine Lösung nicht blockieren wollen.
Mit dem B-Plan-Beschluss kann die Stadt nun einen zweiten Enteignungsversuch starten. Fakt ist aber: Knop ist im Moment Eigentümer und er argumentiert, dass auch kein Verkehr fließen dürfe - oder er müsste entschädigt werden. Stadt und sogar das Verkehrsministerium bestätigen: Knop dürfe die Straße tatsächlich sperren, aber nicht spontan, sondern er müsse dies beim Gericht beantragen und mit der Stadt abstimmen.