Alte Munition in Nord- und Ostsee - wie lässt sich das Problem lösen?

Stand: 18.06.2025 18:23 Uhr

Millionen Tonnen alte Munition liegen noch in Nord- und Ostsee - eine große Gefahr für Natur und Infrastruktur. Auf der Kiel Munition Clearance Week werden Lösungen diskutiert.

von Marilena Berends

In Nord- und Ostsee lagern schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen alte Munition - zurückgelassen nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Darunter befinden sich Bomben, Minen, Granaten und sogar chemische Kampfstoffe. Die Altlasten rosten langsam vor sich hin, setzen giftige Substanzen frei und gefährden nicht nur das Ökosystem Meer, sondern auch Menschen und Infrastruktur.

Altmunition: Gefahr für Meer, Mensch und Infrarstruktur

Besonders stark belastet ist etwa die Kolberger Heide vor der Kieler Förde - dort wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt große Mengen Munition versenkt. Viele Kampfmittel sind noch immer explosiv. Die Munitionsaltlasten stellen daher auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar - für Fischerei, Schifffahrt, Tourismus und für den Bau von Windkraftanlagen und Unterseekabeln.

Munition Clearance Week: Fachleute aus 16 Ländern tagen in Kiel

Wie mit diesen Altlasten umgegangen werden kann, ist Thema der Munition Clearance Week, die vom 18. bis 20. Juni in Kiel stattfindet. Erwartet werden über 200 Fachleute aus 16 Ländern - darunter Vertreterinnen und Vertreter der EU-Kommission, der NATO, der Deutschen Marine, aus Wissenschaft, Industrie und Umweltorganisationen. Veranstalter sind das Umweltministerium Schleswig-Holstein und das Kieler Technologie-Unternehmen north.io.

Moderne Technik gegen alte Munition

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz neuer Technologien wie autonomen Unterwasserfahrzeugen und künstlicher Intelligenz. Die Drohnen kartieren den Meeresboden, spüren Munitionskörper auf und helfen gleichzeitig, kritische Infrastruktur wie Pipelines oder Datenkabel zu überwachen. So sollen Umwelt- und Sicherheitsrisiken frühzeitig erkannt und Maßnahmen schneller eingeleitet werden können - gerade vor dem Hintergrund von Sabotageakten wie an der Nord-Stream-Pipeline im vergangenen Jahr.

Pilotprojekte und Bergungsplattform ab 2026 geplant

Bereits seit Juli 2024 laufen erste Pilotprojekte zur Munitionsbergung mit neuen Technologien in der Ostsee. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und Verfahren zu testen, um ab 2026 großflächig räumen zu können. Kernstück dieser Strategie ist eine autonome Bergungsplattform, die aktuell entwickelt wird. Sie soll bis Ende 2026 einsatzbereit sein und Munitionskörper automatisiert heben können - zum Beispiel in stark belasteten Gebieten wie der Kolberger Heide. Durch den kombinierten Einsatz von Robotik, künstlicher Intelligenz und präziser Vermessung versprechen sich Fachleute einen entscheidenden Schritt hin zu einer sicheren und effizienten Räumung der Meere.

Ukraine erstmals mit Delegation vor Ort

Zum ersten Mal nimmt in diesem Jahr auch eine Delegation aus der Ukraine an der Konferenz teil. Der russische Angriffskrieg hat in der Ukraine nicht nur an Land, sondern auch im Schwarzen Meer zu erheblichen Munitionsbelastungen geführt - etwa durch versenkte Munition oder zerstörte Häfen.

Die ukrainischen Vertreterinnen und Vertreter stammen unter anderem aus der Getreide- und Schiffsindustrie, die für Verschiffung und Export zuständig ist. Sie bringen Expertise in Kartierung und Vermessung mit, erhoffen sich in Kiel jedoch konkretes Know-how für die technische Bergung unter Wasser.

Vorbereitungen zur Munitionsbergung.

Die Befürchtung: Blindgänger und Co. aus dem Meer zu holen, könnte die Umwelt stark belasten. Ein Kieler Forschungsprojekt soll Klarheit bringen.

An dem langen Arm des Baggers ist modernste Technik verbaut, von der Filmkamera bis zum Sonargerät

In der Lübecker Bucht werden in einem deutschlandweiten Pilotprojekt erste Teile der Munition aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.06.2025 | 19:30 Uhr

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