Pflegeheime in Niedersachsen: Kosten steigen immer weiter
Die Eigenanteile in niedersächsischen Pflegeheimen sind binnen eines Jahres um zehn Prozent gestiegen. Der Verband der Ersatzkassen spricht von einer dramatischen Kostenentwicklung und fordert schnelle Reformen.
Pflegebedürftige in Niedersachsen müssen für einen Heimplatz immer tiefer in die eigene Tasche greifen. Im ersten Jahr des Aufenthalts liegt der monatliche Eigenanteil inzwischen bei durchschnittlich rund 2.900 Euro - ein Plus von zehn Prozent binnen eines Jahres. Für den Verband der Ersatzkassen (vdek) ist klar: Diese Beträge sind kaum noch zu stemmen. "Das ist ein Betrag, der ist weit jenseits dessen, was aus einer durchschnittlichen Rente bezahlbar ist", erklärt Landesleiter Hanno Kummer. "Deshalb bräuchten wir eine umfassende Pflegereform, um die Belastung der Pflegeheimbewohner wirksam zu begrenzen".
Pflegekosten sollen schnell und effektiv gesenkt werden
Besonders kritisch sieht der vdek, dass das Problem seit Jahren bekannt sei, politische Lösungen aber ausblieben. Die Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Zukunftspakt Pflege" seien zu unkonkret, um die Kosten wirksam zu bremsen. "Es müsste aus unserer Sicht jetzt wirklich gelingen, hier gegenzusteuern, weil sonst immer mehr Menschen am Ende ihres Lebens auf Sozialhilfe angewiesen sein werden", kritisiert Kummer. Wie die Entlastung der pflegebedürftigen Personen konkret ausgestaltet werden soll, lässt er offen. "Am Ende zählt das Ergebnis - dass es wirklich gelingt, eine Begrenzung dessen herbeizuführen, was man selber dazu beitragen muss. Und da wäre zum Beispiel eine Orientierung die Rente".
Politik verkündet baldige Pflegereform
Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Hinter den Kulissen sei intensiv an einer Pflegereform gearbeitet worden - sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Man habe es leider nicht geschafft, sich "so durchzusetzen, dass eine gute Entwicklung auf den Weg gebracht werden konnte", erklärt der Minister. Dennoch seien die Gespräche auf einem guten Weg. Philippi setzt auf einen sogenannten Sockel-Spitzen-Tausch, der die Eigenanteile nach oben begrenzen soll. Ziel sei eine Obergrenze von etwa 1.200 Euro im Monat. Er zeigt sich optimistisch, dass Bund und Länder bald zu einer Einigung kommen.
Zeitplan bleibt unklar
Wann die ausgehandelte Pflegereform dann jedoch greifen könnte, lässt er offen. "Die Regierungsparteien in Berlin müssen sich einigen, dass es zu einer starken Haltung kommt. Kompromissfähigkeit ist hier gefragt", erklärt Philippi. Doch noch gibt es viele offene Fragen, bemängelt auch der Verband der Ersatzkassen. Ein weiterer Streitpunkt seien zum Beispiel die Investitions- und Ausbildungskosten, die bislang vollständig von den Heimbewohnerinnen und -bewohnern getragen werden. Aus Sicht des vdek ist das eine klare Fehlkonstruktion. Diese Ausgaben sollten vom Land übernommen werden.