Der Vogelzug startet - reist die Vogelgrippe mit?
Die ersten Wildgänse sind wieder da - und mit ihnen die Sorge vor der Vogelgrippe. Für Gänsehalter Johann-Michel Claßen aus Bakum beginnt damit eine bange Zeit: Mehr als 10.000 Tiere hält er im Freiland.
Johann-Michel Claßen aus Bakum im Landkreis Vechta hat schlecht geschlafen. Vor ein paar Tagen hat er die ersten Wildgänse auf einer seiner Flächen entdeckt. Jetzt ist klar: Der Vogelzug hat begonnen. Und damit auch die schlaflosen Nächte für ihn und seine Familie. Denn mit dem Vogelzug steigt das Risiko, dass ein Wildvogel das Vogelgrippevirus H5N1 in seinen Freilandbetrieb mit den mehr als 10.000 Gänsen einschleppt. "Das ist schon ein sorgenvoller Blick gen Himmel: Ob es denn jetzt schon wieder losgeht? Der Vogelzug wird kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und dann hofft man immer: Fliegt doch einfach woanders lang."
"Hat diese Form der Gänsehaltung überhaupt noch eine Zukunft?"
Im vergangenen Jahr war es denkbar knapp. In einem Nachbarbetrieb, nur eineinhalb Kilometer entfernt, war das Virus ausgebrochen. Claßen musste seine Gänse kurzfristig aufstallen und zittern, dass es ihn und seine Vögel nicht auch erwischt. "Es wird eigentlich jedes Jahr schlimmer. Dabei leben Gänse nun mal im Freiland. Eine Stallhaltung ist für uns keine wirkliche Alternative. Da stellt sich schon die Frage: Hat diese Form der Gänsehaltung überhaupt noch eine Zukunft?"
Nicht vorhersagbar, wie stark die Vogelgrippe diesmal wird
Das Friedrich-Loeffler-Institut hat Anfang September die Risikoeinschätzung für die Verbreitung der Vogelgrippe unter wild lebenden Wasservögeln von gering auf moderat angehoben. Weitere Anhebungen sind wahrscheinlich, kommen aber nicht zwangsläufig. Wie stark das Virus in diesem Jahr auftreten wird, ist nicht vorhersagbar, denn das hänge auch von der Immunität der Wildvögel und den Veränderungen des Virus ab. Das Institut rät Geflügelhaltenden grundsätzlich dazu, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und, falls nötig, zu verbessern.
Claßen rüstet sich für den Herbst
Gänsehalter Claßen hat das getan und in diesem Jahr ein extra kleinmaschiges Netz an seinen Ställen installiert. Aber er glaubt nicht, dass es viel hilft, zumindest so lange seine Tiere noch frei auf der Weide laufen. Für ihn heißt es weiter zittern und darauf hoffen, dass der Seuchenzug ihn auch in diesem Jahr verschont. Aufatmen kann er Weihnachten, dann, wenn er seine letzte Gans verkauft hat - als Weihnachtsbraten.
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