Atommüll: Behörde will Gorleben noch weitere 20 Jahre betreiben
Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) will eine Laufzeitverlängerung um 20 Jahre für das atomare Zwischenlager in Gorleben beantragen. Das hat sie als zuständige Bundesbehörde dem NDR Niedersachsen bestätigt.
Der Antrag soll am 29. Juni beim BASE, dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, gestellt werden. Da es in Deutschland noch keinen Standort für ein Atommüll-Endlager gibt, sei eine Verlängerung für das Zwischenlager in Gorleben über das Jahr 2034 hinaus notwendig. Bis ein geeigneter Endlager-Standort gefunden ist, könnten noch mehrere Jahrzehnte vergehen. Derzeit lagern bundesweit rund 27.000 Kubikmeter radioaktiven Atommülls in 16 oberirdischen Zwischenlagern, eines davon ist Gorleben.
Bürgerinitiative spricht von "Durchschummeln"
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg kritisiert den Zeitraum von 20 Jahren scharf: "Die BGZ will sich damit nur durchschummeln", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke dem NDR Niedersachsen. Schließlich würde man in 20 Jahren noch kein Endlager haben. Im Genehmigungsverfahren müssen die nächsten 80 bis 100 Jahre mit betrachtet werden. Man wisse nicht, wie lang die 113 Behälter mit radioaktivem Müll noch halten und sie müssten dann noch transportfähig sein.
BGZ will Atommüll-Behälter engmaschig kontrollieren
"Die 20-jährige Laufzeitverlängerung wollen wir nutzen, um weiter zu forschen", sagte BGZ-Sprecher Tristan Zielinski dem NDR Niedersachsen. Man wolle nachweisen, dass die Behälter länger halten als ursprünglich gedacht. Deswegen wolle man herausfinden, wie die Castoren altern und deren Metalldichtungen untersuchen, so der Sprecher weiter. Durch eine kürzere Verlängerung von 20 Jahren könne man die Behälter engmaschiger kontrollieren und damit der Bevölkerung mehr Sicherheit geben.
Sicherheitsaspekt nicht ausreichend
Die Bürgerinitiative warnte erneut vor zu wenig Schutz vor Angriffen aus der Luft. Der jetzige Gebäudebestand sei nicht gegen Einwirkungen Dritter ausgelegt - wie beispielsweise Drohnenattacken. Erst recht nicht für weitere 100 Jahre, so BI-Sprecher Ehmke. Lüchow-Dannenbergs Landrätin Dagmar Schulz (parteilos) appellierte an die BGZ, die Sorgen der Menschen vor Angriffen aus der Luft ernst zu nehmen. "Diese Punkte werden aus dem Prozess ausgeklammert", sagte Schulz. Es brauche mehr Austausch und mehr Informationen, mit den Kommunen und mit den Menschen. In den vergangenen Monaten hatte die BGZ in einem Dialogforum Bürgerinnen und Bürger mit in den Prozess einbezogen.
Für Dienstag Proteste in Berlin angekündigt
Am Dienstag wollen Ministeriumsvertreter, Mitarbeiter des BASE und der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) auf der "Statuskonferenz Zwischenlagerung" in Berlin erklären, wie sie mit dem Zwischenlager Gorleben in Zukunft umgehen wollen. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und die Anti-Atom-Organisation ausgestrahlt haben angekündigt, vor dem Konferenzort, dem Hauptsitz des BASE in Berlin, zu protestieren.