Ermittlungen gegen Steffen Krach - Worum es genau geht
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den noch amtierenden Regionspräsidenten und aktuellen Spitzenkandidat der SPD Berlin, Steffen Krach. Es geht um drei Vorwürfe. Was zu den Hintergründen bisher bekannt ist.
Es geht laut Staatsanwaltschaft Hannover um einen Anfangsverdacht in drei Fällen. Zweimal besteht demnach der Verdacht der Vorteilsnahme. Im Raum steht der Verdacht, dass Steffen Krach beziehungsweise die Berliner SPD einen an einem Vergabeverfahren beteiligten Unternehmer, der nach NDR Informationen aus Niedersachsen stammt, zweimal aufgefordert haben sollen, zu spenden. Sowohl die Partei als auch Krach wiesen dies zurück. Die Berliner SPD wirbt nach eigenen Angaben nur bei Berliner Mitgliedern um Spenden - in Form von Briefen oder via Social Media. Externe Unternehmen würden nicht derartig kontaktiert. Der dritte Vorwurf steht in dem Zusammenhang mit der Spende dieses Unternehmens. Krach soll ausgerechnet an dieses Unternehmen in einem Bieterverfahren Informationen über einen Konkurrenten weitergegeben haben.
Krach soll sich für Bieter stark gemacht haben
Es geht um die Nachnutzung und somit den Verkauf eines Klinikstandortes in Lehrte (Region Hannover). Krach war während des Bieterverfahrens kommissarischer Vorsitzender des Aufsichtsrats. Kurz vor Ablauf der Bieterfrist hat das Spender-Unternehmen nach Informationen von NDR Niedersachsen sein bereits abgegebenes Angebot nochmal erhöht - und war damit konkurrenzfähig. Da besteht der Verdacht, dass das Unternehmen Informationen erhalten habe, was die Konkurrenz geboten hat. Nach NDR Informationen soll sich Krach im Aufsichtsrat bei der Vergabe für diesen Bieter stark gemacht haben. Er habe sich selten für etwas so eingesetzt, wie für dieses Unternehmen - und das kurz bevor er sich nach Berlin verabschiedet hätte, um dort als Spitzenkandidat der SPD für das Berliner Abgeordnetenhaus ins Rennen zu gehen, heißt es aus Quellen gegenüber NDR Niedersachsen. Kritisch wird gesehen, dass Krach nach NDR-Informationen von der zurück überwiesenen Spende im Vergabe-Verfahren nichts gegenüber dem Aufsichtsrat erwähnt haben soll. Das wäre angebracht gewesen, heißt es. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der zeitliche Ablauf im Fall Steffen Krach:
- August 2025: Die Kandidatur Krachs für das Berliner Abgeordnetenhaus wird bekannt.
- Herbst 2025: Das Bieterverfahren für die Nachnutzung des Klinikstandortes beginnt.
- 29. Dezember 2025: 9.900 Euro gehen auf das Konto der Berliner SPD als Parteispende ein. (Quelle: Steffen Krach)
- 7. Januar 2026: Krach soll von der SPD-Landesgeschäftsführung über die Spende informiert worden sein. (Quelle: Steffen Krach)
- 8. Januar 2026: Krach soll Rücküberweisung der Spende angeordnet haben. (Quelle: Steffen Krach)
- 9. Januar 2026: Die Spende soll zurücküberwiesen worden sein. "Auf Weisung unseres Spitzenkandidaten wurde umgehend entschieden, diese Spende abzuweisen", heißt es von der SPD Berlin.
- 19. Februar 2026: Der Aufsichtsrat entscheidet sich für einen anderen Bieter als Nachnutzer des Klinikstandortes Lehrte. Krach soll sich im Vergabeverfahren für den Bieter, der zuvor die 9.900 Euro an die Berliner SPD überwiesen hatte, stark gemacht haben. Krach selbst hat sich, eigenen Angaben nach, bei der Abstimmung enthalten. (NDR Niedersachsen, Steffen Krach)
- 23.März 2026: Steffen Krach lässt sich von seiner Tätigkeit als Regionspräsident von Hannover beurlauben.
- Mai 2026: Räume eines Unternehmens mit Bezug zu der Kliniknachnutzung werden laut Staatsanwaltschaft Hannover durchsucht. Die Behörde stellte aber keinen Zusammenhang zu den Ermittlungen gegen Krach her.
- 3. September 2026: Die Staatsanwaltschaft Hannover beginnt ihre Ermittlungen gegen Krach. (Quelle: dpa)
- 9. September 2026: Ermittler durchsuchen Krachs Berliner Wohnung, Büroräume in Hannover und die Zentrale der Berliner Landes-SPD. Dabei wurden laut Staatsanwaltschaft Hannover Datenträger und Krachs Handy beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden.
- 10. September 2026: Die Staatsanwaltschaft Hannover veröffentlicht, welche rechtlichen Vorwürfe sie gegen Krach erhebt. Steffen Krach gibt Details dazu bekannt: Es gehe zum einen um eine Spende eines Unternehmers an den SPD-Landesverband Berlin, "die bei zwei Gelegenheiten im Zusammenhang mit einem behördlichen Verfahren von mir gefordert worden sein soll". "Zum anderen geht es um eine behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebotes als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie." Die Vorwürfe seien unbegründet, so der SPD-Politiker.
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