Ermittlungen gegen Steffen Krach: Staatsanwaltschaft wird konkret
Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die Vorwürfe gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach konkretisiert. Der beurlaubte Regionspräsident wies diese erneut zurück.
Laut den Ermittlern geht es unter anderem um einen Anfangsverdacht auf Vorteilsannahme in zwei Fällen. Das sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. In einem weiteren Fall gehe es um wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und der Verletzung der Geheimhaltungspflicht nach dem Gesetz zu Gesellschaften mit beschränkter Haftung, so die Staatsanwaltschaft Hannover. Ermittelt werde seit dem 3. September. Die Taten sollen sich während Krachs Zeit als Regionspräsident der Region Hannover zugetragen haben. Krach ist von diesem Amt seit Ende März beurlaubt - wegen seiner Rolle als Spitzenkandidat der Berliner SPD für die Wahl am 20. September. Zunächst hatten "Tagesspiegel" und "Berliner Morgenpost" berichtet.
Krach: Vorwürfe sind unbegründet
Krach reagierte am Donnerstagabend auf das Bekanntwerden der Details - und widersprach den Anschuldigungen erneut. "Ich weise sie nachdrücklich zurück, sie treffen nicht zu", teilte der SPD-Politiker mit. Laut Krach hat die Staatsanwaltschaft seinem Anwalt mitgeteilt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn geführt werde. Darin gehe es um zwei Fragen: zum einen um eine Spende an den SPD-Landesverband Berlin, "die bei zwei Gelegenheiten im Zusammenhang mit einem behördlichen Verfahren von mir gefordert worden sein soll", so Krach. Darüber hinaus gehe es um "eine behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebotes als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie." Beide Vorwürfe seien unbegründet, so der SPD-Politiker.
Ungereimtheiten beim Verkauf eines Klinikgeländes?
Die Ermittlungen der Behörden waren am Mittwoch bekannt geworden. Zu den konkreten Hintergründen der Ermittlungen hält sich die Staatsanwaltschaft bedeckt. Krach hatte mitgeteilt, dass es um den Verkauf eines früheren Krankenhausgeländes in der Region Hannover gehen könnte. Als Regionspräsident war er Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Region Hannover.
Zwei Interessenten, eine Spenden-Überweisung
Für den Verkauf des Klinikgeländes, bei dem es sich laut "Hannoversche Allgemeine Zeitung" um das Areal des ehemaligen Klinikums Lehrte handelt, hat es laut Krach ein Vergabeverfahren gegeben: Zwei Angebote seien in die engere Auswahl gekommen, er habe eins davon klar favorisiert. Der Aufsichtsrat entschied sich Krach zufolge aber für den anderen Anbieter. Dieser habe am 19. Februar 2026 den Zuschlag erhalten. Allerdings: Vor der Entscheidung zum Krankenhausgelände hat laut Krach der von ihm damals favorisierte Unternehmer eine größere Summe als Spende an die Berliner SPD überwiesen. Krach betonte, dass diese innerhalb von 24 Stunden zurücküberwiesen worden sei. "Weil ich sofort gesagt habe, dass ich diese Spende definitiv nicht annehmen kann", sagte der 47-Jährige am Mittwoch am Rande eines Wahlkampftermins. Der Vorwurf der Bereicherung treffe ihn persönlich sehr. "Denn ich habe immer klare Grenzen gezogen in den zwölf Jahren, in denen ich politisch Verantwortung trage." Er habe niemals privat Geld angenommen - und auch niemals als SPD-Vorsitzender in Berlin eine Spende angenommen.
Spende und Rückzahlung um den Jahreswechsel
Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) liegen Belege über die Rücküberweisung vor, es handele sich um einen Betrag von 9.900 Euro. Demzufolge ging das Geld am 29. Dezember 2025 auf dem Konto der SPD Berlin ein. Krach selbst soll erst am 7. Januar von der SPD-Landesgeschäftsführung informiert worden sein und die Rücküberweisung am Tag darauf angeordnet haben. Die SPD Berlin bestätigte, dass es "über den Jahreswechsel den Versuch einer Spende an die SPD Berlin in Höhe von 9.900 Euro" gegeben habe. "Auf Weisung unseres Spitzenkandidaten wurde umgehend entschieden, diese Spende abzuweisen", heißt es weiter. Das Geld sei am 9. Januar an den Absender zurücküberwiesen worden.
Wohnung und Büros von Krach durchsucht
Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch drei Objekte in Berlin und Hannover durchsucht, unter anderem die Büroräume Krachs in Hannover und seine Wohnung in Berlin-Schöneberg. Sein kleiner Sohn habe die Durchsuchung miterleben müssen, sagte Krach am Donnerstag zu den Ereignissen am Mittwochmorgen. Zwar wolle er die Verhältnismäßigkeit nicht kommentieren, sagte aber auch: "Ich habe kleine Kinder zu Hause. Und wenn da auf einmal acht bis neun Leute die gesamte Wohnung durchsuchen, dann macht das was mit kleinen Kindern. Meinem vierjährigen Sohn haben wir jetzt gesagt, das waren die Polizeiputzkräfte, die dort vor Ort waren und für Ordnung gesorgt haben." Dem "Tagesspiegel" sagte Krach, dass die Ermittler auch sein Handy beschlagnahmt hätten.
SPD liegt laut Umfragen zurück
Krach kandidiert in Berlin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Ein Wahlsieg Krachs erscheint dabei eher unwahrscheinlich. Zwischen 11 und 15 Prozent lagen die Zustimmungswerte zuletzt in den Umfragen. Damit liegt die SPD in fast allen Erhebungen hinter CDU, Linken, Grünen und AfD auf Platz fünf.
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