Gender-Pay-Gap: Das können Frauen tun - Expertin gibt Tipps

Stand: 27.02.2026 20:20 Uhr

Frauen bekommen weniger Geld, arbeiten häufiger in Teilzeit und nehmen auch seltener am Berufsleben teil als Männer. Wie Frauen trotzdem finanziell unabhängig sein können, erklärt eine Expertin im NDR Interview.

Häufig sind es strukturelle Probleme, die den sogenannten Gender-Pay-Gap - also die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern - begünstigt. Darauf macht auch der Equal Pay Day am 27. Februar aufmerksam. Wie Frauen sich aus eigener Kraft helfen können, darüber hat der NDR Niedersachsen mit Barbara Hartung gesprochen. Sie ist die Vorsitzende des Landesfrauenrats in Niedersachsen.

Frau Hartung, über unser Gespräch könnte man als Überschrift auch "Augen auf" schreiben. Denn Frauen können ihre persönliche Gender-Pay-Gap beeinflussen, wenn sie auf einige Dinge achten, verstehe ich das so richtig?

Barbara Hartung, Vorsitzende vom Landesfrauenrat in Niedersachsen.
Barbara Hartung ist die Vorsitzende des Landesfrauenrats in Niedersachsen.

Barbara Hartung: Ja, so könnte man sagen. Also der Gender-Pay-Gap hat natürlich auch im Wesentlichen strukturelle Gründe. Aber wir Frauen sind dem nicht hilflos ausgeliefert, sondern können dem in der Tat durch unsere eigenen Entscheidungen entgegenwirken. Also zum Beispiel schon in der Schule bei der Fächerwahl. Mädchen können genauso gut Mathe, Physik oder Chemie wie Jungen. Das haben Studien bewiesen.

Das geht dann natürlich auch nahtlos weiter: Stichwort Studium und Ausbildung. Was ist denn da wichtig?

Hartung: Natürlich kommt es darauf an, welche Fähigkeiten, Kompetenzen, Neigungen ich habe. Aber ich halte es auch für sehr wichtig, sich gut zu informieren: Welche Berufe haben gute Aufstiegsmöglichkeiten, welche Berufe werden wie bezahlt und wie sind die Perspektiven?

Und was würden Sie da konkret raten?

Hartung: Es gibt im Internet zahllose Informationen, es gibt Studienberatungen an den Hochschulen und natürlich gibt es auch Berufsberatung bei der Bundesagentur für Arbeit. Also da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Wichtig scheint mir auch, Rollen zu reflektieren und wirklich zu schauen: Was kann ich? Was möchte ich?

Also zugespitzt formuliert: Als junge Frau vielleicht nicht nur Kunstgeschichte studieren, sondern sich auch mal mit dem Gedanken beschäftigen, ob nicht Maschinenbau was für mich wäre. Oder nicht nur den Beruf der Friseurin ins Auge fassen, sondern vielleicht Maler oder Mechatroniker?

Hartung: Genau. In Niedersachsen gibt es das Projekt "Niedersachsen-Technikum", das für Frauen nach der Hochschulreife ansetzt und über ein Technikstudium oder auch Ausbildungsberufe informiert. Es ermöglicht ein halbjähriges Praktikum in einem Betrieb und ist auch mit Studiums-Elementen verbunden. Das ist eine ganz gute Möglichkeit.

Später im Beruf muss man sich zum Beispiel mit Gehaltsverhandlungen beschäftigen. Das fällt Frauen offenbar immer noch schwer oder sie legen falsche Bescheidenheit an den Tag. Wie gelingt Frauen das besser?

Hartung: Auch da wieder durch Informationen. Wenn ich im Beruf bin, dann habe ich einen Anspruch an den Arbeitgeber, dass ich Auskunft bekomme, wie viel meine Kolleginnen und Kollegen im Vergleich verdienen. Das sogenannte Entgelttransparenzgesetz legt diese Ansprüche fest. Jüngst wurde auch gerichtlich entschieden, dass Verhandlungsgeschick kein Grund für eine ungleiche Bezahlung ist. Studien haben leider auch ergeben, dass Frauen sich grundsätzlich unter- und Männer hingegen überschätzen. Wichtig ist, im Bewusstsein der eigenen Kompetenzen selbstbewusst auftreten.

Wenn wir über die Lohnlücke sprechen, müssen wir auch auf das Privatleben schauen. Kann ich mit dem richtigen Mann an meiner Seite möglicherweise sogar mehr verdienen?

Hartung: Die Ehe ist kein Versorgungsinstitut mehr. Das sollten sich Frauen abschminken. Es kommt eher drauf an, die Frage zu klären, wie es mit der Übernahme von Familienverantwortung aussieht - konkret von Care-Arbeit. Denn die Stunden der Care-Arbeit übertreffen die Stunden der Erwerbsarbeit jährlich um die Hälfte, also es ist mehr als doppelt so viel. Man kann also nicht sagen, wir Deutschen arbeiten nicht. Wir arbeiten sehr wohl, nur leider teilweise, insbesondere die Frauen, unbezahlt. Es ist ganz wichtig, sich vorher darüber klar zu werden und möglichst auch vertraglich festzulegen, wie diese Zeit bewertet werden soll - etwa in einem Ehevertrag oder einem Vertrag zwischen den zusammenlebenden Personen. Und ob das beispielsweise durch Rentenpunkte ausgeglichen werden soll, wenn die Frau nur einen Minijob hat oder Teilzeit arbeitet. Denn Teilzeit ist einfach eine Falle für die Rente.

Das kann ich in einem Vertrag mit meinem Partner festlegen?

Hartung: Ja, Rentenpunkte lassen sich nachkaufen. Es ist wichtig, dass man wirklich einen Ausgleich festlegt, denn ansonsten kann es im Fall einer Scheidung bitter aussehen.

Und Paare, die nicht verheiratet sind, können die das auch regeln?

Hartung: Vertraglich kann man grundsätzlich Vieles regeln.

Fassen Sie doch noch mal zusammen: Was für Folgen kann die Lohnlücke für Frauen haben?

Hartung: Insbesondere die Lücke bei der Rente mit der drohenden Altersarmut. Deshalb muss man wirklich sehr genau schauen, ob man eine Teilzeitarbeit oder einen Minijob annimmt. Es ist deshalb wichtig, sich frühzeitig zu überlegen, welchen Berufsweg ich einschlagen will und welchen Menschen ich an meiner Seite haben möchte, mit wem ich Kinder will und wie ich das regle.

Was müsste sich denn politisch ändern?

Hartung: Sogenannte Frauenberufe sind immer noch strukturell unterbewertet. Das ist eine Aufgabe für die Gewerkschaften. Und natürlich das Ehegattensplitting, das ein großes Hindernis für die gleiche Bewertung ist.

Immer versuchen, im Job zu bleiben, obwohl Kinder da sind: Gerade in den ersten Jahren ist das alles ganz schön anstrengend. Was sind denn die Anreize dafür?

Hartung: Die sogenannte Mental Load ist sicher eine besondere Last, denn meistens organisieren Frauen auch das Familienleben mit allen möglichen Terminen. Kinder sind natürlich eine Bereicherung, das sage ich aus meiner persönlichen Erfahrung. Gleichwohl ist das eine Frage der jeweiligen Lebensgestaltung. Aber wenn man auch weiter beruflich tätig ist, kann das eine besondere Befriedigung sein, die eigenen Fähigkeiten gezielt einzusetzen. Eben auch, um selbständig zu sein, um zu wissen: Ich habe ein eigenständiges Einkommen. Das ist das, was wir als Landesfrauenrat anstreben, die eigenständige Existenzsicherung von Frauen steht für uns als Priorität sehr hoch.

Die Existenzsicherung ist dann verbunden mit einer Unabhängigkeit und der Freiheit, eine Ehe zu verlassen oder wie auch immer sein Leben anders zu gestalten, wenn es hart auf hart kommt?

Hartung: Am Anfang einer Beziehung denken wir immer positiv, denken, das hält ewig. Die Zahlen belegen leider etwas anderes. Das mittlerweile reformierte Scheidungsrecht ist für Frauen nicht vorteilhaft, weil es viele Regelungen gibt, die eher zu Lasten der Frauen gehen.

Das Interview für NDR Niedersachsen führte Christina von Saß.

Mental Load: Junge Mutter kümmert sich um das Baby und arbeitet gleichzeitig.

Mental Load bezeichnet Überlastung durch die Organisation von Alltagsaufgaben. Sie entsteht oft durch Care-Arbeit.

Eine Frau hält ein offenes Portemonnaie in den Händen.

Frauen verdienen laut Statistik gut vier Euro weniger als Männer. In Hannover ruft ein Bündnis heute zur Demo auf.

Auf einem höheren Stapel Münzen sitzen zwei Männerfiguren, auf dem niedrigeren Stapel Münzen sitzen zwei Frauenfiguren.

Deutschlandweit liegt der Gender Pay Gap bei 16 Prozent. Im Emsland bestehe Aufholbedarf, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 27.02.2026 | 19:30 Uhr

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Frauenpolitik

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