Wie sich Menschen auf dem Land den AfD-Wahlsieg in MV erklären
Die politische Landkarte von Mecklenburg-Vorpommern hat sich blau gefärbt. Die AfD wird fast überall stärkste Kraft. Nur in ganz wenigen Orten konnte sich die SPD durchsetzen. Wie kam es dazu, nach dem praktisch flächendeckenden Erfolg der SPD 2021?
Die aktuelle Podcast-Folge "Gewählt und jetzt?" startet in Bütow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Dort haben fast 60 Prozent AfD gewählt - und trotzdem sind hier nicht alle über das Wahlergebnis glücklich, wie Reporterin Caroline Schmidt erfahren hat. Der Rentner Wolfgang Gontarek seufzt zum Beispiel erst einmal, wenn man ihn danach fragt. "Die Mehrheit hat gestimmt", sagt er dann und hebt ergeben die Arme. "Auf die eine Art ist es vielleicht auch nicht verkehrt. Dann kommt ein bisschen mehr Wind in die Segel."
"Muss sich irgendwann mal was ändern hier"
Veränderung wünscht sich auch André Gerckens. Der festangestellte Landwirt hat die AfD gewählt und ist daher - anders als Gontarek - froh über das Wahlergebnis. Es müsse sich "irgendwann mal was ändern hier". Keiner könne sich mehr etwas leisten. Gerckens arbeitet für den größten Landwirtschaftsbetrieb im Dorf. Dieser gehört einer Familie, die politisch anders in die Welt schaut als Gerckens: Landwirtin Ingrid Niehoff hat die Wahl Angst gemacht - und gleichzeitig versteht sie, warum besonders Jugendliche AfD gewählt haben. Zu Hause erlebten junge Menschen auf dem Land gerade viele finanzielle Sorgen, viel Unsicherheit - und über Social Media präsentierten sich ihnen AfD-Politiker täglich als Retterinnen und Retter. "Während die anderen Parteien dort nicht so präsent sind", sagt Niehoff.
Politik kann nahbar und bürgernah sein
Zum Erfolgsrezept des SPD-Politikers Erik von Malottki in Neubrandenburg zählt daher sein Social-Media-Auftritt. Malottki ist der einzige SPD-Politiker, der im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ein Direktmandat erringen konnte. "Ich will den Menschen zeigen, dass Politik wirklich nahbar und bürgernah sein kann", sagt Malottki im Gespräch mit Reporterin Zahrah-Louise Roth. "Und das geht heutzutage nur, fast nur über soziale Netzwerke". Aber Malottki engagiert sich nicht nur in der virtuellen Welt. Er setzte sich auch ganz konkret und mit Erfolg dafür ein, dass ein Jugendclub auf dem Neubrandenburger Datzeberg wiedereröffnet wird. Über TikTok verkündete er vor der Wahl: "Die blaue Welle endet genau hier" - und das ist ihm für seinen Wahlkreis auch gelungen.