Umfrage nach MV-Wahl: Großer Wunsch nach politischer Stabilität
Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt - und viele Menschen aus der #NDRfragt-Community wünschen sich jetzt eine stabile Regierung in Schwerin. Dass Kanzler Merz an seinem Amt festhält, gefällt der großen Mehrheit nicht.
Ich wünsche mir Stabilität, die sehe ich zurzeit nicht. Reformen sind sicher wichtig, dabei sollte der Bürger nicht übergangen werden und die Besonderheiten in Ost- und Westdeutschland Beachtung finden. Jana (59) aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg
Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben die Menschen aus der #NDRfragt-Community vor allem einen Wunsch an die politisch Verantwortlichen: die Bildung einer stabilen Regierung. Die meisten Teilnehmenden wählten diese Antwort auf die Frage, was ihnen persönlich jetzt besonders wichtig sei, auf Platz eins; in Mecklenburg-Vorpommern mit 51 Prozent ganz ähnlich wie im Nordwesten (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen) mit 54 Prozent.
Eine stärkere Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist den Befragten in Mecklenburg-Vorpommern deutlich wichtiger als den Befragten im Nordwesten: 45 Prozent wählten diesen Wunsch auf Platz zwei noch vor der Umsetzung von Wahlversprechen.
21.203 Menschen aus Norddeutschland haben innerhalb von rund zwölf Stunden an der nicht repräsentativen, aber gewichteten #NDRfragt-Umfrage zur Landtagswahl teilgenommen, darunter 2.641 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Blitzbefragung startete direkt nach der Feststellung des vorläufigen Wahlergebnisses. Alle Ergebnisse aus der Umfrage für Mecklenburg-Vorpommern finden Sie hier, alle Ergebnisse für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen können Sie hier nachschauen.
Befragte in MV bewerten Wahlergebnis positiver
29 Prozent der Teilnehmenden in Mecklenburg-Vorpommern bewerteten das Wahlergebnis in ihrem Bundesland positiv, 41 Prozent finden es negativ, 29 Prozent haben gemischte Gefühle. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen fällt die Beurteilung anders aus: Nur 15 Prozent stimmten für positiv und 58 Prozent für negativ.
Die AfD hatte bei der Landtagswahl am 20. September mit 38,2 Prozent die meisten Stimmen erhalten und die SPD mit 35,5 Prozent auf den zweiten Platz verwiesen. Die CDU erreichte lediglich 4,9 Prozent und scheiterte somit an der Fünf-Prozent-Hürde - ein historisch schlechtes Ergebnis.
Jennifer (33) aus dem Landkreis Rostock gehört zu denjenigen, die das Wahlergebnis begrüßen. Sie sagt: "Das Ergebnis zeigt, dass die vorherige Regierung keine Zustimmung mehr findet. Es muss sich also grundlegend etwas verändern!" Auch Gabi (67) aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen ist zufrieden: "Den Warnschuss der hohen AfD-Zahlen haben nun hoffentlich alle in der Bundesrepublik wahrgenommen. Es sollte umgehend spürbare Änderungen in den Landesregierungen und vor allem in der Bundesregierung geben."
"Menschen fühlen sich nicht ernst genommen"
Toni (39) aus Rostock sieht im AfD-Ergebnis ebenfalls eine mögliche Signalwirkung an die politische Spitze: "Viele Menschen fühlen sich mit ihren Sorgen nicht mehr ernst genommen und haben genug von einer Politik, die häufig an ihrer Lebensrealität vorbeigeht. Ich erwarte nun von allen demokratisch gewählten Parteien, das Wahlergebnis zu respektieren und ernsthaft miteinander zu sprechen. Natürlich darf keine Partei zu einer Koalition gezwungen werden - aber eine pauschale Ausgrenzung noch vor jedem inhaltlichen Gespräch halte ich für falsch. Demokratie bedeutet nicht nur, wählen zu dürfen, sondern auch, den Wählerwillen anschließend anzuerkennen. Wer verloren hat, sollte das Ergebnis nicht kleinreden, sondern daraus Konsequenzen ziehen."
"Land von Schwarzmalern und Pessimisten"
Ganz anders urteilt Marko (52) aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg: "Es ist in meiner Wahrnehmung eines der erschreckendsten Wahlergebnisse nach dem Zweiten Weltkrieg. Es zeigt, dass wir ein Land von Schwarzmalern und Pessimisten sind. In großen Teilen meiner näheren Bekannten wird nur noch konsumiert, ohne selbst irgendwie Initiative zu ergreifen."
Eine Teilnehmerin (31) aus Rostock fürchtet Konsequenzen im sozialen Bereich, in dem sie arbeitet: "Ich arbeite in jeglicher Form mit eh schon sozial benachteiligten Menschen, die es auf unterschiedlichen Ebenen schwer haben. Das wird mit der AfD um ein Vielfaches schwerer." Madlen (41) aus dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte macht sich vor allem um den Zusammenhalt Gedanken: "Wie werden wir miteinander umgehen? Die AfD ist voller Hass und Überheblichkeit! Sie hört nicht zu. Versteht nicht. Frauen werden leiden. Mehr als Männer. Mir bereitet das alles große Sorge."
"Unzufriedenheit wird täglich spürbarer"
Flávio (33) aus Rostock überlegt sogar, Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen. Er sagt: "Meine Angst ist, dass die Unzufriedenheit mit den drei demokratischen Parteien weiter wächst und das dazu führen wird, dass bei der nächsten Wahl die AfD regiert. Es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Gefühlen, die ich noch nicht richtig einschätzen kann. Was für mich klar ist: Es wird Zeit für einen Plan B, in dem MV für mich nicht mehr vorkommt. Die Unzufriedenheit der Menschen in diesem Bundesland wird täglich spürbarer und es reicht schon, dass man Deutsch mit Akzent spricht."
Auf große Ablehnung stößt in Mecklenburg-Vorpommern die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, im Amt bleiben zu wollen. Nur 18 Prozent der Befragten finden diese Entscheidung gut, 72 Prozent dagegen schlecht - unter ihnen 47 Prozent sogar sehr schlecht. Die Befragten aus dem Nordwesten blicken etwas weniger kritisch auf die Entscheidung des Kanzlers: 27 Prozent finden sie gut, 62 Prozent schlecht.
"Unzufriedenheit vor allem mit Herrn Merz"
Sarah (23) aus Kiel betrachtet das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern vor allem als Kritik an Merz: "Dass die CDU nicht reingekommen ist, ist schon witzig und spiegelt, glaube ich, nicht die Unzufriedenheit mit der CDU, sondern vor allem mit Herrn Merz wider. Wann und ob daraus Konsequenzen gezogen werden, bleibt abzuwarten und zu hoffen. Reformen ok, aber so hartnäckig immer auf den Menschen von Deutschland rumzuhacken, geht zu weit von Merz."
"Ich hoffe sehr, dass Herr Merz am Ball bleibt"
Florian (25), ebenfalls aus Kiel, priorisiert jetzt Stabilität: "Auch wenn ich kein CDU-Anhänger und absolut kein Fan von Friedrich Merz bin, muss er im Amt bleiben. Es geht allein um die Stabilität der Bundesregierung. Die angekündigten Reformen müssen kommen. Aus meiner Sicht würden die Bürger es mehr honorieren, wenn die Regierung insgesamt zu den Reformen steht, die ja eigentlich schon beschlossen worden sind." Ähnlich sieht es Isolde (74) aus Göttingen: Merz denke jetzt hoffentlich endlich um, "muss aber weiter unterstützt werden." Unbedingt für einen Verbleib von Merz im Kanzleramt ist Helga (77): "Ich hoffe sehr, dass Herr Merz am Ball bleibt und die Kraft und Stärke aufrechterhalten kann!"
Über diese Befragung
Die Antworten stammen aus der Umfrage "MV hat gewählt - wie soll es jetzt weitergehen?", an der sich 21.203 Menschen aus Norddeutschland beteiligt haben.
Für die Ergebnisse wurden Antworten ausgewertet, die am 21. September 2026 zwischen 1 Uhr und 13 Uhr abgegeben wurden. Unsere Analyse konzentriert sich auf das norddeutsche Stimmungsbild und wertet gezielt die Antworten aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen aus. Die Umfragen werden online ausgefüllt.
Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings nach den statistischen Merkmalen Alter, Geschlecht, Bundesland, Schulabschluss und Familienstand gewichtet. Das heißt: Antworten von Bevölkerungsgruppen, die unter den Befragten seltener vertreten sind als in der norddeutschen Bevölkerung, fließen stärker gewichtet in die Umfrageergebnisse ein. Und die Antworten von in der Befragung überrepräsentierten Gruppen werden schwächer gewichtet. Insgesamt verteilen sich die Antworten dann am Ende eher so, wie es der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Norddeutschland entspricht.
Abweichungen von 100 Prozent in Grafiken sind rundungsbedingt oder ergeben sich aus der Antwortoption "keine Angabe".
Mitarbeit
Umfrageerstellung: Matthias Klock, Nora Köhler, Bastian Kießling, Katharina Puche
Datenanalyse: Lisa Richter, Bastian Kießling
Communitymanagement: Leon Wulfers
Was ist #NDRfragt?
#NDRfragt ist das Meinungsbarometer für den Norden. Rund 69.000 Norddeutsche haben sich bereits für die Community angemeldet. Registrierte Mitglieder erhalten regelmäßig Einladungen zu neuen Umfragen per E-Mail. Das #NDRfragt-Team wertet die Ergebnisse aus und der NDR berichtet in seinen Programmen darüber. So wird das, was Sie denken und meinen, Teil der politischen und gesellschaftlichen Debatte. Hier können Sie mitmachen!