Video: Polarforscherin feiert Weihnachten in der Antarktis (11 Min)

Von Rostock in die Antarktis: Forschung im Zeichen des Klimawandels

Stand: 28.12.2025 10:21 Uhr

Eis, keine wirkliche Dunkelheit, monatelange Abgeschiedenheit: Im antarktischen Sommer arbeitet ein internationales Forschungsteam im Weddellmeer - auf der Suche nach Antworten auf die Veränderungen am Südpol.

von Dagmar Lembke und Laura Dehmelt

Mit einem selbstgemalten Bild ihres Sohnes im Gepäck und der Familie im Herzen hat die Rostocker Polarforscherin Heike Link Kurs auf einen der entlegensten Orte der Erde genommen. Ziel ihrer Reise ist die Antarktis - genauer: das Weddellmeer. Ein vom Menschen nahezu unberührter Lebensraum und zugleich ein sensibler Indikator für den Klimawandel. Bis Februar wird das Forschungsschiff "Polarstern" unterwegs sein - für die Wissenschaft bis ans Ende der Welt.

Forschung am Rande der Welt

antarktische Krill
Polarforscherin Heike Link erforscht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Kleinstlebewesen im Meer, wie dem Krill.

Seit Jahren untersucht die Biologin an der Universität Rostock die Folgen des Klimawandels im Südpolarmeer. Ihr Fokus liegt auf den kleinsten Bewohnern des Ökosystems: Mikroorganismen im Meereis, in der Wassersäule und am Meeresboden. Besonders im Blick: der antarktische Krill, ein winziger Krebs mit enormer Bedeutung für die gesamte Nahrungskette.

"Wir wollen den gesamten Lebensraum erfassen", so Link. Vom Meereis über Mikroalgen und Mikroorganismen bis hin zum Meeresboden. Entscheidend sei, wie viel organisches Material dort unten ankommt und was sich verändert, wenn das Eis schwindet.

Mit der Polarstern ins Weddellmeer

Expedition Polarstern Namibia
Von Namibia zur Antarktis: Das ist die Reisestrecke der "Polarstern."

Fast zwei Monate lang leitet Link die internationale Expedition an Bord der "Polarstern", dem Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven. Rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten dort gemeinsam, analysieren Proben, diskutieren Ergebnisse und dokumentieren ihre Beobachtungen bereits während der Fahrt.

Am 15. Dezember startete die Expedition von Namibia aus in Richtung Antarktis. Mit an Bord auch Versorgung für den Forschungsstützpunkt: Container mit Ausrüstung und Technik, Proviant - tiefgekühlte und frische Lebensmittel sowie Brennstoff - 70 Tonnen Kerosin und 52 Tonnen Polardiesel. Das Zielgebiet: die Neumayer-Station III im Weddellmeer. Eine Region, von der lange angenommen wurde, dass sich das Meereis hier besonders stabil hält.

Ein Eisgürtel mit Fragezeichen

Blick aus der Polarstern
Heiligabend hat das Team im Meereisgürtel verbracht.

Doch genau diese Annahme gerät ins Wanken. In den vergangenen drei Jahren ist das antarktische Meereis deutlich zurückgegangen. Auch in Regionen, die als vergleichsweise widerstandsfähig galten. Welche Folgen das für das Ökosystem hat, ist noch offen. Umso wichtiger seien regelmäßige Messungen und Proben, betont Link. Nur langfristige Datenreihen könnten zeigen, wie tiefgreifend die Veränderungen tatsächlich sind.

Weihnachten im Eis

Heiligabend hat das Team im Meereisgürtel verbracht. Gearbeitet wird dennoch. Weihnachten machte im Forschungsalltag keinen Halt. Schon auf dem Weg in die Antarktis steht ein anspruchsvolles Programm an, mit Einsätzen bis spät am Abend und früh am Morgen. Auch an Silvester und Neujahr wird gearbeitet - mit Probenentnahme und Auswertung.

Felix Kentges und Heike Link an Bord der "Polarstern"
Kapitän Felix Kentges und Wissenschaftlerin Heike Link an Bord der "Polarstern"

Da stellt sich einem schnell die Frage, wann, so fernab der Zivilisation der erste Tiefpunkt erreicht ist. "Tatsächlich ist es so, wenn die Wissenschaft gut läuft, dann kommt man da gar nicht zu, drüber nachzudenken. Wenn natürlich auch die Arbeit auf dem Schiff auf Grund von mehr Eis doch mal schwieirg wird, denkt man auch mal daran, ach, jetzt wäre es doch schön, wieder nach Hause zu kommen", so Link im NDR Interview. Doch durch die ganze Arbeit vorab und mit dem Ziel vor Augen, möchte man diesen Plan dann auch erfolgreich ausführen, erklärt Link weiter.

Die Verantwortung für das sichere Vorankommen trägt unter anderem Kapitän Felix Kentges aus Rostock. Moderne Satellitenbilder erleichtern die Navigation, doch im Eis bleibt jede Route ein Abwägen. Einerseits ermöglicht das zurückgehende Meereis natürlich schnellere Wege, andererseits birgt auch gerade diese Dynamik vor allem später gen Westen auch Risiken für Schiff und Crew.

Forschung als Grundlage für Schutz

Die Expedition ist bereits die vierte dieser Art. Für die Wissenschaftler geht es dabei um mehr als reine Erkenntnis. Die gesammelten Daten könnten auch eine Grundlage liefern für politische Entscheidungen - etwa zum Bestand von Schutzgebieten. Die Antarktis gilt als eine Art Lebensversicherung für den Planeten Erde, sagen Forscher. Ob diese Versicherung greift, hängt auch davon ab, wie entschlossen Politik und Gesellschaft handeln.

Meeresbiologin Heike Link steht an Bord mit weiteren Personen und lächelt.

Wie wird sich der Klimawandel auf die Region auswirken? Das will Meeresbiologin Heike Link herausfinden.

Heike Link.

Unter der Leitung von Heike Link untersuchen 45 Forschende bis Februar das Weddellmeer auf Lebensräume und Ökosysteme.

Die Wissenschaftlerin Heike Link steht am Kai vor dem Forschungsschiff "Polarstern"

An der Universität der Hansestadt werden bereits Kisten gepackt mit Laborgeräten. Auch Weihnachtsgeschenke sind im Gepäck.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 28.12.2025 | 19:30 Uhr

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