Rostocker Forscherin leitet "Polarstern"-Expedition in die Antarktis
Zum ersten Mal leitet eine Rostocker Wissenschaftlerin eine Expedition des deutschen Forschungsschiffs "Polarstern". Mit 45 Forschern geht es über den nächsten Jahreswechsel in die Antarktis.
Im Südstadt-Campus der Universität Rostock stapeln sich die Kisten. Heike Link von der interdisziplinären Fakultät "Maritime System" schaut sie sich genau an. Den Inhalt kontrolliert sie doppelt. Jede der 26 Metallboxen muss sie mit ihrem Namen abzeichnen. Für die Universität Rostock steht eine Premiere bevor. Zum ersten Mal darf eine Rostocker Wissenschaftlerin die Expeditionsleitung auf dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" übernehmen. "Das ist natürlich eine große Herausforderung für mich persönlich, aber auch ein gewisser Stolz", sagt die Wissenschaftlerin.
Die biologische Vielfalt des Weddell-Meeres
Unter ihrer Leitung fahren 45 Forscher von Dezember 2025 bis Februar 2026 in die Antarktis. Das Weddell-Meer südlich von Südamerika soll ein Wasserschutzgebiet werden. Allerdings gibt es ein Problem: Für eine Umsetzung des Vorhabens gebe es zwar genug physikalische Daten, aber kaum biologische, erläutert Heike Link. Deswegen soll das Gewässer genauer auf Lebensräume und Ökosysteme untersucht werden.
Biologie des Meeresbodens im Fokus
Die Forscher sind auf verschiedene Bereiche spezialisiert und kommen aus ganz Europa. Das fünfköpfige Team aus Rostock hat den Fokus auf die Untersuchung des Meeresbodens gelegt: "Das heißt, wir nehmen Sedimente und gucken, wie groß die Vielfalt der Tiere ist und was die dort machen", sagt Heike Link. Die Sediment-Proben werden während der Expedition - wie ein kleines Ökosystem - in großen Plastikröhren aufbewahrt.
Weihnachtsgeschenke und Flip-Flops
Vorher aber müssen die Kisten gepackt werden. Innendrin sind Unmengen an Laborgeräten, hunderte Probenbehälter und 38 der besagten Plastikröhren. Heike Link betont: "In der Antarktis gibt es keinen Baumarkt, keinen Supermarkt. Alles muss man dabeihaben." Deshalb werden auch Geschenke für Weihnachten und sogar Flip-Flops für die schiffseigene Sauna verpackt. Die gepackten Kisten kommen zunächst zum Zoll, schließlich geht die Fahrt in internationale Gewässer. Danach kommt die Ladung nach Bremerhaven auf das Forschungsschiff "Polarstern". Hier kommt auch die Ausrüstung der anderen Forscher-Teams zusammen; für solche Expeditionen muss jeder Forschungsbereich seine eigene Ausstattung mitbringen.
"Leinen los" im November
Anfang November legt das Schiff ab und setzt Kurs auf die Antarktis - aber noch ohne die Forscher. Knapp einen Monat dauert die Fahrt zum Weddell-Meer. Deswegen fliegt die Forschungs-Crew erst im Dezember nach Namibia, um von dort aus zur Expedition dazu zustoßen. Heike Link hofft, "dass wir zurückkommen mit Daten, die die ganze Biologie im Ökosystem beschreiben, damit wir Langzeitveränderungen messen können". Besonders mit Augenmerk auf den steigenden Meeresspiegel und den Klimawandels sei es wichtig, das Ökosystem des Weddell-Meers zu erforschen und zu schützen.