Kurios und poetisch: "Train On The Island" von Aldous Harding
Die Neuseeländerin hat sich in der Vergangenheit mit ihrem originellen Folk-Pop einen Namen gemacht. Bei Konzerten irritiert sie auf eine gute Art - zieht Grimassen, spielt mit ihrem Körperausdruck.
Aldous Harding hat ihr fünftes Studioalbum "Train On The Island" veröffentlicht. Das zehn Songs starke Album entstand erneut in enger Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Weggefährten John Parish (u.a. PJ Harvey, Dry Cleaning) und wurde gemeinsam mit ihm in den legendären Rockfield Studios im walisischen Monmouth produziert. Dort entstanden bereits Hardings frühere Alben "Party" (2017), "Designer" (2019) und "Warm Chris" (2022).
Unterstützt wurden Harding und Parish diesmal von Pedal-Steel-Gitarrist Joe Harvey-Whyte, Harfenistin Mali Llywelyn, Synth-Künstler Thomas Poli sowie Schlagzeuger Sebastian Rochford (Polar Bear). Außerdem mit dabei: H. Hawkline alias Huw Evans an Bass, Gesang, Akustik- und E-Gitarre sowie Orgel.
Das Klavier rollt, poltert fast. Ein schlichtes, sich wiederholendes Motiv aus vier Noten, das direkt Spannung aufbaut. Da legt Aldous Harding auch schon los mit entschlossener Stimme. Im Video zur Single "One Stop" übernimmt die neuseeländischen Songwriterin selbst die Hauptrolle.
Der Song "One Stop", mit dem Aldous Harding vor einigen Monaten ihr neues Album "Train On The Island" angekündigt hatte, entwickelt einen richtigen Sog. Er rockt! Obwohl hier neben Klavier und Akustikgitarre nur wenig Elektronik involviert ist.
Spiel mit Identitäten
Die 36-jährige Sängerin aus der neuseeländischen Hafenstadt Lyttelton ist 2014 mit schwermütigem "Gothic Folk" und zerbrechlichem Gesang bekannt geworden. Mittlerweile findet sie aber richtig Gefallen daran, musikalisch möglichst viel auszuprobieren - ob Pop-Ballade, Blues oder Post-Punk. Das beweist sie auch auf "Train On The Island", auf dem sie einmal wieder mit ihrer Stimmvielfalt glänzt.
Geradezu clownshaft, aber kontrolliert wechselt Hardings Stimmlage von lieblich zu ernst, dann wieder zu traurig. Es sind die Gesichter, die sie auch live auf der Bühne zeigt, immer etwas entgegengesetzt zur Musik. So verdreht sie beispielsweise ihre Augen und lacht während eines düsteren Songs. Es ist ein Spiel mit Identitäten. Auf ihrem fünften Album schlägt sich das auch textlich nieder.
Fein ausgearbeitete Folk-Popsongs
In fragmentierten Kindheitserinnerungen erzählt der Song "I Ate The Most" vom Gefühl zum eigenen Körper, wie dieser sich schwer oder fremd anfühlen kann. Der streckenweise zweistimmige Gesang unterstreicht diese Entfremdung und Neuorientierung, klingt dabei seltsam intim und warm.
Es sind diese kuriosen, poetischen, manchmal auch komischen Geschichten und die sehr fein ausgearbeiteten Folk-Popsongs von Aldous Harding, die die Hörer*innen in ihren Bann ziehen. Ähnlich, wie auch schon auf den vorangegangenen Alben "Warm Chris" oder "Designer". Verglichen mit diesen früheren Werken wirkt "Train On The Island" lockerer, aber immer noch genauso schwer greifbar.
Aldous Hardings Tourdaten 2026:
19.06. - Hamburg: Große Freiheit 36
21.06. - Berlin: Huxleys Neue Welt
06.07. - München: Muffathalle
11.-12.07. - Köln: Even Flow Festival
Train On The Island
- Genre:
- Pop
- Label:
- 4AD
- Bestellnummer:
- EAN 0191400087316
- Preis:
- 14,99 €
- Veröffentlichung:
- 08.05.2026